Was tun Skulpturen ohne Aufsicht? Anneliese Schrenk und Michael Kienzer

Fundstücke, Teile unterschiedlicher Metall-, Holz- oder Glasplatten, Gitter, Stangen, Rollen, Schienenbruchstücke, Rohre, Bausteine und -fragmente, Industrieabfälle, eine Näh- und Waschmaschine, Prothesen, Teppiche, Radiergummi, Schaumstoff, Klebebänder, Zeichnungen, Fotos werden von Michael Kienzer arrangiert und scheinen eine Geschichte zu erzählen, die surreal-dadaistische Verwindungen und Verbindungen in sich tragen. Jedes Material hat seine eigene Qualität, Temperatur, Härte, Lautstärke, Dynamik, die wir körperlich wahrnehmen können.
Abstrakte Materialformen assoziiert Kienzer mit modellhaften Häusern, Kirchen, Lastwagen, Flugzeugträgern, Orgelpfeifen und erzeugt ausgeklügelte Schwebezustände, die belastbar verbunden sind, doch nicht von Dauer zu sein scheinen. Kienzer schafft aus Reduktion, Fragmentierung und Bruchstückhaftigkeit prägnante Setzungen, die uns immer wieder aufs Neue beschäftigen. Rollen, Knicken, Verknoten, Verdichten sind Parameter seiner Arbeiten, die subtil gearbeitet den Moment des Stillstands in der Bewegung manifestieren. Dabei geht es um jene Kräfte, die zwischen den Materialien wirken. Wir sehen Momente, die stabil sind, aber fluid wirken, die Möglichkeit jederzeitiger Veränderlichkeit suggerieren und doch klar positioniert sind.
[...] Trotz präziser Ausführung scheint nichts stillzustehen, vielmehr wirken die Situationen wie offene Erinnerungen. Auf diese Weise verbindet Kienzer Stillstand und Aufbruch, Wagen und Scheitern, Gegebenheit und Option als Zeichen des Umbruchs und steten Wandels.
Michael Kienzer: Melted into the surroundings Vol. 12, 2023