Zentrum für Bildung, Kunst und Kultur

 

Am 4. Juni 2019 wurde erstmals das neu geplante Zentrum für Bildung, Kunst und Kultur der Öffentlichkeit vorgestellt. Das neu geschaffene Ressort "Bildung, Kunst und Kultur" unter der Leitung von Walter Prügger wird im Herzen der Stadtkrone konzentriert Impulse für Graz, die Steiermark und darüber hinaus setzen.

Hier finden Sie die Pressemeldungen zu dieser Ankündigung:

Diözese baut Zentrum für Bildung, Kunst und Kultur: >> Katholische Kirche Steiermark

Diözese Graz-Seckau baut Zentrum für Bildung, Kunst und Kultur: >> Kathpress

Öffnung von Grazer Priesterseminar geplant: >> steiermark.orf.at

Diözese Graz-Seckau baut Zentrum für Bildung, Kunst und Kultur: >> katholisch.at

Jahrhundertprojekt der Katholischen Kirche: >> Kleine Zeitung print

Katholische Kirche baut Zentrum für Bildung, Kunst und Kultur: >> Kleine Zeitung online

Geist und Kultur: >> Sonntagsblatt

Steirische Diözese baut die Grazer „Stadtkrone“ um: >> Steirerkrone

Bild könnte enthalten: 1 Person

Kleine Zeitung PRINT (5. Juni 2019)

Hier finden Sie das Statement von Johannes Rauchenberger, der als Leiter des KULTUMs einerseits Betroffener ist – das KULTUM wird spätestens 2025 ins neue Zentrum ziehen – andererseits einer der Ideegeber des neuen Zentrum ist.

  1. Als Leiter des KULTUMs, des Zentrums für zeitgenössische Kunst, Gegenwartskultur und Religion der Diözese Graz-Seckau, blicke ich mit einem weinenden und einem sehr erwartungsvollen Auge auf das geplante Zentrum in der Grazer Stadtkrone. Steht für uns, die wir seit beinahe 45 Jahren im Minoritenkloster auf der anderen Murseite unseren Ort haben, ja viel von unserer Identität auf dem Spiel: 
     
  2. „Die Minoriten“, wie wir im Volksmund in Graz lange (bis 2009) genannt wurden, haben sich bislang mehrfach um Schwellen bemüht: wir haben sie einerseits versucht abzubauen – für Künstlerinnen und Künstler, aber auch für ein Publikum, das mit Kirche nicht mehr in Berührung kommen wollte oder schon längst nicht mehr in Berührung gekommen ist. Das ist uns in erheblichem Maße gelungen. Nicht zuletzt aber haben wir sie auch für die Kirche abzubauen versucht, was uns oft weniger gelungen ist. Wir haben aber andererseits auch konsequent darauf bestanden, die Schwellen hochzuhalten – wenn es um Qualität ging. Mittlerweile sind wir durch die Sparprozesse der letzten 15 Jahre allerdings so klein geworden, dass es fast nicht mehr geht. Das ist natürlich schade. Umso schöner jetzt dieser radikale Ruck ins Neue!
     
  3. Wir haben uns in der unserer Institution innewohnenden Gründungserzählung immer um eine kritische Distanz zur „Macht“ bemüht, gleichwohl wissend, dass wir eine „Macht des Ortes“ (H. Seuter) haben. Wir förderten vor allem eine Kunst, die kritisch war – kritisch gegen Fehlformen in der Gesellschaft, auch in der Kirche. Wir trauen der Kunst diese kritische Macht auch weiterhin zu. Wir hoffen, dass die neue „Macht des Ortes“ in der Grazer Stadtkrone diese Erzählung nicht unterspülen wird. 
     
  4. Wir haben in den letzten Jahrzehnten versucht, eine Kunst zu zeigen, die auch im 21. Jahrhundert produktive Reibungsflächen zur Religion aufweist und haben dies in Ausstellungen, Publikationen und in einer entstehenden Sammlung unter Beweis gestellt: Wenn sich die Diözese Graz-Seckau in Zukunft dieser Schnittfelder an einem ihrer historisch so zentralen Orte stellt, so ist das ein weithin sichtbares Signal, dass die Gottes-Geschichte keine vergangene und musealisierte ist, sondern auch eine der jeweiligen Gegenwart.
     
  5. „Die Macht des Ortes“ kann man auch so übersetzen, dass Architektur immer auch eine Botschaft vermittelt. Symbolische Architektur- und Raumnutzungsind für einen kirchlichen Reformprozess also ein drängendes Gebot der Stunde. Denn wenn die Kirche in Zeiten der zunehmenden Säkularisierung etwas wirklich ihr eigen nennen kann, so sind es ihre Räume. Es gilt, den Phasen der wirtschaftsstrategischen Sprache des letzten Jahrzehnts und den Diktionen von Unternehmensentwicklung im derzeitigen diözesanen Reformprozess einen ergänzenden Gegenentwurf folgen zu lassen: Die Kirche sollte zukunftsorientierte Zeichen auch mit dem setzen, was sie ohnehin an Erbe zu verwalten – und zu gestalten – hat. Ansonsten wird dieses Erbe zunehmend zur unerträglichen Last. Das man dies so zukunftsorientiert und gleichzeitig geschichtsbewusst tun will: dafür möchte ich sowohl Bischof Wilhelm Krautwaschl als auch dem Leiter des Ressorts, Herrn Walter Prügger, einen großen Respekt zollen. Der Ansatz ist wirklich mutig. Wir lassen uns nicht in Bewahrer, Verwalter und Visionäre auseinanderdividieren. 
     
  6. Die Botschaft der Architektur in der Grazer Stadtkrone liegt in einer (verflossenen) Verschränkung von Politik, Kirche, Geistesbildung und Kunst. Die Grazer Burg (Sitz des Landeshauptmanns), die ehem. Hofkirche Kaiser Friedrichs III. (seit 1786 Kathedrale der Diözese Graz-Seckau), das ehem. Jesuitenkonvikt (seit dem 19. Jh. Wohnung von Domherren), das von Erzherzog Karl II. gestiftete ehem. Jesuitenkollegium (seit 1806 Priesterseminar), die 1585 von diesem gestiftete Universität (die als repräsentative Veranstaltungsstätte genützte „Aula der Alten Universität“ des Landes, die Katharinenkirche und das Mausoleum Kaiser Ferdinands II. (als Monumente der Gegenreformation), das im späten 19. Jahrhundert hinzugekommene Schauspielhaus: Es ist eine historische Dichte von Verschränkungen, die in dieser Form auch europäisch einzigartig ist. Man muss sie nicht als etwas Gestriges erzählen!
     
  7. Die Gebäude der Kirche, die sich in den Händen unterschiedlicher kirchlicher Rechtsträger (Priesterseminar, Kanoniker) befinden, können in diesem einmaligen Reformprozess einer wirklichen „Verheutigung“ – auch im Sinne des von Bischof Wilhelm Krautwaschl 2017 installierten „Zukunftsbildes“ – unterzogen werden: Kirche ist für die Menschen da, (Vgl. der 1. Satz des Zukunftsbildes: „Wir gehen vom Leben der Menschen aus“), nicht für sich selbst.
     
  8. Die Zeitfenster des von Bischof Wilhelm initiierten Reformprozesses, jene der neuen Impulse für eine kirchliches Selbstverständnis durch Papst Franziskus und schließlich jene der derzeit vorhandenen „Player“ wollen wir nützen – denn sie könnten sich auch schließen: Sowohl das kirchliche Erbe in Form von Kunst und Musik (um das Mausoleum) muss in diesem geplanten Zentrum einen Ort finden, als auch die Auseinandersetzung mit der Gegenwartsowohl in neuen Bildungsformaten als auch in Form zeitgenössischer Kunstformen in Lesungen, Ausstellungen, Konzerten und Diskursen. Die Ur-Idee des riesigen Gebäudes Bürgergasse 2 war ja – mitten in den Wirren der Reformation – eine Stätte geistiger Erneuerung, die die geistige Auseinandersetzung mit den damaligen „Playern“ nicht scheute.
     
  9. Die architektonische Botschaft derzeit allerdings ist: hier liegen hermetische, verschlossene Baukörpervor. Zudem wird ein Kirchenbild (und auch Priesterbild) in sie projiziert, das schon längst nicht mehr zeitgemäß ist, theologisch z.T. höchst bedenklich ist und vielfach auch längst nicht mehr stimmt. Wir müssen also etwas dagegen tun: Wir werden Gesten der Öffnung und des Dialogs setzen – sowohl architektonisch wie auch später im sorgfältig aufeinander abgestimmten Programm. Wenn Kirche zukunftsfähig sein soll, muss sie gerade in Zukunft auf das Denken, die Bildung und auf die Kunst setzen. Ein klausurartiger Rückzug  fernab von den Fragen dieser Welt – den es freilich ebenso auch geben muss – wird für die Zukunftsfähigkeit nicht reichen.
     
  10. Was ist konkret nötig? Ein Architekturwettbewerb, der sich mit diesen Signalen der Öffnung in dieser dezidierten historischen kirchlichen Machtarchitektur auseinandersetzt. Es geht zunächst schlicht um eine „Hardware“, die mit der hohen historischen Herausforderung kreativ umzugehen weiß: Ein derartiges Zentrum benötigt eine Atmosphäre des Willkommenseins, bespielbare Flächen und Räume für Ausstellungen, eine Zone von Veranstaltungsräumen, die man auch gerne besucht. Sie haben den unbedingten Vorrang vor den Verwaltungs- und Büroräumlichkeiten. 
     
  11. Das derzeitige Gebäude Bürgergasse 2 kann man auch vom Freiheitsplatz aus erschließen, hinter dem sich ein einzigartiger Garten befindet: Dort könnte ein zeitgenössischer Veranstaltungsraum seinen Ort finden. Eine Nähe zur Aula der Alten Universität ist bewusst angedacht, ebenso eine Kooperation mit dem Land Steiermark.
     
  12. Der Komplex um Dom und Mausoleum soll sich in Zukunft neu touristisch erschließen. Alles, was sich um das „kulturelle Erbe“ der Diözese ansiedelt, soll sich angrenzend an das Mausoleum anschließen – in der Kunst wie auch in der Musik. Die Sammlungen alter und neuer Kunst in der Diözese Graz-Seckau, bislang auf unterschiedliche Rechtsträger wie Diözesanmuseum, Kulturzentrum bei den Minoriten (Kultum), QL-Galerie, BH Mariatrost usw. verteilt, sollen in einem neuen Dom- und Diözesanmuseum neu aufgestellt werden: Die Diözese Graz-Seckau hat sich seit über 50 Jahren gerade im Dialog mit zeitgenössischer Kunst einen besonderen Ruf erworben, den es auch in den Status eines Museums zu überführen gilt.


Grüß Gott auf unserer Website! Wir verwenden Cookies, um die Bereitstellung unserer Inhalte und Services zu erleichtern. Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.Mehr Informationen

OK