Am Ende dieser Woche, am 3. Oktober, jährt sich der 800. Todestag des Hl. Franz von Assisi. Weltweit wird heuer – höchst unterschiedlich – dieses Ereignis, das weit in das Mittelalter hineinreicht, begangen. Der Zufall will es, dass an diesem Tag die „Lange Nacht der Museen“ stattfindet. Es ist also mehr als naheliegend, in dieser Nacht im Grazer Minoritenkloster auch nach den Spuren des Hl. Franz von Assisi zu suchen, schießlich sind die Minoritenbrüder der älteste der mehr als 100 Varianten zählenden Ordenszweige, die sich auf den Heiligen Franziskus beziehen: Wo und wie wurde dieser so nachhaltig auch in der jüngeren Moderne zählende Heilige in der Barockausgabe dieses Armutsordens auf der anderen Murseite, die ab 1608 von Hans Ulrich von Eggenberg als Kloster gesponsert und von seinem Neffen Johann Seyfried von 1692 bis 1702 mit dem Bau des barocken Refektoriums (dem so genannten „Minoritensaal“) noch einmal gesteigert wurde, positioniert?
Schließlich waren die ersten Brüder bereits kurz nach dem Tod von Franziskus in Graz gewesen und hatten die Grazer Stadtgeschichte damit mitgeschrieben – wenige Jahrzehnte später begannen sie mit dem heutigen Franziskanerkloster auch ihren Konvent zu bauen, den sie 1515 nach heftigem Streit mit den in der Armutsauffassung radikaleren Franziskanern (den „Observanten“) auf Geheiß von Papst Leo (dem Zehnten! – das war der Medici-Papst) verlassen mussten... 90 Jahre waren sie dann ohne Bleibe – bis die Eggenberger ihnen zuerst ein Grundstück, dann ein Kloster, eine Kirche (nach dem Vorbild Paladios) und schließlich den barocken Speisesaal schenkten. Wiederum 100 Jahre später gab es dann den bisher einzigen Papstbesuch in Graz – in der Mariahilferkirche... (Pius VI. war auf der – zumindest für seine Anliegen erfolglosen – Reise nach Wien zu Kaiser Joseph II. hier abgestiegen.)
Am Samstag, den 3. Oktober, führe ich - nach zahlreichen weiteren Events an diesem Tag (doch davon in einem weiteren Mail) - um 20.30 Uhr durch das Kloster und den Minoritensaal und mache mich mit den Besucherinnen und Besuchern nach den Spuren des Hl. Franz von Assisi an diesem Ort. Karten für die "Lange Nacht der Museen" sind hiezu erforderlich - sie sind im KULTUM erhältlich.
Wie liest sich das barocke Spruchband für den sterbenden Franziskus? PROVOCO AD MAIORA!
Mehr dazu am 3. Otkober – und herzliche Einladung dazu!
Ihr
Johannes Rauchenberger
PS.: Am 1. Oktober findet anlässlich des "Transitus des Hl. Franziskus" (Hinübergang) um 19.30 Uhr im Refettorio eine Gemeinschaftsveranstaltung aller im Minoritenzentrum ansässigen Institutionen – Franziskaner-Minoriten, Pfarre Mariahilf, KULTUM, Schulamt, Bildungsforum – statt: em. Univ. Prof. Hans Mendl (Uni Passau), ein ausgewiesener Franziskus-Experte, spricht über den "Influencer Franziskus" und seiner bleibenden Aktualität für heute.
Bereits im Sommer wurde von mir – auf Einladung des Guardians des Minoritenkonvents, P. Petru Farcas – anlässlich des Gedenkjahres „800 Jahre Transitus Hl. Franziskus“ auf den mit Putz verkleideten „Blindtüren” des Kreuzgangs eine (im wahrsten Sinne des Wortes zu nennende) „Minoriten“-Ausstellung gestaltet, die auf die Bilder von San Francesco in Assisi hinweist, die Cimabue, Giotto und andere Maler für die Bildgeschichte des „Poverello” entwickelt haben und die die Bedeutung der Minoritenklöster für die europäische Stadtgeschichte, auch der österreichischen, hervorhebt. Schließlich wird auf die Bilder des Hl. Franziskus im Minoritensaal eingegangen. Einige Videos sind auch bereits online auf der WEB-Seite des Minoritentrums: www.minoritenzentrum-graz.at abrufbar.
Und schließlich, das kann auch nicht außer Acht gelassen werden, wird mit einigen Highlights der Frage nachgegangen, wie zeitgenössische Künstler*innen den Charakter dieses Ortes aufgenommen haben.