Doppelte Gäste: Silke Scheuermann und Matthias Göritz
Von der Poesie forderte Silke Scheuermann ein, dass sie den Lesenden zeigen müsse, wie diese „in der Sprache sehen“ könnten: Das erfüllt die Autorin Scheuermann auch in ihrem neuen, 2025 bei Schöffling & Coerschienen Gedichtband „Zweites Buch der Unruhe“.
Der Titel ist eine wenig versteckte Anspielung auf das „Buch der Unruhe“, das Hauptwerk des portugiesischen Schriftstellers Fernando Pessoa – von ihm hat sie sich auch das Motto für ihren Band entliehen: „Ich würde am liebsten flüchten. Flüchten vor dem, was ich liebe. […].“ Diese Fluchtgedanken, die Scheuermanns Gedichtband durchziehen, reichen von der Heilsgeschichte bis hin zu lyrischen Reflexionen über künstliche Intelligenz. Dazwischen muss sich der Mensch finden: gleichermaßen kontinuierlich wie zerrissen zwischen Märchen und Mythos, Evolution und technischem Fortschritt.
Gemeinsam mit ihr wird der Autor und Übersetzer Matthias Göritz zu Gast sein. Er wird aus seinem 2021 bei Wallstein erschienen Gedichtband „Spools“ lesen, so wie aus dem gerade als Manuskript fertig gewordenen fünften Band der Doppel –„OO“ Reihe, „Fools“. Was in den dichten Vers-Schleifen wiederkehrt, sind ganz bestimmte Motive, allen voran Angst, Kälte und Schmerz. Dass letzterer nie ganz verschwindet, sondern immer wieder pochen kann, lässt sich als das große Thema seiner literarischen Arbeit verstehen. Doch gemäß der sprachspielerischen Devise „Das Gedicht ist mein Lot / der Vers ist mein Lotse“ hofft das lyrische Ich, Auswege in der Dichtung zu finden.