(M)EIN EDITORIAL

... hat immer auch etwas Politisches, sagt man mir nach. Nur: Was jetzt? Historiker können später vielleicht einmal etwas heraus lesen, was, warum und wie man wann Kunst gezeigt bzw. ein Programm gestaltet hat. So war etwa unser Literaturfestival „Hoffnung als Provokation“ ein (internationaler) Appell, dieses Wort in Ländern der Repression hochzuhalten. Bis zum 18. November ist noch die dazugehörige Ausstellung „Spiro.Spero“ zu sehen. Tom Schmelzer, einer der Künstler, wird am letzten Tag für ein Künstlergespräch da sein. Vielleicht aber auch dafür, uns klar zu machen, dass die Gewöhnung an das Gefährliche eben sehr gefährlich werden kann. Es sind nicht viele (seiner)Luftballons der Nadel zum Opfer gefallen – aber es sind doch einige geplatzt! Derzeit sind 60 Prozent unseres Landes glücklich. Ich persönlich bin nicht ganz glücklich – aber vor allem, weil wir hier in unserer recht schönen Steiermark mit Hermann Glettler am 3. Dezember eine Stimme verlieren, die schon recht deutlich hörbar war, wenn gesellschaftlich etwas in die Schieflage ging. Und ich finde, wir sind in Vielem in einer Schieflage. Das wäre also die historische und politische Anmerkung gewesen! Wer wird jetzt noch öffentlich den Mund aufmachen, wenn es darum geht, den „Kurzschluss vor dem Kulturkampf“ (HG) anzuprangern oder schlicht die Menschlichkeit so vieler nicht einfach kleinzureden? En Marche! Wir dürfen dem Kippen in unserer Gesellschaft und der öffentlichen Medienlandschaft nicht einfach zusehen! Dieses Kippen begann ja mit solchen Sagern wie „ASYL AUF ZEIT“ – erinnern Sie sich? Franz Yang-Mocnik, der seit 26. Oktober groß im Museum Moderner Kunst Kärnten (sic!) und anschließend ab 20. Jänner 2018 im KULTUM gezeigt wird, hat sich solche „Geistesblitze“ dann immer schnell in der Nähe seiner Leinwände notiert, um sie nicht zu vergessen. Asyl auf Zeit! Ja, die Zeit ist abgelaufen, kann man sagen. Yang-Mocnik hat sich freilich auch wirkliche Geistesblitze aufgeschrieben, von denen Sie auf den folgenden Seiten einiges lesen können. Vor allem aber ist er ein großartiger Maler, dessen Bilder Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen dürfen! Nicht nur seine Kreuzigungen lassen tief in die (ambivalente) christliche Leidenskultur blicken, auch seine Anrufungen an Christus: „Du bist wenigstens weis (sic!) gewesen!“ Aber auch seine neuesten, farbigen Leinwände zur christlichen Ikonografie sind atemberaubend: Der Kleine vor dem Erzengel Gabriel ist jedenfalls farbig, nicht weiß. Womit wir fast schon bei Weihnachten sind. Die Zeit davor wird ja noch immer mit heftigen Klischees wie Stille und Einkehr überstülpt. Wer das wirklich sucht (oder will), der soll sich mindestens eine Stunde Zeit nehmen, sich in der wunderbaren Ausstellung von Renate Krammer zu verlieren, die wir am 5. Dezember eröffnen. Es ist ein konzentriertes Werk von einem ganz außerordentlichen Wert, das in aller Stille seit 20 Jahren in Kumberg entsteht und das nun endlich einmal in einer großen Personale gezeigt wird. Ein großer „Fadentunnel“ entsteht extra für diese Ausstellung. Bis zum Dreikönigstag ist diese konzentrierte Stille zu sehen.

Eine „Fußnote“ schließlich ist als Verbindung zur Theologischen Fakultät gedacht, wo Isabella Guanzini, die Nachfolgerin Gerhard Larchers auf dessen Lehrstuhl für Fundamentaltheologie, eine Ausstellung im Schnittfeld von Ethik/Theologie und Medizin mit der Mailänder Kunstakademie realisiert. Das Werk „Cura [Sorge] von Vittorio Corsini ist bei uns vom 22. November bis 15. Dezember als „Link“ zur Semesterausstellung dort zu sehen: Befinden sich diese Glasblumen im Medikamentenschrank? Sind sie die Medizin für die Heilung? Über „Spiritualität, Religion und Weltanschauung“ spricht die Philosophin Ursula Baatz aus der Sicht der Systemtheorie am 27. November. Ö1-Radio-Stimme Alexander Tschernek wird ebenso hier sein und aus ihrem ganz frisch erschienen Buch lesen. „Gaukler“ und „Jammern auf hohem Niveau“ sind die Werke, aus denen die in der österreichischen Slam-Szene tief verwurzelten Christine Teichmann und Markus Köhle am 14. November lesen. Und am 28. November stellt Birgit Pölzl zwei junge Autoren vor, die mit „Phantome“ und „Hundert schwarze Nähmaschinen“ zwei spannende, präzise, mit lakonischen Bildern versehene Romane vorgelegt haben: Robert Prosser und Elias Hirschl. Lukas Cejpek und Margret Kreidl, die sich seit Jahrzehnten unbestechlich dem literarischen Mainstream verweigern, stellen am 22. November ihre neuen „Ein weisses Feld. Selbstversuch“ und „Zitat, Zikade. Zu den Sätzen“ vor. Die virtuosen Romane „Sechzehn Wörter“ der hoch ausgezeichneten Nava Ebrahimi und „Liebesroman“ von Ivana Sajko, einer der wichtigsten Stimmen Südosteuropas, werden am 4. Dezember vorgestellt.
Und am 19. Jänner haben wir die kurdische „Literaturikone“ Ali Bachtyar zu Gast, dem gerade in Deutschland der Nelly Sachs Preis zuerkannt wurde. Er liest aus der „Stadt der weißen Musiker“. Ein Flötenspieler versucht während des Iran-Irak-Krieges und während des Terrorregimes Saddam Husseins zu überleben – und verwebt virtuos alte Legenden mit der jüngsten Geschichte des Irak. Und natürlich gilt der Fixtermin für alle SlamerInnen: Am 1. Dezember ist FEE die Fixstarterin, am 26. Jänner Sarah Anna Fernbach.

Viel, sehr viel gibt es auch in der Neuen Musik anzukündigen: Am 25. Oktober schließlich rückt das Schallfeld-Ensemble mit „Jungle’s End“ in der Reihe prattica-E Werke von Yaïr Klartag,  Christof Ressi,  Miroslava Svolikova, Lorenzo Troiani und Ying Wang in den Fokus, die das Zusammenspiel aus instrumentalen und elektronischen Klängen zum Thema machen. Am 9. November präsentiert das „Ensemble Zeitfluss“ Werke von Bernd Richard Deutsch, Margareta Ferek-Petric (UA), Peter Lackner (UA), Luigi Nono (Canti per 13 (1955)), Antonis Rouvelas (UA) und Yulan Yu (UA). Nach dem furiosen ersten Konzert des „Vokalensemble Cantando Admont“ vor ein paar Wochen ist dieses erneut mit „Enigma“ am 21. November bei uns zu Gast; Werke von Giovanni Pierluigi da Palestrina, Klaus Lang, Cui Shihui (UA) und Beat Furrer stehen auf dem Programm. Das IGNM Steiermark bringt am 14. Dezember Kompositionen von Anahita Abbasi, Tamara Friebel, Elisabeth Harnik, Meredith Monk, Gerd Noack, Pauline Oliveros und Karlheinz Stockhausen zur Aufführung. Und nur einen Tag später, am 15. Dezember, geht die Konzertreihe prattica-E in die Verlängerung: In zwei Konzerten an einem Abend beleuchten wir das Schaffen Kaija Saariahos mit dem Werk „près“, stellen Neues von Hannes Kerschbaumer und Tomasz Skweres vor und verwandeln schließlich den Cubus in eine Spielkonsole.

Herbst- und Winterzeit ist immer auch eine intensive Theaterzeit für unsere Jüngsten: Für unsere Jüngsten spielt am 24./25. Oktober das Figurentheater Theatergeist Berlin Helme Heines Kinderbuch „Das schönste Ei der Welt“! „Francesca fliegt“ ist ein MusikTheater-Workshop für kreative Köpfe ab 6, das um  das Team des Komponisten Siavosh Banihashemi entstanden ist. Große Empfehlung! Vom 9.-11. November. Eine Woche darauf (17.-18. November und 25-26. November) will der Kasperl (Puppentheater Bavastel) den grünen Hund fangen, und die Hör- und Schaubühne Stuttgart verführt am 13. und 14. Dezember mit einem „Handtaschenmusical“ nach Pamela Travers abenteuerliche Menschen von 6-10.

Eine intensive Kultur-, Advents- und Weihnachtszeit!


Johannes Rauchenberger

 

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