
Ulrike Grossarth begibt sich mit ihrer künstlerischen Arbeit in jene kontextfreien Zonen, die mit dem herkömmlichen Instrumentarium des Denkens und Sprechens nicht aufzuschließen sind und gerade dadurch das Potential für grundlegende Transformationen im gesellschaftlichen Bewusstsein bereithalten. Eine Voraussetzung dafür ist die Wandlung der Wahrnehmung des Raumes als fixiertes, objektives Phänomen, dem ein handelndes Subjekt gegenübersteht.
Im Vortrag zeigt sie Projekte, in denen sie mit der Umkehrung der Aktionsrichtung experimentiert: Handlung geht nicht mehr vom Subjekt aus. Durch das Zurückstellen bewusstseinsmäßiger Kontrollmechanismen kann der Einfall – die Aktivität – des ‚Objektiven‘ zugelassen werden. Dem klassischen Raumbegriff, in dem ein positivistischer, repräsentativer Modus herrscht, stellt sie die Definition einer reinen Aufnahmefähigkeit zur Seite. Daraus geht ein zuvor nicht existierender Bereich hervor, in dem unzählige diverse Aggregate von Erscheinungen und neue Kategorien gleichzeitig existieren können, ohne in eine totalisierende Ordnung überführt zu werden.
Der Ansatz folgt Hinweisen auf unbewusste Bereiche und Fehlstellen der Kultur, wie sie Ulrike Grossarth besonders im Zusammenhang mit der jüdischen Tradition begegnet sind.