„Entweder mehr Feuer ins Bild, oder das Bild ins Feuer“ 
Courtesy des Künstlers

Nikola Markovic
: Die Hüter der Flamme, 2018, Videostill

Mehr Feuer in die Kunst! Nikola Markovic

"Mehr Feuer in die Kunst!" 
Von 12. Jänner bis 9. März 2019 ist im KULTUM die Personale des serbischen Künstlers Nikola Markovic zu sehen: „Mehr Feuer in die Kunst! (Oder das Bild ins Feuer.)“ schallt es Mantra-artig von den Gängen der historischen Mauern. Mit dieser Arbeit promovierte der in der Kunstakademie in Niš (Serbien) lehrende Markovic voriges Jahr als PhD. Auf die Decke einer ehemaligen Moschee projiziert, eröffnete der Imperativ für die Kunst auch tiefer liegende spirituelle Qualitäten, die aus Geschichte, Gebäude und Leerstelle resultieren. Ausgehend von einem Diktum des spätantiken christlichen Philosophen Dionysius Areopagita, der in seiner Schrift „Über die Himmlischen Hierarchien“ davon sprach, dass das Feuer in allem und in allen Dingen sei und dass es alle anderen Dinge erobern könne, „selbst Gott“, machte sich der Künstler daran, sich das vorzustellen. Und als Imperativ auszugeben: „Entweder mehr Feuer in das Bild oder das Bild in das Feuer!“ 

Kunstpolizei
Die „Kunstpolizei“ – die auf einer Serie von Zeichnungen im Westflügel zu sehen ist – versucht das Feuer, das in der Gesellschaft nicht nur als Inspiration, sondern auch als latente Gewalt zu lodern beginnt, zu löschen. Sie ist bewusst in deutscher Sprache benannt, weil es im Deutschen „härter klingt“, wie Markovic betont. Das ist zum einen eine scharfe Kritik eines Künstlers aus einem von Krisen gebeutelten Land an den Regulierungsszenarien des Kunstmarkts. Das, was an der Kunst verhandelt wird, gilt aber ebenso für die Gesellschaft und ihren Regularien, das jeweilige Feuer im Zaum zu halten oder zu löschen – als Bedrohung, aber auch als „inneres Feuer“. Den „Hütern der Flamme“ ist demnach eine weitere Serie gewidmet – nicht zuletzt in Form von bravourösen Pastell-Zeichnungen verbrennender Holzscheiter, die freilich auch an die Kälte ihrer Entstehung denken lässt.  

Trampeln
Im Südkorridor „versperrt“ eine Installation den gewöhnlichen Zugang: Wer zu den eindrucksvollen Bildern aus der Serie „Aspects from a Nonverbal Speech“ will, muss über Köpfe gehen... Und sich in der Folge ducken, denn dasselbe passiert auch jedem Besucher, ein Meer von Füßen erscheint an der Decke. Ein zwiespältiges Entrèe, das nicht nur tief in die serbische, sondern natürlich auch in unser aller Gesellschaft blicken lässt. Wir trampeln auf Menschen, und sie trampeln auf uns. Wohin gehören wir? Die Arbeit berührt offensichtlich auch das politisch derzeit so missbrauchte Migrationsthema – und ordnet die Rolle des Trampelns mittlerweile ziemlich deutlich zu. 

 

Hände
Am Ende sind in den vier Galerieräumen famos gemalte Hände bzw. Finger zu sehen. Sie scheinen buchstäblich aus der Tiefe des Raumes zu erscheinen. Finger aus Händen unterschiedlicher Hautfarbe geben sich die Hand. Andere wiederum sind aufgetürmt und wachsen in den schwarzen Himmel. Dann wiederum erscheint nur eine Hand aus der schwarzen Tiefe, deren Fingerspitzen zu sehen sind. Und noch ein anderes Mal sind zwei hochgestreckte Hände in Vorder- und Rückenansicht zu sehen. Ihr gegenüber applaudieren einmal Hände in der Masse und einmal ganz allein: Der Untertitel des letzten Bildes lautet: „So this is, how freedom dies – with a thunderous applause“. Gesten, Blicke, Energien sind es, die wirklich töten, verstören, froh machen oder vielleicht sogar trösten können. Die „Auszüge aus der nonverbalen Sprache“ zeigen Hände und Füße, die aus dem Schwarz des Hintergrundes buchstäblich erscheinen. Aber separierte Hände sind nicht nur als Masse zu sehen, sondern auch als Einzelhände. Das Ausmaß an Dunkelheit gemahnt mitunter an ein Kreuz.



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Eröffnung am 12. Jan. 2019



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