
Die Kreuzigung gehört zu den meistgesehenen und ikonographisch am stärksten festgelegten Szenen der christlichen Bildgeschichte. Der Künstler Guillaume Bruère nähert sich ihr auf ungewöhnliche Weise: Er betritt einen imaginären Raum, in dem er seine Position verändern, Details aus unmittelbarer Nähe betrachten oder sich der Szene aus unterschiedlichen Richtungen nähern kann. Über einen längeren Zeitraum hat der Künstler diesen Raum immer wieder aufgesucht und seine Wahrnehmungen zeichnerisch festgehalten. In seinem Vortrag zeigt er die daraus entstandenen Arbeiten erstmals öffentlich.
Bruères künstlerische Erkundung berührt damit eine zentrale Frage der Reihe „Gott, Raum, Kunst“. In der Kreuzigung treffen die räumliche und zeitliche Endlichkeit des menschlichen Körpers Jesu und die Unendlichkeit Gottes aufeinander. Lässt sich göttliche Gegenwart in einem Geschehen darstellen, das von Leiden, Verlassenheit und Tod bestimmt ist? Was verändert sich, wenn uns die Kreuzigung nicht als Frontalansicht gegenübersteht, sondern als Raum erfahren wird, der unterschiedliche Perspektiven auf das Geschehen zulässt? Welche Einzelheiten werden sichtbar? Wirken Körper, Kreuz, Gesten und der Raum an sich anders?

Im Dachboden des Minoritenklosters sind derzeit großformatige Kreuzigungen von Guillaume Bruère in der Ausstellung „Gott hat kein Museum #2“ zu sehen, die mit dem Künstler anschließend besichtigt werden können. Einer der Künstlerportraits in der Ausstellung ist Guillaume Bruère gewidmet: Sie sind im Cubus während der Ausstellung zu sehen. Produktion: David Immanuel Rauchenberger