KULTUM | Themenführung #17 zu Bild & Wort am Sa, 30. Mai, 11.15 Uhr | special guest: Michael Endlicher | Nachlese zur Eröffnung im Spiegelgitterhaus Gleisdorf (Michael Kienzer und Anneliese Schrenk) I Kinotipp zu den KunstKopmlizen (prinzPOD) am 2. Juni
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Michael Endlicher, 
BUCHSTABENBILDER, 2025,
Acryl, Lackspray auf LW, 150 x 200 cm, Courtesy des Künstlers, Eingangsinstallation für die Ausstellung "Gott hat kein Museum"

 

HABE NUN ACH! 

Bei keinem anderen Kunstwerk habe ich in den letzten Monaten einen derartigen Graben zwischen der old school an Bildungsbürgerinnen und jungen Menschen erlebt, wie beim Eingangsbild ins KULTUM von Michael Endlicher: Wir haben im vergangenen Ausstellungsjahr wirklich viele Schulklassen geführt – doch es klickte bei diesen drei Worten bei unseren jungen Gästen nicht mehr...
Das ist ein Kulturbruch!
Und ein Appell, in unseren Schulen die aktuellen Lehrpläne auch daraufhin zu überdenken, sich nicht nur gegen die KI (u.a. mit Metalldetektoren) zu wappnen. Für alle, die sich gern erinnern - so beginnt Goethes „Faust“:

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh' ich nun, ich armer Tor,

Und bin so klug als wie zuvor!
Heiße Magister, heiße Doktor gar,
Und ziehe schon an die zehen Jahr'
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum -
Und sehe, daß wir nichts wissen können! Das will mir schier das Herz verbrennen.


Und SO beginnt die Ausstellung „Gott hat kein Museum“... Der Künstler, von dem auch der Schriftzug zum Ausstellungssujet stammt, ist am kommenden Samstag, 30. Mai 2026, um 11.15 Uhr bei uns zu Gast. Das Verhältnis von Wort und Bild ist das Thema.

Wir werden über sein AZ und 01 im Arkadengang sprechen, über negOTIUM und IAM am Eingang zum Minoritensaal, über seine Buchstabenbilder, über HERZMARY am Stiegenaufgang West, über Mariahilf und Hildgard von Bingen, über seine Verschmelzung von Buchstaben bei HALLELUJA, über PAX ET BONUM bei der Minoritenklausur und über das gendergerechte Abnicken von AMEN bei der Glocke als „aMen“ und „aWoman“. 

Große, ironische, augenzwinkernde und natürlich auch ernste Themen von Michael Endlicher. Dazu gesellen sich in der Themenführung #17 Werke von Fritz Bergler, Anna und Bernhard Johannes Blume, Keiko Sadakane – ich freue mich auf das Gespräch und die gemeinsame Themenführung mit Ihnen!


Herzliche Einladung!

Ihr Johannes Rauchenberger

 

 
 
 

Michael ENDLICHER, 01 und AZ, 2024, 50x40 cm, Edelstahl gefräst, Auflage: 3+1, temporäre Installation im Arkadengang des Minoritenklosters, Foto: J. Rauchenberger


 
 
 

Michael ENDLICHER, NegOtium, 2024, Neonapparatur, 100x16cm; IAM, Klebefolie, KULTUMUSEUM Graz, Installation für den Eingangsbereich des Minoritenzentrums


 

Die „Minoriten“ in Graz sind ein Ort des Widerspruchs: von arm und reich, von franziskanischer Spiritualität der Einfachheit und barocker Überfülle, von Event und Esprit, sowie von unserem Wohlstand und konkreter Not. Am Ein- bzw. Ausgang leuchtet ein Schriftzug von Michael Endlicher. 

Das Kloster, die Muße und die „Geschäfte“ alternieren im ((NEG-)OTIUM als blinkender Schriftzug. Arbeit und Freizeit wechseln sich augenzwinkernd ab. OTIUM und NEGOTIUM werden hier als Gegensatzpaar von „Muße“ und „Aufgabe“ gegenübergestellt. Man könnte also quasi im Kasssabereich quasi zwischen „Freizeit“ oder „Geschäft“ wählen – je nachdem, mit welcher Absicht man hier tätig ist oder seinen Besuch gestaltet. Im Hintergrund erscheint auf der Fensterfolie unter der Leuchtschrift die englische Formulierung „I AM“ („Ich bin“). Wird diese ohne Leerzeichen gelesen, ergibt sich im lateinischen Kontext das Wort „Iam“, das auf Deutsch „schon“ bedeutet.

Die Narrative des jahrhundertealten Franziskaner-Minoritenklosters zwischen „Armut“ und seiner Einlassung in die „Welt“, jene des Markenkerns der Kirche mit ihrem Bild von „Mariahilf“, aber auch die Engelsfresken an der Decke des Minoritensaals und das große Barockbild „Die Speisung der 5000“ werden beim Ausgang zum neuen Museum zeitgenössisch (um-)interpretiert.

 
 
 

Michael Endlicher, Halleluja, 2018,
Digitaldruck, gefrästes Acrylglas, 90x120 cm
KULTUMUSEUM Graz, aus: Michael Endlicher: ZEICHEN SPRACHE IRONIE (2024)

 
 
 

Michael Endlicher, bei der Produktion von HERZMARY

 

Michael Endlicher, HERZMARY, 2024,
Wandinstallation, Sprühlack, 12 Buchstabenbilder (Sprühlack, Acryl/Lwd.), ca 370 x 327 cm, KULTUMUSEUM Graz, aus: Michael Endlicher: ZEICHEN SPRACHE IRONIE (2024)

 

Die hohe, zwei Stockwerke umfassende Westwand des neuen Stiegenhauses mit dem Titel: „HERZMARY“ interpretiert den Ort „Mariahilf“ neu: Die Arbeit kondensiert mit exakt 56 Einzelbuchstaben ein altes Wallfahrtslied dieses Ortes und setzt dabei den gesprayten Buchstaben, die die Grundebene bilden, zwei „Fremdworte“ als reale Buchstabenbilder entgegen. Das eine ist selbstredend in Gold, das andere in Rot gehalten: Die mittelalterliche Mystikerin Hildegard von Bingen (1098-1179) hatte ein seltsames Glossar erfundener Wörter – mehr als 1000 – in einer eigenen Geheimsprache geschaffen. Jene für „Gott“ und
„Teufel“ lauten „AIGONZ“ und „DIJELIZ“. Sie treffen sich in jenem Buchstaben, der nicht nur in dieser Ausstellung eine wichtige Rolle spielt: dem „Z“. Die Installation endet jedenfalls im Gleichklang mit der Intention des Ursprungstextes: HoffnungHerzMary. Die Anrufung GNADESIEHILFEHAUSFRIEDENKOENIGINLIEDWENN-HOFFNUNGHERZMARY, die Endlicher hier an die Wand schreibt, fügt sich durchaus in das jahrzehntelange Erkunden des Künstlers von Sprache, auch ritueller Sprache, die im exzessiven Betreiben von „Litaneien“ vor mehr als 20 Jahren begann (dabei ratterte er auch seinen eigenen Namen – ein Katalogtitel mutiert etwa von Ähnlicher über Entlicher, Entlicker und Kindlicher zu Endlicher).


 
 
 

Michael Endlicher
aMen and aWomen, 2017
Acryldruck auf Plexiglas, 45x70 cm
KULTUM
USEUM Graz, aus: SPIRO. SPERO. Hoffnung als Provokation (2017)

 
 
 

Generalpass: € 20,-/15,– Mit dem Erwerb eines Generalpasses erhalten Sie einen Ausstellungsbegleiter mit allen Texten zu den einzelnen Werken (176 Seiten).

Einzel-Eintritt zur Themenführung: € 11,–/8,–

 
 
 

Die Eröffnung in Gleisdorf zum Nachhören

 

Die Ausstellung von Michael Kienzer und Anneliese Schrenk im Spiegelgitterhaus Gleisdorf wurde am vergangenen Freitag sehr erfolgreich eröffnet. Hier können Sie die Eröffnungansprache zum Nachhören und -lesen und Fotos zur Eröffnung finden >>

 
 
 

Eine besondere Empfehlung für alle Cineastinnen und Cineasten ist der Film "die kunstKomplizen" von Ebba Sinzinger. Er war Teil der Kooperation zwischen KULTUM und Diagonale bei der diesjährigen Ausgabe des Festivals. Für alle, die den Talk damals verpasst haben, gibt es nochmals die Chance den Film im KIZ RoyalKino, am Dienstag, 2. Juni 2026 um 18:00 Uhr, mit einem anschließenden Gespräch mit der Filmemacherin Ebba Sinzinger und dem Künstlerduo PRINZpod anzusehen. Moderiert wird der Talk von Nathalie Pollauf (KULTUM).

 
 
 
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