
Das Innere eines Seils wird „Seele“ genannt. Aus den Kartonröhren dringen die Geräusche vergangener Arbeit und eine kurze Stille, die Atempause. Der Wiener Künstler Daniel Amin Zaman hat die einzelnen Stränge, die an die Taue von schweren Tankern erinnern, in mühevoller, ritueller Wiederholung über viele Wochen hinweg gewickelt, gedreht und angezogen, um sie letztlich in Form eines ungefähren menschlichen Körpers zu bringen. Sie liegen aufgebahrt auf einfachen Kartonröhren. Ein Einatmen, ein Ausatmen. Sonst hört man nur das Geräusch des von Hand immer wieder stückweise in Rotation versetzten Seils, das innerhalb der Kartonröhren läuft. Millimeter für Millimeter wird der Faden mitternachtsblauer Wolle darum geführt und es umwickelt. Der Atem folgt dem Rhythmus der Handlung, die Handlung folgt dem Rhythmus des Atems – und hier verbinden sie sich nach Zaman „zu einem ritualisierten, ununterscheidbar künstlerischen wie kultischen Akt, der gezielt ins Leere geht“. Er ist eine „Leerformel“, die Handlungsrelikte ohne Signifikat schafft. Sie ist ganz bewusst nicht mehr und nicht weniger ist (oder sein will) als ihr Vollzug, eine Einübung in die Absichtslosigkeit und ein Handeln des Nicht-Handelns.
