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Ressortleitung:

Dr. Birgit Pölzl,

711133-26

Kooperation mit ISOP, Internationales Haus der Autoren Graz. Unterstützt von Kultur Kontakt Austria

Die Reihe „Schreiben. Positionen aus Südosteuropa“ fokussiert die Transformationsprozesse im Südosteuropäischen Raum. Veranstaltungen dieser Reihe sind Themen orientiert und setzen sich aus Statements und Lesungen zusammen. Die Statements können als diskursiver Teil, als Film, als Ausstellung etc. realisiert werden.
 

   

31. 01. 2007
20.00 Uhr
Kleiner Minoritensaal

Monika Kompanikova + Ivan Strpka
Einführung und Moderation: Ursula Macht

Seit der Teilung der Tschechoslowakei vor 14 Jahren ist die Slowakei als „Land im Umbruch" mit nachhaltigen sozialen und politischen Veränderungen konfrontiert. Die literarische Szene expandiert, doch sind slowakische Autorinnen und Autoren in Österreich nur wenig bekannt. Vielfältig sind ihre Stimmen: leise, ironisch, wütend oder sanft. Sie schreiben Texte, die einer existentiellen Beunruhigung Ausdruck verleihen, ohne sich von ihr vereinnahmen zu lassen. Es bleibt eine Distanz: Bedrohliches wird über die Groteske oder über das Absurde thematisiert. Es sind Texte, die keinen Rückzug in eine heile Welt erlauben.
 

06.03.2007
20.00 Uhr

ISOP, Dreihackengasse 2

Der Balkanmensch. Nikola Madzirov


Lesung und Gespräch
Moderation und Übersetzung: Alexander Sitzmann
Die Ästhetik des Todes ist unterschiedlich – die Gräber der Armen sind gleich. Mazedonien am Übergang von einem System ins andere befindet sich zwischen multiplizierten Bedürfnissen, die vom Westen heranbranden, und einer Reduktion des Wünschens, einer Reduktion, die fälschlich an eine fernöstliche Zen-Errungenschaft erinnert, aber aus dem existenziellen Instinkt kommt und sich nicht vom Imperativ des "Satori" ableitet. Der arme Balkanmensch sieht sich plötzlich eingezwängt zwischen zwei Stäbe – zwischen Bettelstab und Marschallstab.
 

28.03.2007
20.00 Uhr
Kleiner Minoritensaal

Eintritt frei!

Dževad Karahasan: Berichte aus der dunklen Welt
Lesung und Buchpräsentation
Einführung
: Anton Thuswaldner

Zwanzig Minuten Fußweg sind es von der Lateinerbrücke, an der mit dem Attentat auf das Habsburger Thronfolgerpaar das »kurze 20. Jahrhundert« begann, bis zur Vrbanjabrücke, an der es 1992 mit der Ermordung zweier Studentinnen endete. Nüchtern und unspekulativ hellt Dževad Karahasan die Dunkelheit auf, die über diesem Weg und den Menschen liegt, die ihn gegangen sind.
Karahasan folgt den Spuren, die das 20. Jahrhundert in seiner Heimatstadt Sarajevo und in Bosnien hinterlassen hat. „Anatomie der Traurigkeit“ etwa erzählt von dem Sohn eines italienischen Partisanen und einer jugoslawischen Kommunistin, der im Exil sein Leben rekapituliert. In Prinzip Gabriel führen Recherchen den Erzähler nach Theresienstadt. Er entdeckt, dass dort auch „Gavrilo Princip“, der Attentäter von Sarajevo, inhaftiert war. Die Briefe aus dem Jahre 1993 berichten von einem Studenten, der seinen Dozenten mit den Briefen eines in Sarajevo Umgekommenen konfrontiert.
Immer wieder verknüpft dieser Berichterstatter aus einer dunklen Welt scheinbar unzusammenhängende Ereignisse. In einer Prosa, die Authentisches und Fiktives geschickt ineinander verwebt, wird so die »spiralförmige Struktur der Zeit« sichtbar.

Dževad Karahasan
geboren 1953 in Duvno (Jugoslawien); Erzähler, Dramatiker und Essayist; Karahasan  wurde 2004 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Er lebt in Graz und Sarajevo.
 

Montag, 18. Juni 2007 20.00 Uhr
Kleiner Minoritensaal
EINTRITT FREI
Eine Kooperationsveranstaltung mit ISOP, dem Internationalen Haus der Autoren und Kulturkontakt Austria.
 

 

 

 

Der private Raum. Petr Borkovec

 

Der 1970 in einem Dorf südlich von Prag geborene Lyriker und Literaturübersetzer Petr Borkovec zählt heute zu den eigenwilligsten und im Ausland bekanntesten Persönlichkeiten der tschechischen Gegenwartslyrik. Seit seinem Debüt im Jahre 1990 hat er weitere acht Gedichtbände und im Vorjahr mit „Amselfassade“ auch einen Band dichterischer Prosa veröffentlicht. Konnte er in der ersten Hälfte der neunziger Jahre innerhalb der jungen postkommunistischen Dichtergeneration noch dem sogenannten Spiritualismus zugeordnet werden, präsentierte er sich ab „Feldarbeit“ (tschechisch 1998, deutsch 2001) mit einem ausgeprägten Personalstil, für den Gedächtnisarbeit und der intertextuelle Dialog mit zum Teil von ihm auch übersetzten Dichtern der Weltliteratur wie Vladislav Chodasevič, Vladimir Nabokov und Iosif Brodskij sowie u.a. Elizabeth Bishop bezeichnend wurden. Im Bereich der tschechischen Literatur des 20. Jahrhunderts sieht er selbst sich dem Frühwerk Ivan Blatnýs aus den vierziger und Zbyněk Hejdas Poesie aus den siebziger und achtziger Jahren verbunden, prägend für seine dichterische Laufbahn waren aber auch der deutsche Expressionismus, vor allem mit Trakl, und der russische Akmeismus.
Borkovec, der für seine sprachlich und formal anspruchsvollen Dichtungen unter anderem 2002 mit dem Norbert-C.-Kaser- und dem Hubert-Burda-Preis ausgezeichnet wurde, hat ein scheinbar nur dem Privaten verhaftetes, gleichzeitig aber so subtil-vielschichtiges und über regionale Kontexte hinausweisendes Werk geschaffen, dass ihm bisher schwerlich eine Interpretation wirklich gerecht wurde. Trotz konsequenter Thematisierung des eigenen Alltags, wobei sich ab Mitte der neunziger Jahre die Schauplätze vom Land in die Stadt sowie ins nähere und fernere Ausland verlagerten, bleibt die eigene Person auffällig ausgespart, sieht sich Borkovec als Teil einer Kette familiärer oder literarischer Tradition, lässt er das Auge, Dinge, Landschaften und Zimmer sprechen oder artikuliert sich mittels der Maske ihm wesensverwandter Lyriker. Im Zentrum des bisherigen, stark visuell orientierten und stets auch um die Sprache an sich kreisenden Werks stehen sorgfältige Wirklichkeitsbeobachtungen, die – wie der Autor in einer Dresdner Poetikvorlesung 2003 ausgeführt hat - „unsere ständige und allgegenwärtige Verflechtung mit dem Unpersönlichen und Außergewöhnlichen“ enthüllen, in zunehmendem Maße jedoch auch Auseinandersetzungen mit dem Sehen an sich.

Christa Rothmeier


 

DIENSTAG, 23. OKTOBER ● 20.00 Uhr ● Kleiner Minoritensaal

Eine Kooperationsveranstaltung mit ISOP, dem Internationalen Haus der Autoren und Kulturkontakt Austria, unterstützt durch das Polnische Institut Wien.

 

 

 

 

POLEN: Dorota Maslowska - Die Reiherkönigin

Einführung + Übersetzung: Olaf Kühl
 



Ihren Debütroman "Schneeweiß und Russenrot" legte Dorota Maslowska mit 18 vor und wurde damit zum Shootingstar der polnischen Literaturszene. Maslowskas Sprache ist eine großstädtische Soundcollage, der Rap der globalisierten Welt. Obszöne Verse und Werbeunsinn, Kinderreime und vermurkste literarische Zitate, all das vermengt sie zu einem kunstvollen Stimmengewebe.
Heute ist sie in Polen die bekannteste und gleichzeitig umstrittenste Schriftstellerin der jüngeren Generation. Im vergangenen Jahr wurde sie für ihren zweiten Roman „Die Reiherkönigin“ mit dem wichtigsten polnischen Literaturpreis "Nike" ausgezeichnet. „Die Reiherkönigin“ ist ein schonungsloser Rap über den Existenzkampf in der Medien- und Konsumwelt. Der Popsänger Stanislaw Retro ist auf dem absteigenden Ast: Seine Freundin verlässt ihn, die Presse setzt ihm mit verleumderischen Meldungen über sein Sexualleben zu, und der verzweifelte Versuch seines Managers, ihn als Schwulenstar zu verkaufen, misslingt. Der nächste große Hype, der ihn von der Bühne fegen wird, steht bereits in den Startlöchern. Maslowska sampelt Literatur, Popmusik und Kinderlieder, knöpft sich den Medienjargon vor und entlarvt seine Phrasen. Sie bedient sich der Zitate und Verweise als Material, formt es zu einer neuen Art von Poesie und gießt das alles lässig in den Rhythmus des Rap. Ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann, und das überdrehte und farbige Bild einer beschleunigten Gesellschaft.
 

 

Dorota MASLOWSKA,
geboren 1982. Sie wurde mit dem Polityka-Preis sowie dem Nike-Preis ausgezeichnet. Dorota Maslowska studiert in Lublin.

 

Herbst  2007

Lustig ist das Zigeunerleben. Zur kulturellen Identität der Roma.
Rajko Djuric, Mariella Mehr, Jovan Nicolic


Die Geschichte der Roma (vor allem die jüngere) soll nicht explizit zur Disposition stehen. (Keine Erinnerungsliteratur an den Holocaust also wie sie im Werk vieler österreichischer Roma-Autoren, z.B. von Philomena Franz oder Cejia Stojka fokussiert wird.) Die Veranstaltung wird die Frage nach der kulturellen Identität in den Mittelpunkt stellen. Wie haben es Roma fertig gebracht / wie bringen es Roma fertig (bzw. bringen sie es fertig ?), ohne einen Staat oder ein Territorium, das sie ihr eigen nennen können, kulturelle Identität zu bewahren. Die Antwort sollen, wenn irgend möglich, Roma selbst geben.
Eingeladen werden Mariella Mehr und Jovan Nicolic, AutorInnen, deren Arbeiten in literarischem Sinn überzeugen. Als Theoretiker und Experte soll der Rom Rajko Djuric gewonnen werden.

   
   
   

 

 
 
WILLKOMMEN bei MINORITEN LITERATUR Graz!