dies academicus an der UNI Graz am 19. März 2026: "Fragile Transzendenzen" mit Adrian Paci, Guillaume Bruère und Judith Zillich | 12. Themenführung zu "crosses" mit Special guest Guillaume Bruère am SA, 21.März, 11.15 Uhr
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Nach den intensiven und so gelungenen, mehrspartigen "4. Blumenbergtagen" zu "Überlebenskunst" (und dem Werk "Schiffbruch mit Zuschauer") am vergangenen Wochenende zwischen Diskurs, Film, Literatur und Neuer Musik – die Vorträge von Reinhard Hoeps, das Gespräch zwischen Thomas Ballhausen mit Rüdiger Zill und alle weiteren Beiträge sind auf unserer WEB-Seite nachzuhören – geht es in den nächsten Tagen intensiv weiter: Guillaume Bruère (Berlin) Adrian Paci (Mailand) und Judith Zillich (Wien) – alle drei sind Teil der Ausstellung "Gott hat kein Musuem" – werden zu Gast sein beim morgigen "2. DIES ACADEMICUS" der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz am 19. März. Sie werden an einem von Univ. Prof. in Martina Bär geleiteten Künstler*innengespräch teilnehmen. Die Ausgangsfrage lautet, wie christliche Bildsprache ihre Kunst beeinflusst hat. Das Gespräch wird später auf Youtube öffentlich zugänglich sein.

Vor dem Künstler*innengespräch an der UNI steht der Festvortrag über "Fragile Transzendenzen. Kunst und Religion zwischen alter Säkularisierung und neuem Fundamentalismus" auf dem Programm.

Am kommenden Samstag, 21. März 2026 (11.15 Uhr), ist Guillaume Bruère special guest bei der 12. Themenführung von "Gott hat kein Museum". Schwerpunkt sind die Kreuzigungen, die vor allem im Dachboden zu sehen sind. Zu dieser speziellen Führung eine herzliche Einladung!


 

 
 
 

„Fragile Transzendenzen. Kunst und Religion zwischen alter Säkularisierung und neuem Fundamentalismus“, der Festvortrag von Johannes Rauchenberger beim dies academicus der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz, wird die prekäre Lage religiöser Bilder in einer Epoche behandeln, die von politischer Instrumentalisierung, apokalyptischer Rhetorik und künstlicher Intelligenz geprägt ist.

Zwischen realen wie KI-generierten Papstbildern, religiös codierter Machtpolitik und digitaler Bilderflut wird Transzendenz heute zugleich beschworen und destabilisiert. Religiöse Symbolik erscheint nicht mehr primär als Ort spiritueller Verdichtung, sondern als strategisches Instrument politischer Kommunikation. Gerade im digitalen Raum entstehen neue Ikonografien, die zwischen Ironie, Propaganda und fundamentalistischer Selbstvergewisserung changieren.

An Beispielen von Maurizio Cattelan, Romuald Hazoumè und weiteren zeitgenössischen künstlerischen Auseinandersetzungen mit "Pope Art" von G.R.A.M. und Nives Widauer zeigt sich, wie Kunst religiöse Machtinszenierungen nicht nur spiegelt, sondern kritisch unterläuft und sie zu einem allgemeinen Menschheitsthema macht. Papst Franziskus hat mit seinen Ikonografien der "Deinszenierung" und der Nobilitierung der Ränder ein völlig neues Kapitel für die Art religiöser Bildinszenierung aufgeschlagen, eines, das nun geschrieben und auch als solches museal geworden ist.

Mit welchen Bildern Christentum heute kommunikabel wird, zeigt sich an diesen Bildern besonders, weil sie ein so öffentliches Bild von Religion darstellen: Es ist ihr Glanz, ihr Elend und ihre Erkenntnis, dass sie mit Geistern konfrontiert sind, die sie wohl nur mehr schwer einfangen können. Mit vielen Obertönen wird deshalb ein Bogen gespannt, der sich über Jahrhunderte einer kirchlichen "Anwaltschaft für Kunst" erstreckt und in einem "Geschenkspaket" eines Papstes für Graz (dem wohl einzigen bislang) endet... Dort wird die Stärke und den "Dachgeist" für den Fakultäts-Schwerpunkt von Kunst und Theologie festgemacht. 

Es werden dabei wörtlich "Bilder aufblitzen", Erscheinungen, die Scheinheiligkeit und Heiligkeit gleichzeitig sichtbar machen, Bilder, die an den Fundamentalismus in der (Glaubens-)Geschichte erinnern, aber auch Bilder, die der kunsthistorischen These widersprechen, dass "Gottes Bildgeschichte abgelaufen" sei und damit nicht nur eine Ab- sondern auch eine Anwesenheit Gottes markieren.

Es ist der erste "dies academicus", der im deutschsprachigen Raum je dem Verhältnis Kunst und Theologie gewidmet war: Das legitimiert den großen Bogen. Gerade in Graz, einer Stadt mit einer konfliktreichen Geschichte zwischen Gegenreformation, Aufklärung und Moderne, wird sichtbar, wie eng Bilder, Macht und Religion historisch verwoben sind: Sie können als Warnung dienen vor einem grassierenden religiösen Fundamentalismus, der derzeit vor allem aus den USA ausgeht. Vor diesem Hintergrund positioniert sich die Fakultät – gerade auch in Kooperation mit anderen kulturellen Institutionen – bewusst als Schnittstelle zwischen theologischer Reflexion, kultureller Analyse und zeitgenössischer Kunstpraxis.

Zugleich gilt es, den spezifischen Grazer Zugang einer Bildtheologie hervorzuheben, der den "Bruch der Moderne" reflektiert und zugleich das kritische Potential autonomer Kunst für die Theologie fruchtbar macht. Es wird dabei ein "Dreigestirn" angerufen, von denen zwei eng mit der Fakultät verbunden sind: Den Fundamentaltheologen Gerhard Larcher, der den Kunst&Theologie-Schwerpunkt der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz begründet hat und Kunst als eigenständigen Ort von Sinn- und Offenbarungsgeschehen theologisch reflektiert hat. Zweitens den Liturgiewissenschaftler Philipp Harnoncourt, der gegen Ende seines Lebens – mit dem Kunstwettbewerb zur Trinität – seine ganzes theologische Grundsehnsucht auf die Kunst gelegt hat. Den dritten "Stern" schließlich im Kölner Bildtheologen Alex Stock, der die Positionen der Moderne mit theologischer Kunsttheorie aufgefädelt hat und mit seiner 11-bändigen "Poetischen Dogmatik" der Theologie ein gigantisches Werk  hinterlassen hat, dass nämlich Glaubensgeschichte nie nur Dogmatik, sondern gelebte und kulturell manifest gewordene Poesie, Malerei, Architektur geworden ist. Seine Diathek und viele Aufsätze sind im KULTUM gespeichert.

Was dieses "Dreigestirn" für ein "Gespräch zwischen Kunst und Theologie" erleuchten oder aktivieren könnte, wird in abschließenden Thesen beleuchtet.

In einer Zeit, in der Religion zum "Medium" geworden ist, und politisch zudem vereinnahmt wird, sind Transzendenzen umso fragiler geworden - aber anders als in Form der Bestreitung, wie sie aus der Aufklärung hervorgegangen ist: Gerade deshalb braucht es Orte, an denen sie reflektiert, befragt und neu zur Sprache gebracht werden. Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Graz unterstreicht mit ihren Kooperationspartnern ihren Anspruch, gesellschaftliche Entwicklungen theologisch zu deuten – und im Dialog mit der Kunst neue Perspektiven auf Glauben und Gegenwart zu eröffnen.

https://theol.uni-graz.at/de/dies-academicus/

 
 
 
 
 
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