Wie kommt Religion in der Kunst der Gegenwart vor? Die zweite Aufstellung der Sammlung für Gegenwartskunst und Religion im neu adaptierten KULTUMUSEUM versammelt rund 100 Werke zu Religion in Kunst der Gegenwart aus unterschiedlichsten Blickwinkeln mit Positionen von rund 40 Künstlerinnen und Künstlern aus ganz Europa. Sie wird am Samstag, den 12. September 2026 um 11 Uhr durch Kulturstadträtin Dr. Claudia Unger und Kurator Dr. Johannes Rauchenberger eröffnet.
Der drängend gewordene Fundamentalismus mit seinem Hang zu verdeckter Gewalt kommt dabei ebenso vor, wie Bilder der Stille, der Transzendenz und der Nähe des Göttlichen in ihren unterschiedlichsten Vorstellungen – von Anblick, Präsenz, Bildenergie bis hin zur Thematisierung der Grenze des Lebens in Krankheit und Tod. Dabei geht es auch um die Frage, wie Codes des Christentums in einer zeitgenössischen Bildwelt verarbeitet werden – als kreative Auseinandersetzung um sein Erbe, als Abklopfen seiner Relevanz für heute in Zeiten eines weithin erlebten Verlusts seiner Bedeutung.
Eine Sonderausstellung bietet dabei "TOHUWABOHU – Chaos": So lautet ein Bilderzyklus zum Alten Testament vom renommierten Grazer Architekten Eilfried Huth. Dass der mittlerweile 96-Jährige auch kontinuierlich Maler war, ist wenigen bekannt. Die 36 Bilder, die 2007 entstanden sind, übersetzen Geschichten von Sex & Crime in der Bibel ins Bild; sie wurden noch nie en bloque ausgestellt. Fast 20 Jahre später sind ihre Themen aktueller denn je. In der Abteilung „Fundamentalismus“ von „Gott hat kein Museum #02“ finden diese Werke einen prominenten Ort in diesem Ausstellungsherbst.
Sie bilden den Pol zu den stillen Bildinterventionen von Elisabeth Gschiel, in der ersten Hälfte des Ausstellungsjahres 2026/27 im KULTUM. Sie ist ebenfalls ausgebildete Architektin. Ihre Bilder sind in der Schau fast zu übersehen: Sie geben Worte frei, die mit der Nadel durchstochen worden sind: exhaustion („Erschöpfung“), violence („Gewalt“), invisible („unsichtbar“), aber auch: „ZEIT“, „STILLE“, „JETZT“.
Mit der Methode genähter Bilder beschwört Elisabeth Gschiel die Stille, das fast nicht Sichtbare und die Zurückhaltung. Aber auch das Ornament, das sie mit Tausenden von Stecknadeln gestaltet hat. Ihre Bilder finden sich im Kontext von „letzten Dingen“, ihr Objekt „The Garbage World“ in der Eingangsabteilung: „Was wir teilen“. Das Stecknadelornament wiederum steht im Dialog mit einem persischen und einem österreichischen Künstler, die aus zwei unterschiedlichen religiösen Kulturkreisen kommen. Sie bilden die Abteilung: „Heilige Muster“.
Führungen für Schulklassen können jederzeit gebucht werden (0316 / 711133; tickets@kultum.at)
Spezial-Themenführungen mit Kurator Johannes Rauchenberger finden auf Anfrage bzw. allgemein ab Jänner 2027 statt
Im ersten Halbjahr 2026 ist mit "GOTT HAT KEIN MUSEUM. Aspekte von Religion in Kunst der Gegenwart" die erste Ausgabe einer Großausstellung zu sehen, die wesentliche Positionen der im KULTUM gezeigten Ausstellungen der letzten 25 Jahre vereint, die in die von Johannes Rauchenberger gegründete Sammlung übergangen sind. Jedes der Werke erzählt seine eigene Ausstellungsgeschichte, sein Konzept, seinen Esprit. Und gerade mit all ihnen wird eine „Meta-Erzählung“ über unterschiedliche Aspekte von Religion in der Kunst der Gegenwart gebaut, die von nun an als „ständige Sammlung“ im KULTUM erlebbar sein wird. In zahlreichen Themenführungen werden die 10 Abteilungen der Ausstellung – auch mit Künstlerinnen und Künstlern – vertieft.
Werke von Iris Christine Aue, Fritz Bergler, Anna & Bernhard Blume, Julia Bornefeld, Guillaume Bruère, Danica Dakić, Madeleine Dietz, Michael Endlicher, Manfred Erjautz, Lorenz Estermann, Richard Frankenberger, Heribert Friedl, Hermann Glettler, Reinhild Gerum, Dorothee Golz, G.R.A.M., Alfred Graf, Peggy und Thomas Henke, Bertram Hasenauer, Werner Hofmeister, Jochen Höller, Lena Knilli, Zenita Komad, Nina Kovacheva, Zlatko Kopljar, Isabella Kohlhuber, Julia Krahn, Paul Albert Leitner, Erwin Lackner, Gerhard Lojen, Muntean/Rosenblum, Marianne Maderna, Alois Neuhold, ninavale, Adrian Paci, Hannes Priesch, Werner Reiterer, Bettina Rheims / Serge Bramly, Keiko Sadakane, Luis Sammer, Wilhelm Scheruebl, Anneliese Schrenk, Claudia Schink, Ruth Schnell, Nina Schuiki, Petra Sterry, Michael Triegel, Norbert Trummer, Lidwien van de Ven, Mark Wallinger, Markus Wilfling, Eduard Winklhofer, Maaria Wirkkala, Daphna Weinstein, Nives Widauer, Daniel A. Zaman, Johanes Zechner, Judith Zillich, Leo Zogmayer, zweintopf, 0512
beleuchten verschiedene Aspekte von Religion in Kunst der Gegenwart.
Es war ein großes Fest, das sich am vergangenen Freitag, den 28. Februar 2025, im Grazer Minoritenzentrum Raum verschaffte: Die Eröffnung der Ausstellung "Im Bann (s)einer großen Erzählung", die den Anfang der Jubiläumsausstellungen zu "50 Jahre Kulturzentrum bei den Minoriten" markiert: "Welche Rolle spielt die Kunst für die Religion? Und wie kreativitätsspendend ist Religion (noch) für die Kunst?" Johannes Rauchenberger, Nachfolger Josef Finks und Leiter des KULTUM seit 25 Jahren, hat diese beiden Fragen zu Beginn seiner Begrüßung als die zwei Hauptfragen des KULTUM seit 50 Jahren für diesen Ort benannt. Mehr als 200 Gäste sind gekommen.
Der Gründer des Kulturzentrums bei den Minoriten starb am 29. November 1999, also heute vor 25 Jahren. Anlässlich seines 25. Todestages erinnert das KULTUM seinen Gründer, der von 1975 bis 1999 nicht nur zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern Auftrittsmöglichkeiten verschaffte, sondern der mit seinem Label "Kunst und Kirche" auch ein weit über die Grenzen hinaus wirkendes Kulturzentrum prägte, das auch die zweite Hälfte seiner 50 Jahre das Verhältnis von Gegenwartskunst und Religion in mehreren Kunstsparten kreativ und beharrlich weiter bearbeitet hat – bis heute. Im Herbst 2025 wird eine große Schau zu "GOTT HAT KEIN MUSEUM" zu sehen sein: Das KULTUM als Museum für Gegenwartskunst und Religion wird darin eine Auswahl seiner umfangreichen Sammlung zeigen, die danach fragt, wie Religion in der Kunst des beginnenden XXI. Jahrhunderts vorkommt.
Diese Fragestellung steht "im Bann einer großen Erzählung", die als Auftakt zu diesem Jubiläumsjahr steht und die ich respektvoll Josef Fink als sein Lebensmotto umhänge, wohl wissend, dass die großen Erzählungen gerade in seiner Lebenszeit zu Ende gegangen sind – das sehen wir in den aktuellen Wirren immer mehr.
Seit den frühen 1960 er Jahren war Fink künstlerisch tätig und zeigte zahlreiche Ausstellungen (mehr als 150); außerdem gestaltete er zahlreiche Sakralräume von beachtlicher Qualität. Von den Anfängen des Holzschnitts und der Radierung von Bibelszenen in spätexpressionistischem Gestus wandte er sich von der Figuration ab den späten 1960er Jahren vollkommen ab und versuchte sich in unterschiedlichsten stilistischen Ausprägungen vor allem in der Malerei; erstaunlich dabei: die abstrakte Fotografie ist auch nach Jahrzehnten von erheblicher Qualität. Vor allem seine Bilder, die in seinen zahlreichen Reisen nach Israel/Palästina entstanden sind, sind unvergesslich. Er hat sich auch dem Dialog mit dem Judentum und dem Verhältnis der Theologie mit den Naturwissenschaften gewidmet.
Zeit seines Lebens stand er, der so schillernd in der Öffentlichkeit präsent war – als Künstler, Künstlerseelsorger (wie das damals hieß...), Kritiker, Zeitungskolumnist, Drehbuchautor, Lyriker u.v.m. – "im Bann (s)einer großen Erzählung": Diesem Motto geht die Ausstellung nach und zeichnet ihn als eine lebendige Figur des Aufbruchs und Umbruchs, die ein Label in die Öffentlichkeit trug, die in dieser Form unvergleichlich war.
Nach der Übernahme einer umfangreichen Schenkung seiner Erbinnen (Dr. Maria Schultze, Dr. Hildegard Keil, Mag. Renate Koller, DI Elisabeth Koller) an das KULTUM an seinem 25. Todestag wird das Werk Josef Finks noch einmal einer gründlichen Relecture unterzogen und vom 28. Februar bis 17. April 2025 in einer umfangreichen Schau der Öffentlichkeit vorgestellt. Auch weitere Leihgeber stellen Werke zur Verfügung, u.a. die Erbin der Sammlung Karl Pauritsch (die das Frühwerk von Fink mit fast 1000 Werken birgt und das in seinen Einzelblättern auch erworben werden kann.)