LIGHT TOWER: ZLATKO KOPLJAR

ERÖFFNUNG
SAMSTAG, 26. September 2009, 15.00 Uhr

MINORITEN GALERIEN GRAZ, Mariahilferplatz 3/II, 8020 Graz
AUSSTELLUNGSDAUER
26. SEPTEMBER bis 23. OKTOBER 2009

ENGLISH VERSION

Kurator: Johannes Rauchenberger
Eine Koproduktion mit dem steirischen Herbst 09 und in Kooperation mit dem Museum of Contemporary Art, Zagreb

EINTRITT € 2,-/ € 1,-
ÖFFNUNGSZEITEN: MO – FR 10.00 Uhr – 18.00 Uhr; SA + SO 11.00 Uhr – 16.00 Uhr
Anmeldungen für Schulklassen: 0316/711133-29. Eintritt inkl. Führung: € 2,-

Geführte Rundgänge steirischer Herbst:
Sonntag, 04. Oktober und Samstag, 10. Oktober, jeweils ca. 15.45 Uhr

www.kopljar.net

 

 

Lichtfigur, Lichtträger, Lichthaus, Lichtkugel – „all the same“. Zum Leitmotiv des steirischen Herbst 09 setzt der kroatische Künstler Zlatko Kopljar einen ästhetisch unbedingten Kontrapunkt, der die scheinbar gleichgültige Gültigkeit gerade mit einer vielfach verletzten Metapher in eine Unbedingtheit leuchtender Evidenz überführen wird.

In einer real existierenden Lampenversuchsstation aus den 50-er Jahren an der Einfahrtsstraße Zagrebs gelegen, die sich mit nur 4 Metern Breite als flacher Quader vierzig Meter in den Himmel schiebt, werden wir zu Teilhabern eines unendlich lang andauernden Blicks einer dorthin gewanderten Lichtfigur. Das Abschreiten der Lampen in den zwölf Geschoßen mutiert von einer ästhetischen Vernetzung sinnlich erfahrbarer Energie zur Implementierung eines kollektiven Bewusstseins einer buchstäblich einleuchtenden Ethik: leuchtende Einsicht ermöglicht verantwortliches Handeln. „IHR SEID DAS LICHT DER STADT.“

 

Zlatko KOPLJAR,
geboren 1962 in Zenica (BA), zählt zu den wichtigsten Performance-Künstlern in Kroatien. Er selbst bezeichnet sich als bildender Künstler. Er studierte Malerei in Zagreb und Venedig, wo er 1991 bei Carmelo Zotti (Academy of Fine Arts in Venice) diplomierte. Er lebt und arbeitet umgeben von Wald in den Bergen von Zagreb mit herrlichem Blick auf die Stadt. Ausstellungen zeigte er auf der São Paulo Biennale, dem Museum of Contemporary Art in Zagreb, dem Museum of Modern and Contemporary Art Rijeka, im The Kitchen - New York, in der Gallery Manes – Prag). Er ist in Sammlungen im Museum of Contemporary Art in Zagreb, im Museum of Modern and Contemporary Art Rijeka, im Museum of Modern Art Zagreb, in der Filip Trade collection vertreten. Mehr Info: www.kopljar.net

Zur Ausstellung erscheint ein Katalogbuch (Kroat./Dt./Engl.) mit Texten von Johannes Rauchenberger, Sandra Krizic Roban und Misko Šuvaković
 

 

Micro- and macro-politics, localism and globalism, post-capitalism and post-socialism, materialism and metaphysics: How can such rivalling fields of conflict develop an aesthetic potential? Croatian artist Zlatko Kopljar has created images for this at the intersection of visual art and performance, images that alternate between concept and grand emotion.
“Light Tower” transforms into a maelstrom of bright light as an absolute point of reference: An injured metaphor as compelling proof of a power that paralyses negativity.

 

 

DANTE FÄNGT LICHT

   

Warum Inferno und Paradiso ein Stillleben, einen Wald, eine Lampenversuchsstation und einen leuchtenden Anzug nötig haben: Notizen zu Zlatko Kopljars K12 und K13

von Johannes Rauchenberger

 
     

Zlatko Kopljar, LIGHT OBJECT. ca. 300 Neonröhren, je 18 Watt, Aluminiumgerüst, 2009, Ausstellung Zlatko Kopljar. Minoriten Galerien Graz, 26.9.-23.10.2009 (steirischer Herbst 2009), Foto: J. Rauchenberger

Wie können konkurrierende Konfliktfelder gegenwärtiger Weltwahrnehmung – wie Mikro- und Makropolitik, Lokalität und Globalität, Postkapitalismus und Postsozialismus, materialistische Haltung und metaphysische Haltepunkte – ein ästhetisch unbedingtes Potential entfalten? Der kroatische Künstler Zlatko Kopljar, dessen Werk im Schnittfeld von Bildender Kunst und Performance angesiedelt ist, hat seit den 90-er Jahren dafür „Konstruktionen“[1] („K“s) entwickelt, die seinen eigenen Körper mit einem ungeheuren Präsenzanspruch in diese Spannungszonen „mappen“[2].

Als „public body“[3] wohnt dem Künstler eine radikale Stellvertreterfunktion inne, bei Zlatko Kopljars „Konstruktionen“ manifestiert sich dabei das ethische Element als „essentielle Definition seines künstlerischen Aktes“[4]. Die Kritik des Künstlers gilt einer blanken Selbstreflexivität, ja Autismus, den er im derzeitigen Gesellschaftsvollzug, aber nicht minder auch in der Konformität des Kunstbetriebs findet. Kopljars einziges Leitmotiv für seine Konstruktionen ist dagegen seine innere Stimme. Das klingt angesichts der Kritik fast zu schön, als dass es wahr sein könnte, zumal dieses Motiv vielleicht jede und jeder einmal ihr und sein Eigen nannte. Aber wann hat man sie verlassen? Wann muss man sie verlassen? Etwa, wenn Erfolg sich einstellen soll? Oder ökonomisches Bewusstsein? Der Wille zur Macht?

Kopljar geht mit dieser Kompromisslosigkeit seiner künstlerischen Akte so weit, „pure impotence“[5] zu inszenieren, ohne kitschig zu werden. Das kann zur Folge haben, dass er mitten in New York vor den Tempeln kultureller, wirtschaftlicher oder politischer Macht einfach kniet (K9), dass er jene Stelle auf einer Asphaltstraße zwischen Kroatien und Bosnien nur mit dem Datum markiert, an der sein Vater durch eine Bombe getötet wurde (K6) oder dass er mit sieben Tonnen schweren Betonklotz das Eingangstor zum Museum of Contemporary Art von Zagreb verstellt (K4).[6] „Es war genau genommen diese Idee der Konstruktion, welche Kopljar in konzeptueller Hinsicht kreative Freiheit, Offenheit und Flexibilität der Form, sowie eine Freisetzung von jeder gängigen künstlerischen Klassifikation gab.“[7]

Mit einer „Art eines neuen Existentialismus“ (M. Šuvaković[8]) setzt Kopljar auf die überzeugende Kraft von Bildern, die zwischen Konzept, Konstruktion und großen Gefühlen changieren: Die beiden letzten „Konstruktionen“, K12 (2007) und K13 (2009), die in diesem Buch vorgestellt werden, versetzen die performative Macht der Präsenz von der existentiellen Unbedingtheit des Performers in den Anspruch einer Gültigkeit mitten in der Gleich-Gültigkeit gegenwärtigen Lebensgefühls. K12 handelt als Hybridinstallation von der Ambivalenz existenzieller Grenzerfahrungen, die als Happening von Ausweglosigkeit, Scheitern und Tod vorgeführt werden, und ihrem Überführen in ein „Jenseits“. K13 verschränkt die Lichtfigur, den Lichtträger, das Lichthaus, die Lichtkugel in eine zusammenhängende Seherfahrung, die sich zu einem ästhetisch unbedingten Kontrapunkt steigert: Die Gleichgültigkeit der Beifügungen mit einer vielfach verletzten Metapher wird in die Unbedingtheit leuchtender Evidenz überführt.

 

 

Zlatko Kopljar, K 12, Video 1, 2007

 

Zlatko Kopljar, K 12, Video 2, 2007

 

Zlatko Kopljar, K12, Foto (Leuchtkasten), 2008, Ausstellung: LIGHT TOWER. Zlatko Kopljar. Minoriten Galerien Graz, 26.9.-23.10.2009 (steirischer Herbst 2009), Kurator: J. Rauchenberger

K12

Das verbindende Element von K12 und K13 ist die Erfahrung des Lichts. Ist diese bei K12 noch eine wirkliche Seherfahrung der haptischen Fühlung des zu Boden gefallenen Mondes als ein seltsam metaphysisches Gegenüber, wird dieser Mond in K13 zwar noch zitiert, aber einfach liegen gelassen – denn ein viel größeres Ziel steht bevor: der Eintritt in ein Haus voller Lampen. Beide Male ist es der Wald, der den Anfang jener Bilder bildet, in die der Künstler seine Mythen setzt.

Im Einbruch der Dunkelheit werden wir am Waldesrand zu Zeugen einer Genre-Szene mit halbleeren Flaschen, ein Stillleben sozusagen im großen Stil einer Partygesellschaft im Grünen, akustisch unterstrichen vom lauten Gezwitscher der Vögel  – doch von einem „still alive“ kann keine Rede sein: Denn im Hintergrund hat sich an einem dieser Bäume der Künstler selbst – erhängt. Die Verzweiflungstat ist irreversibel, der Drang dabei zu sein, eine mediale Selbstverständlichkeit.  Die Kamera ist streng montiert und fixiert das bewegte Video zum statischen Bild, keine Regung ist zu sehen, nur das langsame Baumeln des Erhängten im Säuseln des Hains. Es ist die verdichtete Zeit eines „Nachher“, während der präsente tote Leichnam eben noch am Baume hängt.

Der Performance-Künstler Kopljar hat vorher noch alles genau geplant: Er wollte eine Szene zum Kunstwerk machen, wo jene Situation fixiert ist, die das totale „Post“, das „Nachher“ zeigt: partyähnliche Relikte am Stillleben vorne, so als ob die Augenzeugen gerade da gewesen wären, etwas getrunken hätten und dann wieder gegangen wären. Offenbar waren sie auch da. Es zeigt, was nach seinem Selbstmord passiert, nach dem Schock, nach dem Gewahrwerden, ehe das wirkliche Leben wieder seinen Lauf nimmt. Wir sehen nur mehr jene Szene, wo es bereits zu spät ist, wo alles getan ist, vollzogen, endgültig und nicht mehr umkehrbar, ja, wo die Augenzeugen sich gestärkt, aber den Erhängten doch am Baum gelassen haben. Und genau in diesem Moment der totalen Absenz und der Irreversibilität, wo das Gezwitscher der Vögel zum bedrohlichen Hohn wird, wechselt das Kunstwerk seine statische Kameraführung im zweiten Video zu heftig bewegten Zooms: Wir sehen den Künstler in seinem schwarzen Anzug und weißen Hemd bei der intimen Umhegung eines Lichtballes, konzentriert, in totaler Hingabe, Versenkung, ja Glück. Er kniet vor dem Ball, er

sieht ihn so fest an, als ob ihn die Schönheit dieses Bildes bezaubernd erfassen würde. Das Video zeigt in vollkommener Überraschung jenen Moment einer möglichen Transformation des Lebens, vielleicht als metaphysischen Akt, als „visio beatifica“ (Joachim de Fiore) oder einfach als illusionistische Suggestion. Wie auch immer, Kopljar interessiert hier eine sinnliche, eine bildliche Erfahrung, enthoben von Raum und Zeit. Letzlich sogar das, „worüber hinaus nichts Größeres mehr gedacht werden kann“ (Anselm von Canterbury).

Zwischen den beiden Videos ist schließlich ein Foto zu sehen, das den Künstler vor einem beleuchteten Bauwerk zeigt. Angesichts der Radikalität der beiden Videos vorhin ist es ein sehnsuchtsvoller Blick auf ein Lichthaus, in das dieser Mensch eintreten will. Und tatsächlich ist es eine Art Kindheitstraum des Künstlers, in dieses in seinem puren Leuchten fast surreal anmutende Gebäude - der TEŽ-Turm an der Einfahrtsstraße Zagrebs - zu kommen, dessen einziger Sinn offenbar darin bestand, zu leuchten, viel stärker freilich noch erfahrbar, als die Überbeleuchtung der Städte noch nicht war.[9] Die Zwischenstation im Wald mit der beglückenden Seherfahrung des im gegenüberliegenden Video noch verzweifelt Erhängten endet im Blick auf ein Haus – und dieses Haus, dieser Turm, ist das Ziel der jüngsten K13.

 

 

Zlatko Kopljar, K13, 2009, Videostills

K13

In der neuesten „Konstruktion“ Kopljars, K13, die zum ersten Mal im steirischen Herbst 09 in der Minoriten-Galerie Graz und anschließend im Museum of Contemporary Art in Zagreb gezeigt wird, wird eben dieser LICHTTURM zum Ort einer unbedingten Schau. Wieder ist es der Wald, der den Beginn dieser Transformation anzeigt, doch weder erhängt noch umarmend sehen wir den Protagonisten, sondern er geht als strahlende Lichtfigur im smarten Anzug durch den dunklen Wald nach oben, selbst vorbei an jener Kugel, die in K12 noch umhegt worden ist und nun auf dem Boden liegt, als wäre sie ein gefallener Vollmond. Dass die Welt zur kleinen Kugel mutiert, über die sich eine große Gestalt neigt, haben so manche Illuminationen mittelalterlicher Schöpfungsbilder unwiderstehlich zeitlos gemalt. Im Bildgedächtnis der die tatsächliche Wirklichkeit scheinbar treu abbildenden Photographie haben die Bilder der aufgehenden Erde, die von der Mondlandung vor genau 40 Jahren gemacht wurden, einen metaphysischen Schauer ausgelöst, der die Größe menschlicher Machbarkeit mit der Ausgesetztheit des Weltalls und der Schwärze des Mondhimmels konfrontierte. Ob nun in K13 ein durchdesignter Lichtanzugsträger, ein (wörtlich übersetzt:) Luzifer, ein Prometheus, eine erlöste Lichtgestalt, die zur Quelle ihres Leuchtpotentials des leuchtenden Anzugs kommt oder einfach ein Leuchtstoffmittelvertreter erscheint, am Ende trägt die so vielfach verletzte Metapher – gerade im Zeitalter des glitzernden Business – doch ihren Sieg davon.

 

Der Eintritt in dieses Industriegebäude aus den 50-er Jahren macht das geheimnisvolle Innere sichtbar: Lampen, Lampen, Lampen. Spinnweben, Eisentüren, Lampen, Lampen, Lampen. Vierzig Meter hoch, aber nur vier Meter schmal ist dieses surreale Gebäude, das als Versuchsstation für das Licht diente – ein Museumsstück fast, denn längst wurde auch hier die Produktion nach China verlagert. Wir schreiben 20 Jahre nach dem definitiven Ende der säkularen Utopie des 20. Jahrhunderts, die noch an ihrem Beginn für so viele als die einzige Alternative zum Kapitalismus des 19. Jahrhunderts und zu den sakralisierten Herrschaftsformen galt. Dass ausgerechnet die Glühlampe am Beginn des 21. Jahrhunderts zum Symbol für ein Umdenken mit unseren Ressourcen wird, ist die feine Ironie der Herrschaft, die nicht nur die scheinbaren Technokraten aus Brüssel, sondern auch den entfesselten Markt im globalisierten Warenverkehr trifft: Woher nehmen wir wirklich das Licht, nicht nur zur Erleuchtung der Gedanken, sondern vor allem, um eine kollektive Übereinkunft zu erzielen, wie wir handeln sollten?

In der real existierenden Lampenversuchsstation an der Einfahrtsstraße Zagrebs, die der sozialistischen Vergangenheit dieser Stadt natürlich eine charmante Teilhabe an den großen Lichtimaginationen der Menschheit verleiht, werden wir selbst zu Teilhabern eines unendlich lang andauernden Blicks der dorthin gewanderten Lichtfigur. Der Sog der strahlenden Lampen – wie viel Spannung ist dafür wohl notwendig? – verwandelt sich in den Blick einer absoluten Orientierung. Das Abschreiten der Lampen in den zehn Geschoßen mutiert von einer ästhetischen Vernetzung sinnlich erfahrbarer Energie zur Implementierung eines kollektiven Bewusstseins einer buchstäblich einleuchtenden Ethik: leuchtende Einsicht ermöglicht verantwortliches Handeln. „IHR SEID DAS LICHT DER STADT.“

“Ich glaube daran”, so Zlatko Kopljar, “dass ich mit K13 eine tiefere Verlinkung von Imagination und Wirklichkeit herstellen kann. Ich möchte ein neues Feld wirklich gemeinsamer Werte eröffnen. Ich wünschte, dieser Turm wird ein Haus des Lichts dieser Stadt in nächster Zukunft, ein Ort der Sammlung und des Austauschs der BürgerInnen Zagrebs. In dieser Arbeit möchte ich zwei Konzepte verbinden, die Stadtplaner, Politiker und Projektentwickler normalerweise durcheinander bringen: Die Stadt als ein Theater eines kollektiven Bewusstseins und die Stadt als ein Theater kollektiver, wirklicher Ereignisse.“[10]

 

 
     
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der civitas terrena von Zagreb wird eine visionäre Ereignisstadt des Künstlers entgegengestellt: Gemeint sind weder die alten Ortskerne einer europäischen Stadt, nicht die Kirchen mit so manchen Heiligtümern oder Erscheinungspotentialen, auch nicht die shopping malls, die auch Zagreb zunehmend treffen werden, sondern ein – einen Mythos generierender – Ort eines wirklichen Ereignisses, der diametral zur event-location entgegensteht.

Die Frage: „Was sollen wir tun?“ lässt Kopljar eben nicht in symbolischen Formen der Verzögerung, der Verjenseitigung oder der plumpen Bedürfnisbefriedigung gelten. Vielmehr ist seine verletzte und vielfach so missbrauchte Metapher ein Sog für die unwiderstehliche Evidenz einer Kraft, die Negativität paralysiert: Dass selbst die Glühlampe Edisons in diesen Monaten das Zeitliche segnet, ist angesichts des Klimawandels ein kontemporäre Beitrag zur Privatisierung einer säkularisierten Dringlichkeit: Energie, relaunched sozusagen und nicht auf Kosten anderer, bitte. Auch die Quelle des Lichts muss mythisch gedacht werden. Daran scheitert notwendig die Ökonomie, und daran hilft auch die Auslagerung der Lampenproduktion nach China nichts. Licht ist, wie Hans Blumenberg so eindrücklich sagte, eben eine absolute Metapher, unauflösbar in der Welt der Begriffe.[11] Aber erlebbar in der ästhetischen Erfahrung. Und insofern ist Licht eine Metapher der Wahrheit.[12] Dort schreitet Zlatko Kopljar die Etagen des Licht-Turms ab. Schließlich können ihm mit der Unbedingtheit seiner Ansprüche in Zeiten jenseits aller Dekonstruktionen durchaus Dante’sche Motive zugeschrieben werden. Doch Dantes Blick in den Himmel und sein Blick in die Hölle hatten vor allem einen appellativen Charakter, allen Angstmachern und Negativisten zum Trotz. Es geht um Jetzt. Heute. Und die Dringlichkeit, das zeigen uns Kopljars Konstruktionen, aber auch einfach die Geschichte der Glühlampe, lässt nicht nach.

 

Gelassenheit post scriptum: Dante kam damals aus seinen Abschreitungen des Inferno und des Paradiso einfach zurück. Und für Zlatko Kopljar ist mit dem Verlassen des TEŽ-Towers, den wir sogar aus Hubschrauberperspektive leuchten sehen konnten, die Lampenexkursion zu Ende. Und somit auch für uns. Die Lichtfigur ist nun schlicht entzogen.

Aber da es das Surplus von Ausstellungen ist, dass sie körperlich-real, haptisch und sinnlich erfahrbar sind, wäre da ein Trost zu formulieren: Der Anzug ist noch real zu sehen. Und leuchtet. Diese Reliquie ist auch am zeitgenössischen Markt nicht zu haben: Uns hat das Licht erfasst.

 


 

[1] Zu den „Konstruktionen“ Zlatko Kopljars vgl.: Branko Franceschi: Widerstand und Mitleid. Zur Ethik der künstlerischen Handlung im Werk Zlatko Kopljars, übers. von Andrea Frank, in: Transkulturalität? Religion und Migration neu denken. Kunst und Kirche 3/2008, Wien 2008, 32-36. Engl. in: http://www.kopljar.net/onartist_details.asp?rb=2

[2] Vgl. Miško Šuvaković: Mapping of the Body/with the Body on Performance of Rhetorical Figures of the Body by Zlatko Kopljar, in: Zlatko Kopljar: Mapiranje tijela/tijelom. Mapping of the Body/with the Body, ed. by Miško Šuvaković, Zagreb 2005, 7-25.

[3] 1996 führt Zlatko Kopljar sein Konzept der Konstruktion als Definition seiner eigenen künstlerischen Arbeit auf der internationalen Woche der Performance in Zagreb „The Public Body“ ein. Vgl. dazu: Franceschi: Widerstand und Mitleid, 32.

[4] Ebd, 33.

[5] Zlatko Kopljar, im Gespräch mit Johannes Rauchenberger in der Ausstellung „Gestures of Infinity“ (steirischer Herbst 2007), anlässlich seiner Erläuterung zu K9. Näher ausgeführt unter „Präsenzstiftung durch Performance und Codierung des Körpers“ in: Johannes Rauchenberger: Körperlichkeit - Materialität - Virtualität: Zeitgenössische Bilddiskurse im Spektrum christlicher Bildlichkeit, in: Reinhard Hoeps (Hg.): Handbuch der Bildtheologie, Bd. 3: Zwischen Zeichen und Präsenz, Paderborn 2009, im Druck.

[6] Siehe unter: Zlatko Kopljar: Mapiranje Tijela/Tijelom. Mapping of the Body/with the Body, ed. by Miško Šuvaković, Zagreb 2005.

[7] Franceschi, Widerstand und Mitleid, 33.

[8] Vgl. den Essay von Miško Šuvaković in diesem Buch.

[9] Email an J.R. am 2.4.2009: “Long time ago, when I was 13-14 years old boy, I was passing Zagreb with my parents. It was night and tower of TEŽ was shining stronger than today. Since than tower was a mystery for me. Later, when I came to Zagreb I understood that tower is part of factory of lamps, that tower is examination station for electric lamps.”

[10] Email an J.R. am 2.4.2009: “I believe that with K13 I’m making a deeper linking of imagination and reality. I want to establish a new field of collective values. I wish the tower will become a lighthouse of the city in the near future, a place of gathering and exchange of citizens of Zagreb. In this work I want to connect two concepts of the city, which usually confuse city planners, politicians and developers: the city as a theater of collective memory and the city as a theater of collective events.”

[11] Hans Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie, Frankfurt/M. 1998, 12.

[12] Ders.: Licht als Metapher der Wahrheit, in: Studium generale 10 (1957), 432-447.