„Einige wenige Gedichte vermögen es, uns auf die „Schattenrost“-Seite der Wörter zu führen, dorthin, wo der Tag „mitm Zittern der Nachholgeschwindigkeit“ zu beginnen pflegt, heißt es in der Jurybegründung zum Lyrikpreis Meran, den Heinz Peter Geißler 2026 für seine neue Gedichte, die „wolkenweiß und hell wie Speck“ leuchten, gewann. Man folgt beglückt dem Hund, dem Hang, dem Wind und dem Baum bei ihrem Gang durch die Gedanken dieses Gedächtniskünstlers, dessen Gedichte gleichzeitig einwandfrei formuliert und unbestreitbar wahr sind. „Hell wie Speck“ (roughbook 072, 2026) versammelt Gedichte, die untereinander über ihre Motivik verbunden sind: Beharrlich in ihrem Eigensinn, fügen sie sich aus verblüffenden Sentenzen, die niemals gesucht, immer aber unmittelbar einleuchtend sind.
„Ich lösche die Kirschen aus meinen Genen“ (hochroth Verlag München, 2024) ist ein Debütband, der Gedichte, Prosagedichte und Kurzgeschichten vereint und sich mit Themen wie Artensterben, Genversuchen und feministischen Perspektiven auf die Arbeit als Forscherin befasst. Sophia Klink, die in Biologie promoviert und bereits mit mehreren Preisen und Stipendien auf sich aufmerksam gemacht hat, verbindet darin ihre Kompetenzen als Literatin und Biologin und lotet die Möglichkeiten des Nature Writing aus. Klink nutzt unterschiedliche literarische Formen, um ebenso feinfühlig wie kritisch neue Perspektiven auf das Verhältnis von Mensch, Natur und Wissenschaft zu entwickeln.