Hannes Schwarz (1926–2014) zum 100. Geburtstag

Ein „Nein!“ aus der unendlichen Sehnsucht nach einem „Ja“ (Emil Cioran)
Der steirische Künstler Hannes Schwarz (1926–2014) hat wie kaum ein anderer die inhumanen Vernichtungsideologien des 20. Jahrhunderts auf diesem Kontinent zum Thema seiner Kunst gemacht. Als junger Mensch wurde er selbst davon indoktriniert und sollte folglich ein Teil davon werden. „Wir sind die betrogene Generation“, sagte er immer wieder. Die Kriegserfahrung in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs hat seine Augen für immer geöffnet – zurück blieben Einsichten und Träume, die ihn ein Leben nicht mehr los gelassen haben. Tagsüber arbeitete er in einem streng ritualisiertem Tagesablauf die Gefallenheit, die Geworfenheit und die Verletztheit des Menschen, der bei ihm eine Kreatur ist, ab. Im letzten Drittel seines Lebens entwirft der Künstler „Landschaften als Botschaften menschlicher Existenz“ (W. Skreiner); der Mensch verschwindet aus dem Bild, zurück bleiben zunächst leere Opferstelen, später Epitaphe und Fahnen, schließlich wandern Zelte und später Bäume in seine Bilder ein, deren Hintergründe immer aus der Raum-Zeit-Dimension herausgenommen erscheinen. Schwarz, der sein Weltverständnis mit Philosophen oder Schriftsteller zu bewältigen suchte, fand in Emil Ciorans Zitat „Ein ‚Nein!‘ aus der unendlichen Sehnsucht nach einem ‚Ja!“ die Spiegelung für seinen tiefen Skeptizismus.
Schwarz war ein stiller, kompromissloser, auf vielfache Weise schutzloser, aber vor allem ungemein konsequenter Mensch, musisch gleichermaßen begabt wie belesen in allen möglichen Konzepten, die Inhumanität mit Philosophie, Poesie und Kunst zu bewältigen. Seinen Zeitgenossen, auch seiner Heimat, erschien er deshalb fremd: Die Auseinandersetzung mit der dunklen Vergangenheit schien keinen Platz im vom Fortschrittsoptimismus durchzogenen Nachkriegsösterreich zu haben.
An Götter konnte er nie mehr glauben, dafür war der Göttersturz seiner Jugend zu dramatisch. Ein ferne Sehnsucht aber blieb am Ende seines Lebens doch: „Ich möchte malen können wie Fra Angelico.“ Das ist ihm nicht verwehrt geblieben: In der Emmanuel-Kapelle in der Weizbergkirche fanden seine Opferstelen und Wimpeln einen sakralen Ausdruck, die die tiefste Katastrophe der Menschheitsgeschichte auch in die Sakralarchitektur dieses Landes einschreibt – und so auch erinnert. Seine Werk ist zeitlos. Lange erschien es wie ein lebenslanges Abarbeiten einer nie verheilten Wunde. Mittlerweile aber wirkt es erschütternd aktuell.
Kuratiert von Johannes Rauchenberger