Nach der intensiven Führung mit Jochen Höller vorletzten Samstag und der Abschlussführung Gerhard Lojen im Spiegelgitterhaus geht es am Mittwoch, 21. Jänner 2026, 17 Uhr mit der 9. Themenführung in der Ausstellung "GOTT HAT KEIN MUSEUM" weiter: Der Wiener Künstler Daniel A. Zaman ist special guest zu "Bodies & Souls". Er ist in unserem Haus kein Unbekannter, seinen "Zamanismus" stellten wir vor vielen Jahren vor. Er, der so intensive Affinitäten zu kultischen Handlungen hat, strickte dabei "Clothes for a freezing soul"; im Lockdown im Zuge der Corona Pandemie umwickelte er wochenlang Seile mit tiefblauer Farbe. Zu hören ist der Atem, die Atempause.
Daniel Amin Zaman, vor seiner Installation "Atempause". Foto: J. Rauchenberger
Die "Clothes for a freezing soul" sind Gegenstand des Gesprächs, ebenso die "blauen Seile"der Installation "Atempause", die während der Covid 19-Pandemie entstanden ist. Das erste Mal war sie bei "EINATMEN – AUSATMEN" zu sehen.
Das Innere eines Seils wird „Seele“ genannt. Aus den Kartonröhren dringen die Geräusche vergangener Arbeit und eine kurze Stille, die Atempause. Der Wiener Künstler Daniel Amin Zaman hat die einzelnen Stränge, die an die Taue von schweren Tankern erinnern, in mühevoller, ritueller Wiederholung über viele Wochen hinweg gewickelt, gedreht und angezogen, um sie letztlich in Form eines ungefähren menschlichen Körpers zu bringen. Sie liegen aufgebahrt auf einfachen Kartonröhren. Ein Einatmen, ein Ausatmen. Sonst hört man nur das Geräusch des von Hand immer wieder stückweise in Rotation versetzten Seils, das innerhalb der Kartonröhren läuft. Millimeter für Millimeter wird der Faden mitternachtsblauer Wolle darum geführt und es umwickelt. Der Atem folgt dem Rhythmus der Handlung, die Handlung folgt dem Rhythmus des Atems – und hier verbinden sie sich nach Zaman „zu einem ritualisierten, ununterscheidbar künstlerischen wie kultischen Akt, der gezielt ins Leere geht“. Er ist eine „Leerformel“, die Handlungsrelikte ohne Signifikat schafft. Sie ist ganz bewusst nicht mehr und nicht weniger ist (oder sein will) als ihr Vollzug, eine Einübung in die Absichtslosigkeit und ein Handeln des Nicht-Handelns.
"Clothes for a freezing soul" strickte Daniel A. Zaman vor vielen Jahren: Sie sind im ersten Raum so nebenbei gehängt
Neben der Arbeit Zamans werde ich auch Arbeiten von Maaria Wirkkala, Zlatko Kopljar, Anna & Bernhard Blume, Daniel Amin Zaman, Guillaume Bruère, Nina Schuiki, Heribert Friedl, Madeleine Dietz und Isabella Kohlhuber besprechen und mich dabei auf die Frage konzentrieren, ob und wie die Religion ihr Versprechen von Transzendenz auch einlösen kann: Wo werden Risse sichtbar, wo Kälte spürbar, wo die Sehnsucht, dem Körper als Fessel zu entkommen? Kann man den Körper und seine Seele schuldlos denken – oder ins Bild setzen? Wie könnte, so gesehen, eine "Immaculata" heute aussehen? Kann man letztere kultisch umgarnen oder wenigstens sichtbar machen, indem man dem negativen Raum Raum gibt? Wir streifen diese Fragen u.a. Ihre bildnerischen Mittel: Ironie, Religionskritik, Kritik der Religionskritik, Sakralisierung, Entschleunigung, Atem und pralle Sinnlichkeit...
Generalpass: € 20,-/15,– Mit dem Erwerb eines Generalpasses erhalten Sie einen Ausstellungsbegleiter mit allen Texten zu den einzelnen Werken (176 Seiten).
Einzel-Eintritt zur Themenführung: € 11,–/8,–
Unser Programm vom Jänner bis Mitte April 2026 als Folder