LITERATUR HOTEL | Doppelte Gäste: Silke Scheuermann – „Zweites Buch der Unruhe“
Mit Silke Scheuermann war am vergangenen Freitag eine Gegenwartslyrikerin zu Gast– eine höchst vielseitige Autorin, eine, wie es so schön heißt: herausragende, was die lange Reihe ihrer Preise, Stipendien und Poetikdozenturen belegt.
Barbara Rauchenberger zitierte in ihrer Einführung den Literaturkritiker Michael Braun, der über sie schrieb: „Ihre Poesie führt uns zurück an jenen epochalen Punkt, da wir uns im Zeitalter technischer Selbstüberhebung wieder an die Möglichkeiten des Menschseins erinnern müssen – zumindest an das, was noch davon zu retten ist.“
Und das gilt auch für den aktuellen Band, aus dem sie las: "Zweites Buch der Unruhe". Helwig Brunner führte wieder das anschließende Gespräch.
Der Band ist unterteilt in 7 Kapitel, der von der Heilsgeschichte bis hin zu lyrischen Reflexionen über künstliche Intelligenz beinahe alles aufgreift, was uns Gegenwärtige bewegt zwischen erschreckenden Zukunftsszenarien, Kapitalismus und Liebe.
Silke Scheuermann überrascht mit überraschenden Bildern und meisterlichen Kompositionen, die vom Märchen- und Mythenstoff und großen literarischen Figuren inspiriert sind. Skepsis und schmerzliche Reflexionen durchfahren den zarten, geduldigen Ton ihrer verständlichen Lyrik und setzen den Zuständen beunruhigend schöne Vorstellungen entgegen.
So etwa diese, eine: „Kein schöner Gedanke, aber plausibel: / Auf Kunst besinnt Gott sich immer, /wenn er frustriert ist./…“
Diese Zeile stammt aus einem Gedicht, das die Überschrift „Gott hat schon wieder eine Ausstellung“ trägt...