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               AndrÄ Kunst -

zeitgenössische Kunst im Sakralraum

 

 

 

 

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GALERIEN

     
       

Kurator:

Pfarrer

MMag. Hermann Glettler,

r.k. Pfarramt Graz St. Andrä, Kernstockgasse, 8020 Graz

 
 

Subjektive Linien setzt der Maler Otto Zitko in das Gewölbe der Andreaskapelle der Kirche St. Andrä. Er bedient sich des “langen Wegs der Linie” (so der Titel einer Zeichnung von 1987), um seine graphischen Spuren zu hinterlassen. Nomadisches, Reisen und Unterwegssein manifestieren sich in der treibenden und getriebenen zeichnerischen Geste des Künstlers. Seine Linie pulsiert, scheint zu atmen. Sie bahnt sich ihren Weg von der Laterne und dem Kuppelgewölbe über Kapitelle, Gebälk und Pilaster hinweg, in Kommunikation mit der bestehenden Architektur und sie gleichzeitig negierend und überwuchernd. Die Liniengeflechte bleiben nicht in der Fläche, nicht zweidimensionales Lineament, sie wollen Räume besetzen, Vorhandenes dekonstruieren und in subjektiver Qualität einen neuen, vielschichtigen Raum erschaffen. Kreisende Spiralwirbel fassen die zentrale Öffnung in der Kuppel und vermitteln zwischen außen und innen, oben und unten. Seit der Megalithkultur gehört die Spirale zum archaischen künstlerischen Formenvokabular, in den Voluten des Barock war sie wieder nach oben gespült und zu neuem Leben erweckt worden, Zitko setzt sie als informelle Spur seines Inneren raumgreifend als Blickbahn für den Betrachter. Es sind kreisende grafische Spuren, die oft direkt aus dem menschlichen Körpermaß herauswachsen und darauf bezogen sind, aus dem Handgelenk heraus gewachsen oder durch eine große Armbewegung entstanden. Sie können aber auch über das Maß menschlicher Dimensionen weit hinausgehen, sich fortschreiben und hineinschrauben in monumentalere Größenverhältnisse. Nie aber kehren sie an ihren Ausgangspunkt zurück, bewegen sich immer in Spiralbewegungen weiter.
Grelles Signalorange – als Farbe nicht symbolisch besetzt– durchglüht im monochromen Linienspiel den Raum und setzt ihn in ein vollkommen neues Licht. Es bedrängt den Betrachter und entführt ihn gleichzeitig in andere Sphären. Zitko braucht keine Scheinarchitektur, die Irdisches in himmlische Bereiche weiterbaut, keine silbernen Wolken und Perspektiven, die in weite Fernen gerichtet sind und baut doch Barockes weiter. Die Linie durchschneidet die Wand, entschwert und öffnet sie.
Der in einem performativen Akt, in einem Exzess des Hier und Jetzt hervorgebrachte Linienfluss kann, wenn er auch nicht wiederholbar ist, durch den Betrachter subjektiv neu erzeugt werden. Der Raum wird im Betrachter wenigstens für Sekunden zur Welt im Kopf, der historische Kapellenraum in subjektive spirituelle Welten geöffnet.

 

Alois Kölbl, An den Horizonten der Stadtlandschaft, in: HIMMELSCHWER. Transformationen der Schwerkraft (Graz 2003-Kulturhauptstadt Europas), hg. von R.Hoeps/E.Louis/A.Kölbl/J.Rauchenberger, Wilhelm-Fink-Verlag München, 2003, 106-107.
 

Otto Zitko, Raumzeichnung, Andreaskapelle von Graz - St. Andrä, 2003,

Foto: Bildgrafik Tropper