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Christoph Szalay - Foto: Dirk Skiba

SPACE=WOW (BUT I STILL MISS YOU, EARTH), UA

Christoph Szalay und Belma Bešlić-Gál

SPACE=WOW (but I still miss you, Earth) ist eine Auftragsarbeit, die im letzten Jahr an den Lyriker Christoph Szalay und die Komponistin Belma Bešlić-Gál ergangen ist. Gemeinsam entwickelten die Künstler ein feines Gewebe aus Text und Klang, das die für das Jahr 2035 geplante Marsmission zum Ausgangspunkt wählt, um sich mit dem Planeten Erde und dessen BewohnerInnen auseinanderzusetzen. Realisiert wird das Projekt durch das Ensemble szene instrumental unter der Leitung von Wolfgang Hattinger.

Uraufführung: SPACE=WOW (BUT I STILL MISS YOU, EARTH)
Text: Christoph SZALAY
Komposition: Belma Bešlić-Gál
Ensemble: szene instrumental

DIENSTAG, 16. Mai 2017 / 19.00 Uhr
Eintritt: 12€ / 7€
Karten: Abendkassa, Kartenreservierung: 0316 711133 31
kultum [Minoritensaal]

Kooperation von Kulturzentrum bei den Minoriten und szene instrumental

INTERPRETINNEN
Flöte - Elisa AZZARÁ
Violine - Jacobo THORSBRO-DAN
Viola - Anna SABELFELD
Violoncello - Esteban BELINCHÓN
Posaune - Kevin FAIRBAIRN
Perkussion - Grilli POLLHEIMER
Akkordeon - Ivan TRENE

Bühnen- und Kostümbildnerin: Sophia PROFANTER
Schauspielerin/Sängerin - Ninja REICHERT und Alice PETERHANS
Sprechstimme – Christoph SZALAY
starsky - Projektionen

Dirigent - Wolfgang HATTINGER

1830 fertigten Wilhelm Beer und Johann Heinrich Mädler die erste Marskarte an, der Beobachtungen der Marsoberfläche vorausgingen, 2035 soll die erste bemannte Marsmission starten. Basis dafür ist der unter der Regierung Obama 2010 beschlossene NASA Authorization Act sowie die Bestimmungen in der U.S. National Space Policy; Distanzen sollen dabei überwunden und Orte erreicht werden, die bislang vor allem Stoff für Sci-Fi Fantasien waren. Zugleich aktualisiert die Marsmission gesellschaftspolitische und existentielle Fragen und berührt die Vorstellung des Menschen: Wie wollen wir leben und wo?

Gewitzt bewegt sich Christoph Szalay vom Planeten Erde weg, um den Fokus genau dorthin zurückführen: Seine (wie jedwede) Auseinandersetzung mit dem Weltall ist auch eine Auseinandersetzung mit der Erde: Die Reise auf den Mars wirft Licht auf Begriffe, die immer neu ausverhandelt werden müssen – was bedeutet Nation, was bedeutet Territorium, was bedeutet Migration, was sind ökonomische Ressourcen, wer verfügt über sie? Freigelegte Landzungen / ermoeglichen / den Gang / uebers Wasser / oder / waren das / Boote / borders / Transitrouten / sechshundert Dinar fuer eine Ueberfahrt / von Kueste zu Kueste (Szalay, SPACE=WOW).

In den grundlegenden gesellschaftspolitischen Fragen bleibt die Erfahrung von Schönheit als Spur, die berührt und zu einem ästhetischen Response, zu Gestaltung und Formung auf- und herausfordert, vielleicht sogar zu einem moralischen Leben (schön wär`s), eine Erfahrung jedenfalls, die von Astro- und Kosmonauten als überwältigend beschrieben wird, „when we look at the Earth from space, we see this amazing, indescribeable beautiful planet that looks like a living, breathing organism, but it also at the same time looks extremely fragile“ (Ron Garan, Shuttle/ISS Astronaut, in: Overview. Directed by Guy Reid. 19 min, 2012). Genau dieser durch die Expedition in den deep space ausgelöste shift in perception, der nicht nur auf wirtschaftliche und politische Systeme zielt, sondern eine neue Welt-Sicht: ein neues Welt-Verständnis meint, ist das Skandalon, von dem sich Christoph Szalay ästhetisch fordern ließ.

Dem lyrisch strukturierten Text stehen fast durchgehend Zitate zur Seite (im direkten Wortsinn), die den Referenzrahmen abstecken, Spannungsbögen öffnen, Herrschaftsideologien direkt oder über die Bande gespielt ausstellen und lose Enden haben, die ins Textgewebe eingeschlagen werden. Dabei wird der heroische Gestus von Heldenepen und Gründungsmythen, die Eroberung und Unterwerfung im Sinne der Macht legitimieren, wie das Pathos in Berichten über Missionen ins All subtil dekonstruiert, sag also / Helden / Heroen / Himmelsstuermer / nenn mich / Gagarin / Leonow / Dschanibekow / Farrell / Shepard / Aldrin / Armstrong – und auch die große Geste, die im Sci-Fi-Kontext selbstverständlich zu sein scheint, wird fein aufs Korn genommen, bau dir einen Himmelspalast / einen, der Bestand hat / über Jahrzehnte / einen, der Bestandteil ist, einer Erzählung / die weiter reicht, als dein Verständnis von / Vater / Mutter /  Bruder /  Land.

Die in Tuzla geborene Komponistin Belma Bešlić-Gál, die sich in ihrer kompositorischen Arbeit obsessiv mit Auswirkungen der Weltraumforschung auf unsere Wahrnehmung und unser Selbstverständnis beschäftigt, hat eine Komposition erarbeitet, die von der Faszination des Weiten, Unerreichbaren und Sphärischen geleitet ist.

Der Aufführungsraum wird zum surrealen Ort, in dem die Ensemblehierarchie aufgelöst ist und Instrumentalisten, Dirigent und Sängerin als gleichberechtigte Akteure agieren, Reisende durch die Raumzeit. Klangquellen jeglicher Art sind versteckt und bilden eine Symbiose mit dem Raum und den anwesenden Körpern, mit der Sprache, dem Licht. Dabei entsteht eine organische Einheit aus Klangraum, Dunkelheit und Sein, welche Fragen aufwirft und zum Nachdenken bewegt.

Die mehrmonatige Reise durch die Dunkelheit zum Mars, diesem himmlischen Nachbarn ohne Leben, ist – da stimmen Komponistin und Autor überein – eine surreale Reise zu sich selbst. Ein Ankommen sei, so Belma Bešlić-Gál, nicht möglich, es gebe nur Zwischenstopps. Wir sind Reisende aus Unbekannt zu Unbekannt: Existentielles Nicht-Wissen/Verstehen, Nicht-Wissen-/Verstehen-Können, das in all unserem Wissen steckt, wird zum Impuls. Wer sind wir? Warum? Wohin gehen wir?





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