Wilfried Gerstel: IM HAUS MEINES VATERS SIND VIELE WOHNUNGEN
Als Bundespreisträger des Salzburger Keramikpreises 2001 mit Hang zum Mittelalter verzahnt Wilfried Gerstel mit beträchtlicher Ausdruckskraft so unterschiedliche Medien wie Tonplastik mit Comic-Kultur.
Zu den Themenzyklen „Dreifaltigkeit“ und „14 Nothelfer“ werden in der Ausstellung Objekte, Installationen und Computerdrucke gezeigt, betitelt mit „Superman“ und „Nothelferinnen“ (Margareta, Barbara und Katharina).
Wilfried Gerstels (geb. 1966) künstlerisches Interesse ist es, mittelalterliche Bildsprache mit Supermanfiguren (die ab den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts einen ungeheuren Erfolg als populärkulturelle bzw. populärreligiöse Figur feierten) zu verbinden. Er verschiebt mittelalterliche Bildelemente via Computer und führt sie - als Keramik – wieder zurück in das künstlerische Artefakt, dem er die Comicfigur zufügt. Kleinplastiken als mehrteilige Wandreliefserien, verankert in der handwerklichen Tradition und der Symbolsprache gotischer Miniaturen und mit Ziermustern und Tierdarstellungen geschmückt, werden durch das Einschreiben von Comic-Zeichnungen der ursprünglich theologischen Symbolik und Ästhetik entfremdet. Dialoge werden mittels Gedankenblasen in die mit modellierten Unterzellen versehenen Handlung eingebettet: „Pa weiß, dass nicht alle Samen aufgehen, aber er gibt jedem eine Chance zu wachsen.“ Suggestive Andachtsschreine und –bildchen tun sich auf: „Alle scheinen nur damit beschäftigt zu sein, festzuhalten, was sie haben.“