Gott hat kein Museum | No Museum Has God. Religion in der Kunst des beginnenden XXI. Jahrhunderts | Religion in Art in the Early 21st Century

 

 

Gott hat kein Museum: Johannes Rauchenberger nimmt dieses Desiderat in der aktuellen Museumslandschaft zum Anlass, ein solches zu bauen – mit Werken nicht der musealisierten Vergangenheit, sondern ausschließlich der aktuellen Gegenwart, die mit Eckdaten wie Globalisierung, Medialisierung, Säkularisierung, Fundamentalismus und Radikalisierung abgesteckt ist.

Doch Vorsicht: dieses Museum gibt es nicht real, kann es niemals geben. Der Autor entwirft mit dem vorliegenden Projekt ein Museum, das es allein in konkreten Werken, nicht aber als Bauwerk gibt: das hier erstmals breit vorgestellte KULTUMdepot realisiert sich allein in Form von konkreten Ausstellungen. Als Kurator gruppiert Rauchenberger in zehn thematisch ausgerichteten Räumen in den letzten 20 Jahren gezeigte Werke von Künstlerinnen und Künstlern neu und führt seine Besucherinnen und Besucher durch ein imaginäres Museum. Leicht verständliche „Werktexte“ führen in die Arbeiten ein, Künstlerinterviews und erweiterte Texte zu einzelnen Künstlerinnen und Künstlern vertiefen die spezifische Sicht. Als jahrelanger Redakteur des ökumenischen Kunstmagazins „kunst und kirche“, als Kulturpublizist und Bildtheologe vernetzt Johannes Rauchenberger zusätzlich die gezeigten Bilder in zehn Essays zu allgemeinen Fragen von Kunst und Religion am Beginn des neuen Jahrtausends, die er als Lehrender an den Universitäten Wien und Graz, auf Symposien und Vorträgen in unterschiedlichen Orten Europas bearbeitet hat.

Besonders erfreulich: Die Kritiken von "GOTT HAT KEIN MUSEUM / NO MUSEUM HAS GOD. Religion in der Kunst des beginnenden XXI. Jahrhunderts" in der Frankfurter Rundschau  und der Berliner Zeitung (D. Pilz), in der Evangelischen Zeitung in Hamburg (F. Seven), in der FURCHE (U. Baatz), in Publik-Forum (U. Baatz), in der Kleinen Zeitung (W. Titz), den "Salzburger Nachrichten" (M. Behr), in "kunst und kirche" (P. Steiner), in der Kulturzeitung 80, sowie im Blog von Helmut A. Müller.

 

                  

 

 

God has no museum: Johannes Rauchenberger uses this desideratum in the current museum landscape as an opportunity to build such a museum—not with works of the musealized past but exclusively of the immediate present which are defined by terms of reference such as globalization, medialization, secularization, fundamentalism, and radicalization. 
But beware: This museum does not exist, and can never exist. With the project at hand, Rauchenberger outlines a museum that only exists in actual works but not as a building: Comprehensively introduced for the first time in this publication, the KULTUMdepot manifests itself only in the form of actual exhibitions. As a curator, he rearranges the works of artists presented over the past 15 years in ten thematically oriented rooms and guides his visitors through an imaginary museum. Easy to understand “work texts” serve as introductions; specific views are elaborated in interviews with the artists. As a cultural publicist and theologist of the image—and taking recourse to lectures he gave at the University of Vienna and in the frame of symposia in different European places—, he interlinks the presented images about religious questions at the beginning of the new millennium in ten essays

 

Das Projekt, das vom Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst in München e.V., der Kulturabteilung des Landes Steiermark und dem Innovationstopf der Diözese Graz-Seckau mitermöglicht wurde, umfasst drei Bände auf insgesamt 1121 Seiten, es zeigt ca. 1500 Abbildungen in Farbe. Die Publikation erschien in der Reihe "IKON. Bild+Theologie" im Verlag Ferdinand Schoeningh Paderborn. Zum Inhaltsverzeichnis >>

 Band I / Part I: Räume/Rooms 01-02:

Gott hat kein Museum: Im ersten Band wird diese Fehlanzeige aus einer Relecture der Öffnung der Kirche zur Moderne seit dem II. Vatikanischen Konzil benannt. Ein derartiges Museum, das sich allein der Religion in der Kunst der Gegenwart verschreibt, gibt es in der zeitgenössischen Museumslandschaft nicht. Wichtige Ausstellungen zum Spannungsfeld Kunst und Religion werden analysiert und in ihrem Ansatz gewürdigt. Auf diesem Hintergrund wird das vorgestellte Projekt entworfen: Ein „Museum“, das sich in konkreten Ausstellungen realisiert. Ein virtueller Museumsdurchgang durch zehn Räume steht deshalb am Anfang. Schließlich gilt ein spezieller Blick der Figur Jesu in der Kunst des XXI. Jahrhunderts: Zwischen Kitsch und Blasphemie, unerwarteten Neuansätzen in der Bearbeitung von scheinbaren Klischees, neuen Sichtweisen zu Kreuzen und einem Blick auf das Antlitz.

God has no museum: The first volume discusses this failure by rereading the Church’s opening towards modernity since the Second Vatican Council. There is no such museum. It analyzes important exhibitions about the interplay between art and religion and appreciates their respective apporaches. The project presented herein has been conceived against this background: a museum realized through actual exhibitions. For this reason, a virtual walk through the ten rooms constitutes the beginning. A special consideration of the figure of Christ in twenty-first century art concludes this volume—between kitsch and blasphemy, unexpected new approaches in dealing with apparent stereotypes, new views on the cross and a look at the face.

Die ersten beiden Museumsräume, die von der Fragilität der Wahrheit und der Suche nach spezifisch christlichen Codierungen handeln, sind zwischen den Reflexionen eingefügt. Vorangestellt ist das Foyer, das mit seinen Bildern von Anna und Bernhard Blume die Raumstruktur ersichtlich macht: ernst und gebrochen, mit Witz und Abgrund gleichermaßen.

The first two rooms of the museum, which deal with the fragility of truth and the search for specifically Christian codings, are inserted between the reflections. These are preceded by the foyer, which makes the spatial structure evident with its images created by Anna and Bernhard Blume: both serious and refracted, witty and abysmal.

 

  • 01 Wahrheiten müssen robust sein | Truths Must Be Solid
  • Claudia Marzendorfer | Maaria Wirkkala | Gerhard Lojen | Franz Dodel | Fritz Bergler | Michael Endlicher | Alois Neuhold | Luis Sammer | Anna Und bernhard Johannes Blume | Christian Eisenberger | ILA | Adrian Paci | Maaria Wirkkala | Eduard Winklhofer | Alfred Graf | Zlatko Kopljar | Mark Wallinger | Peggy und Thomas Henke | Werner Hofmeister

 

 

Essays

I Gott hat kein Museum  |  No Museum has God
Zum Stand der Dinge – ein Update, ein Debattenzeitraffer und die Musealisierung heute
On the State of Affairs––an Update, in Debate in Quick Motion and Musealization Today

Kommt Religion in der Kunst der Gegenwart vor? Das war als moderne Frage lange sehr umstritten und wurde oft mit großem Ernst verneint. Die Frage hat sich inzwischen freilich längst verändert. Nicht das „ob“, sondern vielmehr das „wie“ ist nach dem ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends von Interesse: Längst hat sich ein „post-säkularer Blick“ aufgeschlagen. Andere geschichtliche Daten wie 9/11, Globalisierungsprozesse, die auch und gerade an den Religionen nicht halt machen und die schlichte Übersättigung eines am Nutzen orientierten Gebrauchsdenkens und Weltgefühls trugen das Ihre dazu bei.

Die oben gestellte Frage hat aber einen viel größeren Horizont. Es wäre an der Zeit, diese Blickachsen auch in einem zeitgenössischen Museum nachzugehen. Ein solches gibt es derzeit aber nicht. Bevor ein erster Durchgang unternommen werden soll, zeichnet der Einleitungsessay zu diesem Buch Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Kirche in den letzten fünf Jahrzehnten nach, prüft die Frage an Impulsen von Ausstellungen in dieser Zeit und bemisst sie an der aktuellen Diskussion des beginnenden 21. Jahrhunderts.  Mehr lesen >>

 Does Religion Show Up in Present-day Art? This was very controversial for a long time as a modern question, and was often sternly denied. Of course, the question changed long time ago. Not whether but rather how is interesting after the first decade of the new millennium has passed: A “post-secular view” opened up long ago. Other historical dates such as 9/11, globalization processes which also do not spare religions in particular, and the simple oversaturation of a utilitarian conception of use and sense of the world pulled their weight.

Yet the question asked above has a much wider horizon. It would be about time to follow these viewing angles in a contemporary museum too. But such a museum does not exist at the moment. Before embarking on a first round, the introductory essay to this book outlines a panoramic view of the tension between art and the Church in the past fifty years and examines the question by means of contemporary impulses and assesses these on the basis of the current debate in the beginning 21st century. Read more >>

 

II Kurzführung  |  A Short Visit
Ein Museumsbesuch durch zehn Räume (quasi sub specie aeternatitis)
A Museumvisit in Ten Rooms (quasi from an Eternal View)

Wie könnte ein Museum für Gegenwart, Kunst und Religion aussehen? Wie eines, das sich weniger der Bestandssicherung verpflichtet weiß, sondern das Ausschau hält nach Bildern, die sich mit jenen der Religionen produktiv reiben – sie stärken, kritisieren, womöglich auch verändern?
Es wird ein Museum vorgestellt, das es in Wirklichkeit nicht gibt, das aber dennoch längst schon war: In zehn thematisch orientierten Räumen, die sich mit Fragen der Religion beschäftigen, ist Kunst zu besichtigen, die sich aus konkret gezeigten Ausstellungen aus dem Anfang dieses Jahrtausends zusammensetzt. Weniger als Bilanz einer konkreten kontinuierlichen Ausstellungsarbeit, sondern als Programm – mit Beiträgen von mehr als 100 Künstlerinnen und Künstlern. Aber mehr noch als ein Innehalten ist es natürlich ein Entwurf, den es real einmal geben könnte, wenn man die Geschichte von Religion, Gegenwartsanalyse und Kunst anders als abgelaufen zu denken beginnt.  Mehr lesen >>

What could a museum for the present, art, and religion look like? Like one that feels less obliged to secure the continued existence of its inventory but looks for images that productively chafe at those of religion —strengthen them, criticize, and possibly also change them?  What is presented here is a museum that does not exist in reality but has nevertheless been there for a long time: Art which has been presented in actual exhibitions in the first years of the new millennium can be viewed in ten thematically oriented rooms dealing with questions of religion. It is less taking stock of actual continuous exhibition activities but rather an agenda—with contributions by more than 100 artists. But even more than contemplation it is of course an outline of something that might exist in reality some time when we begin to consider the history of religion, the analysis of the present, and art as something different as expired. Read more >>

 

III O mein Jesus ...  |  Oh my Jesus ...
Zu einigen Codierungen der Christusfigur in der Gegenwartskunst
On Some Ways of Encoding the Figure of Jesus in Contemporary Art

Ist das Bild Jesu Christi ein Thema der heutigen Kunst? Unvermittelt tauchte es zur Jahrtausendwende auf internationalen Großausstellungen wieder auf. Es pendelt zwischen Politik, Medialisierung, Reklame, Kitsch und Blasphemie. Die Auseinandersetzung mit einem festgelegten Bild-Klischee bringt neue Sichtweisen ein. Aber es erschöpft sich darin nicht. Die Multiplikation der Christusbilder ist ein Geheimnis dieser Religion, das für jede Generation eine neue Sprengkraft hat – politisch, ästhetisch, spirituell. Im III. Essay werden Codierungen der Jesusfigur in der Gegenwartskunst vorgestellt, die Klischees produktiv sehen und das Therapeutische an Blasphemie erkennen wollen. Und es sind Jesusbilder im Blick, die vollkommen ohne Ironie entstanden sind. Neue Sichtweisen über das Kreuz verbinden sich mit Störungen um das Bildnis Jesu.  Mehr lesen >>

Is the image of Jesus Christ a subject of contemporary art? It reappeared unexpectedly in large international exhibitions around the turn of the millennium. It oscillates between politics, medialization, advertising, kitsch, and blasphemy. The examination of a predetermined image stereotype adds new points of view. But it does not get exhausted in this. The multiplication of the images of Christ is a secret of this religion, which has new brisance for every generation—politically, esthetically, and spiritually. The third essay presents ways of encoding the figure of Jesus Christ in contemporary art which see stereotypes in a positive way and attempt the therapeutic element in blasphemy. And it takes a look at images of Jesus which were created completely without irony. New views on the cross are combined with disturbances around the image of Jesus. Read more >>

 

BAND II / VOLUME II

Gott hat kein Museum: Der zweite Band fragt nach dem öffentlichen Erscheinungsbild von Religion im Spiegel der Kunst des jungen XXI. Jahrhunderts. Deren viel zitierte „Wiederkehr“ fand vor allem unter den Vorzeichen von Fundamentalismus und Gewalt statt. Wo eröffnet Kunst dabei auch einen anderen Zugang als die Verstärkung dieser Paradigmen? Wo und wie werden Bilder der Religion angesichts wachsender globaler Nöte und eines ausgreifenden Zugriffs auf menschliche Freiheit heute gebraucht?  Mit den Angelpunkten „öffentliche Relevanz“ „Körperlichkeit“ und „Bilderverbot“ werden neue Blickachsen auf diese Fragestellungen freigelegt.

God has no museum: The second volume asks for the public appearance of religion in the mirror of art in the early twenty-first century. Its often-quoted “return” occured above all under the signs of fundamentalism and violence. But where in this context does art also open up an approach other than the reinforcement of these paradigms? Where and in which way do we need religious images in the face of growing global distress and the extensive restriction of human freedom today?  The core issues “Public Relevance”, “Physicality”, and “Prohibition of Images” reveal new viewing angles with regard to these questions.

Band II / Part II: Räume/Rooms 03-06
Die Räume 03 - 06 handeln vom ethischen Potential von Kunst, von den Inszenierungsarten des Glaubens im Zeitalter der globalen Medialisierung, von religiösem Fanatismus und künstlerischen Wegen, diesem zu entkommen. Die Abgründe menschlicher Existenz - und Religion werden dabei nicht ausgeklammert, im Gegenteil.
The rooms 03 to 06 deal with art’s ethical potential, the ways religion is staged in the age of global medialization, religious fanaticism, and artistic ways of escaping it. Thereby, the abysses of human existence and religion are not left aside, on the contrary.

 

Essays

IV Körper – Corpus – Bild  |  The Image as a Body
Ein archimedischer Punkt für eine theologische Kunstbetrachtung
An Archimedian Point for the Theological Treatment of Art

Gott hat kein Museum: Der archimedische Punkt für eine theologische Kunstbetrachtung wird in dieser Blickachse weder beim Wort, noch bei seiner Nichdarstellbarkeit, seiner Spur oder Aura, auch nicht beim Bild, sondern beim Körper angesetzt. Durch den Körper wird die Fleischwerdung des Wortes konkret - das muss sich auch im Bilde zeigen. Spezifika, Verirrungen und Eigentümlichkeiten zur Körperauffassung im Bild führt der V. Essay vor. Bilder sind Körper, Bilder handeln vom Körper: In dieser Polarität liegt die Inspirationskraft für die Kunst, zu dem das Christentum von seiner Grundkonstitution sehr viel beigetragen hat. Mehr lesen >>

God has no museum: From this perspective, the Archimedean point for the theological treatment of art is neither located in the word and its non-representability, trace or aura, nor in the image but in the body. The body makes the incarnation of the word concrete—this must also be shown in the image. The fifth essay presents specifics, aberrations, and peculiarities of the conception of the body in the image. Images are bodies, images are about the body: The inspirational force of art is situated in this polarity, to which Christianity contributed a lot due to its basic constitution. Read more >>

 

V Öffentliche Religion – im Spiegel der Kunst  |  Public Religion – Reflected in Art
Über Religion als öffentliches Bild
About Religion as a Public Image

Gott hat kein Museum: Ist sein Ort nicht viel weniger das Museum als vielmehr die Öffentlichkeit? Religion kehrte am Anfang des Jahrtausends vor allem in ihrer fundamentalistischen Fratze und ihrer Bedrohung zurück. Wie und wo hat Religion als öffentliches Bild ihren Platz, ihren Wert und ihre Akzeptanz? Inwiefern findet das Bild der Religion in der Öffentlichkeit eine Spiegelung in der bildenden Kunst der Gegenwart? Neben dem öffentlichen medialen Auftritt sind es vor allem Bilder der Hilfe, der verbindenden Ressourcen und das Instrument einer öffentlichen Götzenkritik, die Religion im Spiegel der Kunst präsent sein lassen. Mehr lesen >>

God has no museum: Isn’t rather the public his place than the museum? At the beginning of the new millennium, religion returned first and foremost with its ugly face of fundamentalism and threat. How and where can religion have its place, its value, and its acceptance as a public image? In what way does the image of religion in the public find its reflection in contemporary visual art? Beside the public media appearance it is above all images of help, the unifying resources, and the instrument of public criticism of idolatry which allow religion to be present in the mirror of art. Read more >>

 

VI bestreiten und unterlaufen  |  Denying and Undermining
Potentiale des Bildverbots
The Potentials of the Prohibition of Images

Das Bilderverbot stand in der Kunstdebatte in den letzten Jahrzehnten hoch im Kurs. Wie ist dieses Grundparadigma von Bildbestreitung auf das Verhältnis von Religion und Kunst zu bedenken? Im VI. Essay wird über die gegenseitige Entfremdung nachgedacht, die Chancen einer unvoreingenommen Annäherung bieten könnte: In der Annahme der Gastfreundschaft im fremden Sakralraum,  im Vexierbild der Erinnerung, im Spiel des christlichen Bildvokabulars für eigene Kunstkonzepte, in der Thematisierung ästhetisch-existenzieller Grenzen gegen den Strich der Zeit: Unterlaufen von Erwartetem ist dabei ein durchgängiges Motiv.  Mehr lesen >>

The prohibition of images has been highly popular in discourse on art in the past tens of years. How can this basic paradigm of the denial of the image be conceived with regard to the relationship between religion and art? The sixth essay reflects the mutual alienation which might offer opportunities for unbiased rapprochement: Accepting hospitality in an alien sacral space, in the picture puzzle of memory, playing with the Christian pictorial vocabulary for one’s own art concepts, and thematizing esthetical and existential limits against the grain of time: In all this, undermining the expected is a continuous subject. Read more >>

 

Band III / VOLUME III
Gott hat kein Museum: Im dritten Band wird das Interesse auf die Inspirationen der Religion für die Gegenwartskunst gelegt. Kann man eine spezifisch christliche Bildlichkeit benennen?
Musealisierung ist nicht auf die Vergangenheit bezogen. Sie ereignet sich heute: Das trifft die Religion im Kern. Wo sie nämlich nicht mehr zu inspirieren vermag, ist sie kulturell tot. Gott wird also niemals ein Museum „haben“. An prekären Feldern - in Mutterbildern der Gegenwart, in künstlerischen Versuchen zur Trinität - wird diese waghalsige These mit konkreten Bildern vorgeführt.

God has no museum: The third volume focuses on the inspiration religion offers contemporary art. Can one define any specifically Christian pictoriality?
Musealization does not refer to the past. It is happening today: This touches the core of religion. In fact, it is dead in cultural terms wherever it cannot inspire us anymore. Thus God will never “have” a museum. This daring thesis is presented by means of actual images exploring precarious fields—contemporary images of the mother, or artistic approaches to Trinity.

Band III / Part III: Räume/Rooms 07-10

Die Räume 07 - 10 handeln von den Rändern des Lebens, Sterben und Geburt. Sie fragen nach dem Zustandekommen eines Bildes und schließlich nach dem vermessenen Versuch, Gott im Medium des Bildes zeitgenössisch zu denken.
Ein Ausgangsraum schließlich nimmt den konkreten Ort all der gezeigten Ausstellungen in den Blick: Das Kulturzentrum bei den Minoriten in Graz.

The rooms 07 to 10 deal with the margins of life—dying and birth. They ask how an image comes into existence and eventually make the foolhardy attempt of thinking God in a contemporary manner in the medium of the image.
Finally, an exit room takes a look at the actual location of all the exhibitions presented: the Kulturzentrum bei den Minoriten (KULTUMdepot) in Graz.

 

Essays

VII Mutter Unser  |  Our Mother
Mutterbilder und Madonnen Heute

Das kulturelle Grundmuster der Religionsgeschichte zum Mutterthema wird vom Motiv der Madonna mit dem Kind durchzogen. In deren Glanz und deren Schatten hat sich die künstlerische Bearbeitung von Mutterschaft weitergeschrieben. Doch verengte Tradierung oder Beerbung dieses Themas durch einseitige Rollen- und Familienbilder bis hin zu schmählichem ideologischen Missbrauch haben es in der Kunst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts nahezu zum Erlöschen gebracht. Dennoch wird das Bild der Mutter täglich neu geschrieben, mitten in den Emanzipationsprozessen, feministischen Blickachsen, Rollendiffusionen, wirtschaftlichen Notwendigkeiten, gesellschaftlichen Codes, sexuellen Orientierungsdebatten. Das Bild der Mutter ist fundamental für das eigene Leben wie für den Aufbau einer Gesellschaft. Eine stereotype oder verlässliche Ressource ist es dennoch nicht – sichtbar wird dies an der Kunst der jüngeren Gegenwart, die neue Sichtweisen weiter treibt.  Mehr lesen >>

The cultural basic pattern of the history of religion with regard to the subject of the mother is pervaded by the Madonna with the Child. The artistic treatment of motherhood has inscribed itself in her glory and her shadow. But the narrow-minded way this subject was passed on or inherited, in the form of biased role models and family images right up to shameful abuse for ideological ends, almost made it disappear in the second half of the twentieth century. Nevertheless, the image of the mother is written anew every day, right in the middle of processes of emancipation, feminist lines of sight, diffusions of roles, economic necessities, social codes, and discussions of sexual orientation. The image of the mother is fundamental for both one’s own life and the creation of a society. However, it is no stereotyped or reliable resource—this becomes visible in more recent contemporary art, which has further elaborated new points of view.

08Das Glück ist ohne PardonDas Glück ist ohne Pardon: Der achte Raum versammelt Bilder des Anfangs. Einflüsse und Transformationen des Madonnenmotivs auf zeitgenössische Darstellungen von Mutter und Kind, existenzielle Grenzsituationen des Mutterseins zwischen Glück, Intimität und Prekariat, sowie neue Aspekte von veränderten und fehlenden Mutterbildern heute werden in einer bislang ungekannten Zusammenstellung einander angenähert.Happiness Is without MercyHappiness is without mercy: Images of the beginning are gathered in the eighth room. Influences and transformations of the theme of the Madonna on contemporary representations of mother and child, existential borderline situations of motherhood between happiness, intimacy, and precariousness, as well as new aspects of changed and missing mother images today are brought closer to one another in an unprecedente

                                                       

VIII Schon schön schön: 1+1+1=1  |  Beautiful, indeed: 1+1+1=1
Künstlerische Versuche zur Trinität heute

Ist Gott darstellbar? Unter den Vorzeichen des Endes seiner Bildgeschichte um 1800 (Wolfgang Schöne) ist dies eine rhetorische Frage. Im ikonoklastischen Vorbehalt wurde seine Nichtdarstellbarkeit vielleicht noch ein Thema. Aber im engeren Sinne die christliche Vorstellung von Gott? Ein gewagtes Kunstprojekt über die Trinität, gestiftet vom Liturgiewissenschaftler Philipp Harnoncourt, ist ein lebendiger Gegenbeweis, vorausgesetzt man will die Frage von Künstlerinnen und Künstlern auch behandelt wissen. Es fügt sich im VIII. Essay im letzten Raum dieses Museums ein. 

Can God be represented? This is a rhetorical question under the circumstances of his pictorial history around 1800 (Wolfgang Schöne). Yet his non-representability maybe became a subject due to the reservations of iconoclasm. But the Christian conception of God in a narrower sense? A daring art project about Trinity, initiated and founded by the liturgical scholar Philipp Harnoncourt, is a vivid counter-evidence provided that one also wants the question to be examined by artists. It is integrated into the eight essay in the last room of this museum.

 

IX Inspirationen  |  Inspirations
Christliche Bildlichkeit und Gegenwartskunst
Christian Images and Contemporary Art

Zum Abschluss stellt sich die Frage nach der Inspiration. Hat Religion eine der Kunst eingeschriebene Matrix, die auch jenseits von täglicher Öffentlichkeit produktionsstiftend wird – auch heute? Wie ist eine Bildlichkeit beschreibbar, die aus der Inspirationsgeschichte des Christentums stammt? Und wie findet sie ihre Spiegelung in aktueller Kunst? Zwischen Zeichen, Präsenz und Figuration, zwischen Körperlichkeit in seiner Verletzung, Unterdrückung und Verwandlung, aber auch zwischen Blick und Verdichtung wird noch einmal Rückschau gehalten. Mehr lesen >>

Finally, the question of inspiration must be raised. Does religion possess any matrix inscribed in art which also becomes production-establishing beyond public everyday life—even today? How can pictoriality be described which has its origins in Christianity’s history of inspiration? And how is it mirrored in present-day art? In this chapter, I am going to look back once again on the sign, presence, and figuration, physicality in its vulnerability, repression, and transformation but also on the gaze and condensation. Read more >>

                                                                                                   

 

 

 

Johannes Rauchenberger

  • geb. 1969, studierte Kunstgeschichte und Theologie in Graz, Tübingen und Köln. Er promovierte über „Biblische Bildlichkeit. Kunst – Raum theologischer Erkenntnis“ (Schoeningh, 1999). Von 1997-2002 war er wiss. Mitarbeiter an der Bildtheologischen Arbeitsstelle an der Universität zu Köln bei Prof. Dr. Alex Stock. Seit 2000 leitet er das Kulturzentrum bei den Minoriten in Graz, ein Mehrspartenhaus für zeitgenössische Kunst, Gegenwartskultur und Religion. Er verantwortete mehr als 120 Ausstellungen, darunter Großausstellungen wie „ entgegen “ (Cantz, 1997) und „Himmelschwer“ (Wilhelm Fink, 2003). Seit 2002 ist er Redakteur des ökumenischen Kunstmagazins „kunst und kirche“, seit 2004 Lehrbeauftragter für Kunst und Religion an der Universität Wien, seit 2009 auch an der Universität Graz. Er publizierte zahlreiche Kataloge und übt eine reiche Vortragstätigkeit aus. 
  • Mit diesem Buch stellt er die Ausstellungsgeschichte wie die Sammlung zeitgenössischer Kunst, die er in den letzten Jahren als KULTUMdepot aufgebaut hat, in Form eines „virtuellen Museums“ vor und setzt dieses mit Fragen der Religion am Beginn des XXI. Jahrhunderts in Beziehung.

 

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