
Der zweite Block von „Das Christentum“ handelt von der Passion der Frau: Körperabdrücke der Künstlerin, in Harz und Glas gegossen, die mit Namen frühchristlicher Märtyrerinnen bezeichnet sind: „Thekla“, „Agathe“, „Perpetua und Felicitas“, „Lucia“. Es geht um den Körper, der im Martyrium geopfert wurde, um die Seele zu retten; in den Heiligenlegenden frühchristlicher Märtyrerinnen ist er erstaunlich oft sexuell codiert: Augen, Brüste, Hände und Bauch sind die „Attribute“ dieser Gottgeweihten, die geopfert werden mussten, zum Lohn für den Himmel. Die Körperreliquien und die Marterwerkzeuge sind nicht kardinalsrot, sondern klar wie Glas, als Pretiosen im Schmuckschrank aufbewahrt. Was zutiefst blutig ist, erscheint hier seelenklar. Die Objekte scheinen sich in Immaterialität aufzuheben. Claudia Schink lotete damals als bekennende Agnostikerin mit katholischen Wurzeln die dunklen Seiten einer patriarchalen Opferreligion aus, die untrennbar mit psychischer und physischer Gewalt verbunden ist, und die im Leiden ihre Überhöhung erfährt. Religion spielt für das umfangreiche Werk Schinks eine große Rolle – fokussiert in der Spiritualisierung des Schmerzes, der Abwertung des Körpers und der Herabwürdigung der Frau. Doch trotz aller Schärfe der Kritik hält sie damit auch die Codes einer Religion wach, die sich wie keine andere an der Ikonografie des Schmerzes abgearbeitet hat – in eine Zeit hinein, deren Erinnerung an diese längst verblasst ist.