Richard Schuberth Vom Antisemitismus, der keiner sein will
Immer wieder knöpft sich der Wiener Dichter und Gesellschaftskritiker Richard Schuberth identitätspolitische Diskursmoden vor. Deren israelfeindliche Exzesse seit dem 7. Oktober 2023 führten ihn zu den psychologischen und historischen Wurzeln des israelbezogenen Antisemitismus und der Frage nach der Scheidelinie zwischen berechtigter Antisemitismusdiagnose und Diffamierung.
In Form des literarischen Essays, der Analyse mit Witz und Sprachfantasie legiert, ergründet er dieses Minenfeld der ideologischen Verzerrungen, die ihm aus seiner eigenen Biografie nur zu vertraut sind. Er ruft dabei auch seinen einstigen Antisemitismus als junger Marxist sowie seinen Kulturrelativismus als junger Ethnologiestudent in den Zeugenstand.
Worin besteht dieser neue Antisemitismus? Wie neu ist er wirklich? Und wie lässt sich Kurs halten zwischen der Kritik antisemitischer Wahnbildung und Verständnis für Leid und Anliegen von Israelis und Palästinenser*innen? Diesen Fragen geht Schuberth in seinem neuen Buch nach.
Richard Schuberth ist österreichischer Schriftsteller, Essayist, Musiker und Satiriker. Er studierte in Wien Ethnologie, Philosophie, Psychologie und Geschichte und schloss sein Studium mit einer Diplomarbeit über Nationalismus, Ethnizität und Kulturalismus ab. Neben seinen künstlerischen Tätigkeiten arbeitete er als Musikjournalist, Gestalter von Radiofeatures und DJ. Seine gesammelten Essays, Polemiken, Artikel und Glossen sind in den Anthologien Rost und säure (2014) und Unruhe vor dem Sturm (2017) versammelt. Zuletzt erschienen Bus nach Bingöl (2020, Roman), Lord Byrons letzte Fahrt (2021, Sachbuch) sowie der Roman Der Paketzusteller (2025).