KULTUM & aktuelle kunst in Graz | 14. Themenführung zu "God's witnesses": Künstleringespräch mit Claudia Schink am SA, 25.4.2026, 12 Uhr | TV-Tipp: So, 19.4.2026 ORF 2: kreuz&quer nah dran plus, 12.50 Uhr
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©  Claudia Schink: Rom, Lucia, Thekla, aus:  „Das Christentum“, Zyklus: „Das Abendland“ | KULTUMUSEUM  Graz

Foto: David Immanuel

 

Für „Galerientage – aktuelle kunst in Graz“ (heute in einer Woche) reist als special guest die Kölner Künstlerin und Philosophin Claudia Schink nach Graz: Ihre Werke aus dem Zyklus: "Das Abendland: Das Christentum" im Dachboden des Minoritenklosters strahlen eine besondere Aura aus. Sie setzt sich mit der Leidens- und Reliquienkultur des Christentums kritisch auseinander. Ich führe mit ihr am Samstag, den 25. April um 12 (!) Uhr im Rahmen von aktuelle kunst in Graz ein Künstleringespräch über ihre Arbeit. 
Ein TV-Tipp für morgen, Sonntag, 19. April: ORF 2 sendet in "kreuz und quer nah dran plus" um ca. 12.50 Uhr eine Sendung über unsere Ausstellung: GOTT HAT KEIN MUSEUM (Regie: Karoline Thaler)

In ihrer Auseinandersetzung mit dem „Christentum“ und seiner Prägung auf die europäische Kultur schafft die Kölner Künstlerin und Philosophin Claudia Schink klar codierte Bilder. Kostbare, artifiziell hergestellte, mundgeblasene Leidenswerkzeuge, die mit der Passionsikonografie verbunden sind: Dornenkrone, Kreuznägel, Ketten, Pfeile. In Kunstworten, die lateinisch klingen, werden damit im Titel historisch bedeutsame Orte des abendländischen Christentums definiert; diese haben aber damit für die Künstlerin auch symbolische Konnotationen von Dogmenfixierung, Glaubensspaltung, Klosterzucht und Kreuzzugspredigt, Missbrauch von Macht und Hexenverfolgung zur Folge: „Rom“, „Constantinopel“, „Cluny“, „Avignon“, „Cöln“. Die Präsentationsform erinnert an kostbare Reliquien, aber ebenso an kostbaren Schmuck. Die Dornenkrone etwa passt auf ein Frauenhaupt und wirkt deshalb zierlich wie ein dornenbestücktes Collier. In subversiver Weise sucht Claudia Schink durch die Feminisierung ikonografisch gebundener Codes, den patriarchalen Bezug zu enttarnen.

 

Claudia Schink: aus der Serie:  „Das Christentum“, Zyklus: „Das Abendland“ | KULTUMUSEUM  Graz

Foto: David Immanuel

 
 
 

Der zweite Block von „Das Christentum“ handelt von der Passion der Frau: Körperabdrücke der Künstlerin, in Harz und Glas gegossen, die mit Namen frühchristlicher Märtyrerinnen bezeichnet sind: „Thekla“, „Agathe“, „Perpetua und Felicitas“, „Lucia“. Es geht um den Körper, der im Martyrium geopfert wurde, um die Seele zu retten; in den Heiligenlegenden frühchristlicher Märtyrerinnen ist er erstaunlich oft sexuell codiert: Augen, Brüste, Hände und Bauch sind die „Attribute“ dieser Gottgeweihten, die geopfert werden mussten, zum Lohn für den Himmel. Die Körperreliquien und die Marterwerkzeuge sind nicht kardinalsrot, sondern klar wie Glas, als Pretiosen im Schmuckschrank aufbewahrt. Was zutiefst blutig ist, erscheint hier seelenklar. Die Objekte scheinen sich in Immaterialität aufzuheben. Claudia Schink lotete damals als bekennende Agnostikerin mit katholischen Wurzeln die dunklen Seiten einer patriarchalen Opferreligion aus, die untrennbar mit psychischer und physischer Gewalt verbunden ist, und die im Leiden ihre Überhöhung erfährt. Religion spielt für das umfangreiche Werk Schinks eine große Rolle – fokussiert in der Spiritualisierung des Schmerzes, der Abwertung des Körpers und der Herabwürdigung der Frau. Doch trotz aller Schärfe der Kritik hält sie damit auch die Codes einer Religion wach, die sich wie keine andere an der Ikonografie des Schmerzes abgearbeitet hat – in eine Zeit hinein, deren Erinnerung an diese längst verblasst ist.

Mehr zu Claudia Schink: http://claudia-schink.com

Herzliche Einladung - und für Spezialführungen kontaktieren Sie uns weiterhin, wir freuen uns!
Ihr

Johannes Rauchenberger

 

Claudia Schink: aus der Serie:  „Das Christentum“, Zyklus: „Das Abendland“ | KULTUMUSEUM  Graz

Foto: David Immanuel

 
 
 

Der Link zum Trailer zu GOTT HAT KEIN MUSEUM

 

Generalpass: € 20,-/15,– Mit dem Erwerb eines Generalpasses erhalten Sie einen Ausstellungsbegleiter mit allen Texten zu den einzelnen Werken (176 Seiten).

Einzel-Eintritt zur Themenführung: € 11,–/8,–

 

Unser Programm von Mitte April bis Anfang Juli 2026 als Folder

 
 
 
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