Gegenwartskultur bedarf der Theorie. Eine solche Theorie ist eine Analyse der Zeit. Die Zeit zur Sprache zu bringen, in der wir unser gesellschaftliches, politisches und kulturelles Leben verbringen, ist Ziel der Schiene "Wissenschaft/Zeitanalyse/Religion" im Kulturzentrum bei den Minoriten. Dimensionen von Religion in diese Sicht einzubringen und herauszufiltern ist ferner ein wichtiges Merkmal der Programmplanung.

 

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Ressortleiter: Dr. Johannes Rauchenberger (711133-29)

Organisation: Mag. Elisabeth Wimmer

>> Reihe: Tod und Todeserfahrung

>> open university 06: "Überlebensstrategien"

>> Symposium: Kunst zu Glauben

>> Reihe: Im Brennpunkt

>> Herbstvorlesung

>> Leben wir in Zeitgefängnissen?

 

 

TOD UND TODESERFAHRUNG

Zur Sterbekultur in unserer Gesellschaft

 

Vorlesungsreihe zum Mehrspartenprojekt  „Die Menschen fürchten den Tod wie manche Kinder den Wau-Wau (Abraham a Sancta Clara)“, beginnend am Aschermittwoch 2006 

 

Termine: 8., 13., 22., 29. März und 5. April 2006

Veranstaltungsort: Kulturzentrum bei den Minoriten und Minoriten-Galerien, Graz

jeweils 19.30 Uhr

 

In Kooperation mit der Akademie Graz

Konzept: Dr. Astrid Kury

Unterstützt von der Grazer Bestattung

 

 

Tod und Vergänglichkeit haben ihren alltäglichen Stellenwert in der heutigen Gesellschaft eingebüßt. Dem letzten Akt des Lebens wird im Fortschrittsmythos kein Platz mehr zugestanden; aus dem öffentlichen Raum verbannt, zugunsten einer ewigen Lebensgier, findet er sich in Krankenhäusern wieder. Einem Bonmot Baudrillards zufolge beabsichtige die Moderne, dem Leben den Tod auszutreiben. Die Verdrängung des Todes gilt als spezifisches Merkmal der modernen Gesellschaft. Dem steht vor allem die überwältigende Präsenz von Sterben und Tod in der medialen Berichterstattung gegenüber.

Allerdings gesellt sich zur bisweilen makabren Sensationslust und dem Gefühl, Sterben sei etwas, das ohnedies nur die anderen betreffe, neuerdings auch ein nachdenklicherer Ton: Zahlreiche Berichte über das Sterben selbst, sowie eine Fülle von Ratgeberliteratur zum Thema zeigen ein neu erwachtes Interesse.

Warum erscheint nun die Todesthematik stilisiert als gesellschaftliche Modeerscheinung, wenn deren TrägerInnen den Tod doch letztendlich verdrängen? Ist es der rasante Fortschritt der medizinisch-technologischen Entwicklung, der uns zwingt unsere Grenzen zu reflektieren? Ist es, zynisch formuliert, die Überalterung der Gesellschaft? Oder die zunehmende Individualisierung und Subjektivierung, in deren Folge sich auf dem „Markt der Weltanschauungen“ ein jeder seine Meinung zu Leben und Tod erwählt? Und wie könnte eine solche Typologie aktueller Todeskonzeptionen in unserer Gesellschaft aussehen?

 

 

 

8.3.2006

Todesnähe. Mythos und Wirklichkeit

Univ.-Prof. Dr. Hubert Knoblauch, Institut für Soziologie, TU Berlin

Schwer Verletzte erleben sich über ihrem Körper schwebend, gehen in einem Tunnel dem Licht entgegen, werden von bereits verstorbenen Angehörigen liebevoll empfangen. So beschriebene Erfahrungen von Todesnähe liefern uns Bilder vom Grenzbereiche, der zwischen Tod und Leben liegt, beschreiben eine Form des „Jenseits“. Vor allem aber spiegeln sie in ihrer tatsächlichen Variationsbreite, die von individuellen wie soziokulturellen Komponenten geprägt ist, die kulturelle Bedeutung des Sterbens in einer bestimmten Zeit, in einer bestimmten Gesellschaft wieder.

 

 

13.3.2006

Autonomes Sterben?

Univ.-Prof. Dr. Peter Strasser, Institut für Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie und Rechtsinformatik, Universität Graz

Moderation: MMag. Christian Lagger, Philosoph und Theologe

 

„Autonomie“ meint Selbstbestimmung. Sie ist ein grundlegender Wert unserer Gesellschaft. Doch die Frage, was es heißt, sich beim Sterben selbst zu bestimmen, führt zu merkwürdigen Untiefen. Denn die Autonomie ist wesentlich eine Kategorie der Reflexion und des Rückblicks. Ob ein Leben als autonomes gelang, weiß man – wenn überhaupt – erst hintennach. Für den Sterbenden aber ist keine solche Position verfügbar. Da liegt der Tod dazwischen. Dennoch wollen wir im letzten Akt unseres Lebens nicht bloß passiv Erduldende sein.

 

 

22.3.2006

Sterbekultur als ethische Herausforderung

Podiumsdiskussion

 

Ist Älterwerden peinlich, der Tod schließlich ein Versagen? Die Erfahrung des Sterbens hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, vor allem durch den medizinischen Fortschritt konzentrieren wir uns darauf, Krankheiten zu heilen und Leben zu verlängern. Es bedarf einer neuen Sterbekultur, in der Krankheit und Sterben mit Würde begegnet wird.

 

Univ.-Prof. Dr. Peter Gasser-Steiner, Institut für Soziologie, Universität Graz

Univ.-Prof. Dr. Karl Harnoncourt, Obmann des Hospizvereins Steiermark

Mag. Bernd Oberndorfer, Krankenhausseelsorger am LKH Graz

Univ.-Prof. Dr. Sonja Rinofner-Kreidl, Institut für Philosophie, Universität Graz

Diskussionsleitung: Univ.-Prof. Dr. Karl Acham, Institut für Soziologie, Universität Graz

 

 

29.3.2006

Der sterbende Patient: Sterbebegleitung aus ärztlicher und pflegerischer Sicht

 

OA Dr. Imke Strohscheer, Universitäre Palliativmedizinische Einrichtung am LKH Univ.-Klinikum Graz

 

Die letzte Phase menschlichen Daseins ist von großer Bedeutung. Der Ort, an dem diese durchlebt wird, erweist sich mitunter als wenig gute Wohnstätte für den letzten Fortgang. Oftmals sind es vor allem Ärzte, die sich hilflos und überfordert fühlen. Der diskursive Beitrag an diesem Abend versucht Aufgaben und Möglichkeiten für medizinisches Personal im Umgang mit Sterbenden aufzuzeigen.

 

 

5.4.2006

Das Sterben, der Tod und ich. Aktuelle Einstellungen zu Sterben und die Zukunft von Sterben

Apl. Prof. Dr. Joachim Wittkowski, Institut für Psychologie, Universität Würzburg

 

Warum haben manche mehr und manche weniger Angst vor ihrem eigenen Tod? Gibt es tatsächlich regelhafte Abläufe des Sterbeprozesses? Was ist Death Education und welche Effekte hat sie? Dies alles sind Aspekte einer „Psychologie des Todes“, mit der sich Prof. Wittkowski seit über 30 Jahren beschäftigt. Forschungsinteresse der Thanatopsychologie ist die empirische wie theoretische Untersuchung des Erlebens und Verhaltens der Menschen gegenüber Sterben, Tod und Verlust sowie die praktische Anwendung dieser Erkenntnisse im Alltag.
In diesem Vortrag untersucht Prof. Wittkowski die Dimensionen bzw. Aspekte der Einstellungen gegenüber Sterben und Tod an Hand der Ergebnisse der thanatopsychologischen Forschung und präsentiert einen Entwurf zu einer Theorie der Angst vor dem eigenen Tod.


 

OPEN UNIVERSITY 2006:

ÜBER-LEBENSSTRATEGIEN

In Kooperation mit der KF-Uni-Graz, der Med-Uni-Graz und des Forums Glaube Wissenschaft Kunst

 

Die seit 2003 währende Tradition akademischen Nachdenkens und wissenschaftlicher Diskussion am öffentlich kulturellen Ort bei den Minoriten wird 2006 mit „Überlebensstrategien“ fortgesetzt. In den Blick geraten die Kreativität, mit der Betroffene in verschiedenen Bereichen Wege zum Überleben finden, beschreiten, unter welchen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen sie scheitern und was sie brauchen würden, damit ihre „Intelligenz der Bewältigung“ zum Ziel führt.

Die interdisziplinäre Veranstaltung geht damit einen weiteren Schritt hinter die Frage nach dem „guten Leben“ („Puzzle Leben“ 2004) als Grundfrage menschlichen Lebens zurück und bedenkt die Voraussetzungen dafür, dass Menschen sich ethische Fragen zu stellen in der Lage sind und genug Reflexions- und Handlungsspielraum besitzen, um soziale und politische Verantwortung zu übernehmen. Materielle Grundsicherung, Zukunftsperspektiven, barrierefreie Alltagsbewältigung, Sicherheit von Leib und Leben, Bewältigung täglicher Überforderung zwischen Familien- und Berufsarbeit und die Bewältigungssstrategien derer, die diese offenen Fragen bearbeiten, sind die ausgewählten Themen aus dem großen Feld der Überlebensstrategien von unterschiedlichster Gestalt.

 

Diese „Lectures“ finden in einem Kunstkontext statt, die jenes Umfeld thematisiert, an dem die genannten Überlebens-Strategien scheitern: Die Welt des Massenkonsums, die sich als  immanenzerstickendes Paradies präsentiert. Die aus Graz stammende und in den Niederlanden lebende Malerin und Performancekünstlerin Barbara Philipp installiert in den Minoriten-Galerien das Projekt „Schlaraffenland“: Es wird in ihm gepflückt, still gegessen und blind imaginiert. Und das, was das Schlaraffenland in den Vorstellungen der BesucherInnen sein soll, in Bild und Ton festgehalten.

 

 

Konzept: Elisabeth List, Jörg Schaur, Gottfried Dohr, Otto König, Richard Sturn, Helmut Hönig, Elisabeth Pernkopf,  Johannes Rauchenberger

Projektleitung: Elisabeth Wimmer

Kurator Ausstellung: Johannes Rauchenberger

 

Eröffnung der Ausstellung: 1. April (aktuelle kunst in graz), Dauer bis 15. Mai.

 

Zur Ausstellung „Das Schlaraffenland“ von  Barbara Philipp

Barbara Philipp, geb. 1977 in Graz, studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux Arts - énsba in Paris, 2001, an der Städelschule in Frankfurt, (Meisterklasse Hermann Nitsch) und lebt derzeit in den Niederlanden. Sie setzt sich in ihrer Malerei und in ihren Performances schwerpunktmäßig mit Überflussphänomenen auseinander.

 

LV: Interdisziplinäres Seminar, 1st., freies Wahlfach, SS 2006, ETCS 2

Seminararbeitsbetreuung: Vortragende, wenn Uni-LehrerInnen, Uni-LehrerInnen aus dem Vorbereitungskreis

Zeit: 6 Abende à 2 h, jeweils 2 Vorträge à ca. 45 Minuten und Diskussion
Mo, 24.4., Mi, 3.5., Mi 10.5., Mi 17.5., Mi 31.5., Mi 7.6., jeweils 19.00-21.00 Uhr

Ort: Kulturzentrum bei den Minoriten, Mariahilferplatz 3/2. Stock, Graz, www.minoritenkulturgraz.at

 

Montag, 24.4.

Überleben am Ende der Arbeitsgesellschaft:
Grundeinkommen für alle!

Markus Schlagnitweit (Kath. Sozialakademie Österreichs)

 

Mittwoch, 3.5.

Biografische Brüche Jugendlicher und ihre Umgangsstrategien

Gerlinde Malli, Diana Reiners, Gilles Reckinger
(Institut für Soziologie, KF-Uni Graz)

 

Mittwoch, 10.5.

MigrantIn-Sein in Österreich

 

Neuland

Judith Schwentner (Megaphon Graz)

Weltweite Migration und Menschenrechte

Klaus Starl (ETC/Europ. Trainings- and Research Center for Human Rights and Democracy)

 

Mittwoch, 17.5.

Von der Tugend der Tapferkeit

Überleben in der Sozialen Arbeit

Klaus Posch (FH Joanneum/Studiengang „Sozialarbeit mit Schwerpunkt Sozialmanagement“)

 

Wider die Zerstörung

Elisabeth Katschnig-Fasch
(Inst. f. Volkskunde und Kulturanthropologie, Uni Graz)

 

Mittwoch, 31.5.

Behinderung - Leben unter erschwerten Bedingungen

Elisabeth List, (Inst. f. Philosophie, KF-Uni Graz), Sebastian Ruppe (Zentrum für soziale Kompetenz, KF-Uni Graz)

 

Mittwoch, 7.6.

Überlebensstrategien zwischen Familien- und Berufsarbeit

 

Wenn Familie und Beruf kollidieren…
Konsequenzen von Vereinbarkeitsschwierigkeiten und praktische Lösungsstrategien

Sonja Jagoditsch, Harald Lothaller  (Inst. f. Psychologie/Sozialpsychologie, KF-Uni Graz),

 

AkademikerInnen als Eltern - Von der Vereinbarung zur Verausgabung

Sandra Beaufays (Institut für Soziologie, Graz)


KUNST ZU GLAUBEN.

Ein Symposium im Minoritensaal am 5./6. Mai 2005

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Die Rede soll sein von der Sprache und vom Sagen des Unsagbaren, vom Glauben, der eine Kunst ist, eine Lebenskunst, von der Kunst, die ihr Statement zum Glauben abgibt, vom Glauben, der eine Kunst braucht, und vom Glauben, dessen Vollziehen mitunter eine Kunst, die aber nicht das ist, was wir gemeinhin als Kunst verstehen, voraussetzt: Poetische Sprache also als Mutation in herbe Kritik. KUNST ZU GLAUBEN, das sind Erwartungen der Schönheit, der Ekstase, der Erhabenheit, des Trostes. Aber ebenso der harschen Kritik. Diese Erwartungen nicht zu erfüllen oder sie all zu sehr erfüllt zu haben, führte zu den bekannten Spannungen zwischen Kunst und Glauben, zu den oft abwertenden Statements zueinander, zum Verhältnis, sich "höchstens aus der Ferne zu grüßen".

Bei diesem Symposium ist nicht die gegenseitige Fremde zueinander, sondern die eigene Fremde der Ausgangspunkt: Die Fremde des Glaubens und die Fremde der Kunst. Und eben in dieser gemeinsamen Eigenschaft auch ihre Nähe zueinander, in ihrer möglichen "Allianz wider die Banalität" (Bischof Egon Kapellari). Ausgangspunkt ebenso ist die Gleichzeitigkeit dieser Nähe und dieser Fremde, die Gleichzeitigkeit täglich erlebter Welten von Unvereinbarkeiten, von Brüchen und Kontinuitäten, von alter und neuer Kunst, von profan und sakral.

 

5. Mai:

KUNST ZU GLAUBEN - am Abend:

Vortrag: KUNST ZU GLAUBEN von Univ.-Prof. Dr. Andrea de Santis (Professor für Philosophie und theologische Ästhetik an der Universität San Anselmo in Rom).

Einem wörtlichen „SYMPOSION“ entsprechend, wird anschließend Essen gereicht und über das Aufgetragene kurz, über das Vorgetragene aber intensiv gesprochen. In einem zweiten Gang bieten die SprecherInnen der einzelnen Tische Debattenbeiträge und Anfragen an den Vorragenden.

Das Essen ist Teil des Empfangs für Bischof Dr. Egon Kapellari durch den Bürgermeister der Stadt Graz, Mag. Siegfried Nagl.

  

Samstag, 6. Mai:

10.30 – 13 Uhr:

KUNST ZU GLAUBEN - am Morgen

Im barocken Minoritensaal

„God’s Statement“ – Diskussion – und zwei „rosenkranzbetende“ Autoklaviere

 

I. Vernissage: Hannes Priesch

Das Symposium „Am Morgen“ beginnt mit der Vernissage der Installation „God’s Statement“ von Hannes Priesch, in New York lebender steirischer Künstler, der sich seit Jahren mit Schrift auseinandersetzt. In letzter Zeit sind es fast ausschließlich Bibeltexte, die er malt, vor allem in Auseinandersetzung mit dem erstarkten religiösen Fundamentalismus in Amerika. Für KUNST ZU GLAUBEN reagiert Hannes Priesch auf den Stiegenaufgang zum Minoritensaal mit einer eigens dafür geschaffenen Installation – und macht dabei seine konzeptionellen Ansätze früherer Jahre fruchtbar. Ausgangspunkt ist das Bild „God’s Statement Dtn 32, 29-42“, das er aber nicht als vorhandenes Bild zeigt, sondern als Malerei und akustische Installation umsetzt. Als Reaktion auf den Barock wagt es Hannes Priesch – als Vertreter der Jungen Wilden der 80-er Jahre eine beachtliche Reminiszenz – Gottvater daselbst zu malen. Aus dessen Mund quellen die Kabeln, die an verschiedenen Orten im Raum als Lautsprecher enden und die den Text von „God’s Statement“ hörbar machen.

„Jetzt seht: Ich bin es, nur ich, und kein Gott tritt mir entgegen. Ich bin es, der tötet und der lebendig macht. Ich habe verwundet; nur ich werde heilen. Niemand kann retten, wonach meine Hand gegriffen hat. Ich hebe meine Hand zum Himmel empor und sage: So wahr ich ewig lebe: Habe ich erst die Klinge meines Schwertes geschliffen, um das Recht in meine Hand zu nehmen, dann zwinge ich meinen Gegnern die Strafe auf und denen, die mich hassen, die Vergeltung. Meine Pfeile mache ich trunken von Blut, während mein Schwert sich ins Fleisch frisst – trunken vom Blut Erschlagener und Gefangener, ins Fleisch des höchsten feindlichen Fürsten–“

 

Hannes Priesch nennt seine Schriftarbeiten Auseinandersetzungen mit dem Erbe unserer Kultur. Sie decken das Gewaltpotential der Religion anhand ihrer Urtexte auf und warnen vor einer wörtlichen Lesbarkeit, wie er es täglich in Amerika erlebt. Doch anders als eine platte Religionskritik sind die Texte so ausgewählt, dass die Möglichkeit besteht, sie gerade noch auch anders rum lesen zu können: Dem Rezipienten, dem Besucher der Ausstellung, dem Hörer des Wortes wird schließlich die Rolle zugewiesen, über die rechte Interpretation zu entscheiden.

 

II. MORGENDISKUSSION

Es werden Künstlerinnen und Künstler, Personen aus den Wissenschaften in den barocken Minoritensaal geladen, um über KUNST ZU GLAUBEN zu debattieren und KUNST ZU GLAUBEN zu erleben.

 

III. AUTOKLAVIERE_ROSENKRANZ von PETER ABLINGER

 

Peter Ablinger, Komponist der „Stadtoper GRAZ“ (2005) und bei den Minoriten seit Jahren immer wieder mit spannenden Arbeiten vertreten, verwirklicht einen lang gehegten Wunsch: er zeichnet eines der traditionellsten katholischen Gebete, das Rosenkranzgebet, akustisch nach. Dabei wird die bekannte respondierende Form auf der Basis einer Aufnahme der betenden Eltern des Komponisten auf zwei Flügel, die von hochauflösenden Klavierautomaten gespielt werden, übertragen. Ergebnis ist ein faszinierendes akustisch-optisches Zusammenspiel, das als konzertante Aufführung das Symposium beendet, aber selbst weiterspielend als begehbare Klanginstallation in den Nachmittag reicht…

 

"PORTRAIT MEINER ELTERN"

sound-installation for 2 computer-controlled player pianos
 the basic material is a recording of my parents reciting the rosary, an endless Catholic responsorial prayer;
 my father: left piano, my mother: right piano

 

 

Veranstalter: Kulturzentrum bei den Minoriten, in Kooperation mit der Katholischen Hochschulgemeinde und dem Forum Glaube Wissenschaft Kunst, Die Vesper wird vom Grazer Domchor, der Kantorei Mariahilf und dem studio percussion gestaltet.

 

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IM BRENNPUNKT…

 

 Vision Europa - Wege aus der Krise

 

Samstag, 14.1.2006, 17.00-19.00 Uhr,

Großer Minoritensaal, Mariahilferplatz 3 .

Die fehlgeschlagene Volksabstimmung über die EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden und die ausstehende Einigung über Probleme des Budgets haben Europa in eine ernste Krise gestürzt. Unsicher ist, ob die Präsidentschaft Großbritanniens im Herbst Auswege aus diesem Dilemma erbringt. Da Österreich mit 1. Jänner 2006 die Präsidentschaft übernimmt, wird unsere Bundesregierung unter hohem Erfolgsdruck stehen.

 

Die geplante Veranstaltung verfolgt die Absicht, das Bewusstsein der Öffentlichkeit durch einen Aufruf zur Lösung der anstehenden Probleme zu schärfen und damit der Bundesregierung bei ihrer schwierigen und verantwortungsreichen Aufgabe hilfreich zu sein. Dies auch mit der Absicht, die Akzeptanz der österreichischen Bevölkerung für die Erweiterung und Festigung des Zusammenschlusses der europäischen Völker zu stärken.

Das Diskussionsforum mit den Herrn

 

Univ.-Prof. Dr. Wladyslaw Bartoszewski, polnischer Außenminister a.D.

Dr. Erhard Busek, Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa

            Dr. Hannes Swoboda, Abgeordneter zum Europäischen Parlament , Parlamentarischer Geschäftsführer der SPE-Fraktion

 

bietet die Gewähr, dass überzeugende Argumente für die künftige Entwicklung des erwünschten Einigungsprozess vorgebracht und von den Medien veröffentlicht  und diskutiert werden.

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Bernd Schilcher

 

 

 

 

Neodarwinismus - Geburtsstätte des Neoliberalismus

Fällt das europäische Sozialmodell dem Selektionsmechanismus zum Opfer oder überwindet die europäische Gesellschaft das biologistische Recht des Stärkeren?

 

Dr. Ewald Walterskirchen, WIFO Wien

 

Montag, 6. Februar 2006

Beginn: 19.30 Uhr

Kleiner Minoritensaal, Mariahilferplatz 3, Graz.

 

Der Wirtschaftswissenschafter Walterskirchen stellte in seinem kürzlich erschienenen Buch „Der Weg in die Informationsgesellschaft“ fest, dass die Evolution der Gesellschaft zwei Gesichter hat: die "darwinistische" Selektion und die Kooperation in neuen komplexeren Gesellschaftsformen. Im Wirtschaftsleben wird heute meist die neoliberale Argumentation vertreten, die auf neodarwinistischen Überlegungen beruht und den Menschen der Ökonomie unterordnet. Demnach gehe die wirtschaftliche Krise in Europa vor allem auf mangelnde Flexibilität des Arbeitsmarktes gegenüber dem Globalisierungsschock zurück. 

Muss also das europäische Sozialmodell ein Opfer der Selektion im Kampf ums wirtschaftliche Überleben werden oder kann sich die Gesellschaft vom biologischen Recht des Stärkeren emanzipieren? Walterskirchen sieht die Informationsgesellschaft mit ihren elektronischen Technologien und Netzwerken als große anbrechende Epoche. Die Bildung von Netzwerken, d.h. die Koordination und Kooperation, wird zu einem zentralen Faktor.

 

Dr. Walterskirchen ist Wirtschaftswissenschafter und Soziologe, er arbeitet als Wirtschaftsforscher im WIFO Wien und beschäftigt sich vor allem mit makroökonomischen und wirtschaftspolitischen Fragen; sein Spezialgebiet ist die Theorie der sozialen Evolution.

 

Ewald Walterskirchen, Der Weg in die Informationsgesellschaft. Zur Evolution von Natur, Technik und Wirtschaft, Passagen Verlag, Wien, 2005

 

 

 

 

 

Globale Bedrohung Klimawandel

Univ.-Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb, Institut für Meteorologie der Universität für Bodenkultur, Wien

 

Montag, 3. April 2006

Beginn: 19.30 Uhr

Großer Minoritensaal, Mariahilferplatz 3

Der Klimawandel stellt eine Bedrohung dar, dessen Auswirkungen auf Natur und Mensch bereits zu spüren sind. Das globale Klimasystem ist sehr komplex, daher können auch schon kleine Ursachen unabschätzbare Wirkungen haben –  es geht hier nicht nur um die prognostizierte Häufung von Naturkatastrophen, sondern vor allem um die langfristige Verfügbarkeit von Wasser und Nahrungsmitteln. Dennoch werden Klimaschutz-Maßnahmen weltweit nur zögerlich gesetzt.

 

 

Psychoanalyse und bildende Kunst

Montag, 8. Mai 2005

Großer Minoritensaal, Mariahilferplatz 3 Graz.

 

Der 150. Geburtstag von Sigmund Freud ist ein hoher Ehrentag, bedenkt man die Bedeutung, die Freuds psychologische Forschungen weltweit erlangt haben.

Da die Förderung und Vermittlung von Kunst ein zentrales Anliegen der Akademie Graz ist, haben wir anlässlich des Freud-Jubiläums ein Programm zusammengestellt, dass die Wechselwirkung und das Zusammenspiel von Kunst und Psychoanalyse im Detail beleuchtet.

 

Psychotherapie und künstlerisches Gestalten

Dr. Peter Jeschek, Psychotherapeut, Wien

Psychische Energien in der bildenden Kunst

Univ.-Prof. Dr. Klaus Herding, Institut für Kunstgeschichte, Universität Frankfurt am Main (angefragt)

Kunst und Psychiatrie

Univ.-Prof. Dr. Götz Pochat, Institut für Kunstgeschichte, Universität Graz

 

Kooperation: Institut für Kunstgeschichte der Karl-Franzens Universität Graz, Urania und Kulturzentrum bei den Minoriten Graz

 

 

Montag, 9.10.2006, Beginn 19.00 Uhr, kl. Minoritensaal
Ein Schandfleck der EU. Zur Behandlung der Roma-Minderheit in der Slowakei
Podiumsdiskussion mit Dr. Mirjam Karoly, Politikwissenschafterin, Wien, Univ.-Prof. Mag. DDr. Wolfgang Benedek, Institut für Völkerrecht und internationale Beziehungen, Universität Graz, Pfarrer Wolfgang Pucher; Moderation: Emil Breisach
 

 

Die Diskussion um das Betteln in der Stadt Graz spitzt sich zu - aber was wissen wir eigentlich über den Kampf ums Überleben der slowakischen Roma? Mirjam Karoly, österreichische Romni, ist Politologin und ehemalige OSZE-Mitarbeiterin für Roma-Fragen.  Sie wird einführend über die Lebensbedingungen der Roma in Europa mit Schwerpunkt Slowakei sprechen.

Anschließend findet mit UProf, Dr. Wolfgang Benedek, international renommierter Experte für Menschenrechtsfragen und Minderheitenpolitik, Pfarrer Wolfgang Pucher bekannt für sein tatkräftiges Engagement in der Bekämpfung der Armut als der „hässlichen Seite“ unserer Gesellschaft, eine Podiumsdiskussion statt.





Montag, 16.10.2006, Beginn: 19.00 Uhr, kl. Minoritensaal
Keine Zukunft? Jugend in Südosteuropa
Christine von Kohl, Balkanexpertin, Chefredakteurin der Zeitschrift „Balkan anders. Südosteuropäischer Dialog“, Wien


„Die ‚Politikverdrossenheit’ der Jugend in Europa hat ebenso unterschiedliche Hintergründe und Ursachen, wie wir von unterschiedlicher ‚Jugend’ sprechen. Was nun die Jugend in den südosteuropäischen Ländern betrifft, so wird ihre Lage dadurch verschärft, dass ihr jede Voraussetzung fehlt, um ‚den Staat’ als richtunggebend für Recht, Gerechtigkeit, Fortschritt - für ‚Demokratie’! - sehen zu können. Während es in Mitteleuropa durchaus demokratische, pluralistische Traditionen politischer Strukturen vor dem Zweiten Weltkrieg gab - so fehlt eine solche Erfahrung in den Staaten des Balkan so gut wie total.“
 

 

 

 

 

 

 

Herbstvorlesung 2006

 

Konrad Paul Liessmann: Zukunft – Über säkularisierte Heilserwartungen

 

Univ.-Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann ist Professor für Philosophie an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft der Universität Wien

 

30.10./31.10./1.11.  2006

Beginn: 19.00 Uhr

Kulturzentrum bei den Minoriten, Galerie, II. Stock, Graz

In Kooperation mit der Akademie Graz.

 

In Antwort auf Rudolf Burgers „Kleine Geschichte der Vergangenheit“ widmet sich der Philosoph Konrad Paul Liessmann in der Frühlingsvorlesung der „Zukunft“:

 

Getreu der Maxime Kierkegaards, dass der Unglücklichste derjenige ist, der entweder in der Vergangenheit (Erinnerung) oder in der Zukunft (Hoffnung) leben muss, ist es an der Zeit, sich auch der zweiten Gestalt des modernen unglücklichen Bewusstseins, die sich als unbedingter Wille zum Neuen, zur Zukunftsoffenheit, zur Zukunftsfitness, zu Zukunftsmärkten, zum zukünftigen Wettbewerb, schlicht zur Zukunft und ihrem Kommen maskiert, ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Ist vom „kommenden Gott“ der Chiliasten, Romantiker und Utopisten in der Spätmoderne nur das „Kommen“ übrig geblieben? Wie geht es den Menschen, deren Daseinsmodus zentral durch dieses Warten und den Anspruch auf Zukunft bestimmt ist?

 

 

 

 

LEBEN WIR IN ZEITGEFÄNGNISSEN?

 

Prof. Dr. Kurt Weis/München über den Menschen und seine Vorstellungen von Zeit

 

MITTWOCH, 11. 10 |19.30 Uhr, nach dem Künstlergespräch mit Günther Pedrotti im Rahmen des Ausstellungsprojekts "Controlling"

 

Zeit verdeutlicht, markiert und begrenzt Leben. Leben, soweit uns irdisch bekannt, ist durch eine Kürze in der Zeit, wie etwa durch Kommen und Gehen, Entstehen und Vergehen, Geburt und Tod gekennzeichnet. Zeit ist Leben, Leben ist kurz, Zeit ist Frist. So jedenfalls spüren es betroffene Menschen. Sonne und Erde, Vulkane und Bäume, Menschen und Eintagsfliegen, alles hat seine Lebenszeit. Der Mensch ist sich der Kürze seiner Verweildauer bewusst, leidet darunter und klagt darüber.
 

 

 

LIFESTYLE RELIGION


Über die "Wiederkehr der Religion" in modernen Lebensstilen
 

7.11., 14.11., 21.11. , 28.11.2006

 

Spiritualität gilt Zukunftsforschern als attraktiver Markt – der Wellness-Boom inkludiert mittlerweile auch spirituelle Befriedigung. Ein Indiz für Gutgläubige von einer „Rückkehr der Religion“ zu sprechen – in der Großwetterlage fast flächendeckender Säkularisierung.

Wenn man aber heute wirklich nach Religion fragt, was meint man damit und wo findet man dies Gemeinte?
Modernes Leben hat sich in Lebensstilen ausdifferenziert, mit ihnen auch die individuellen Zugänge zu Religion. Wie verhält sich eine solche „Privatsache Religion“ mit den kollektiven Energien von Religion, die unsere Gesellschaft als Bindungskitt benötigt aber die wir gleichzeitig derzeit so sehr fürchten? Wie verhält sich die Religion als Privatsache zum Zielgruppenmarkt von Lifestyle und Marketing? Ein mit religiösem Equipment ausgestattetes Leben unterstützt auch hoch kommerzielle Lebensentwürfe.
Welche Konsequenzen haben solche gesellschaftlichen Entwicklungen im Spannungsfeld zwischen einer individuellen Sinn- und Wahrheitssuche, ihrer Kommerzialisierung und einer neuen Popularität der Eventreligion, will man „Wiederkehr der Religion“ nicht nur unter den Vorzeichen von Fundamentalismus und Extremismus diskutieren. Sind die individuellen Kompositionen von Religion in die überlieferten Gemeinschaften integrierbar? Sollen sie es sein?


Mit UProf. Dr. Otto Kallscheuer, UProf. DDr. Paul M. Zulehner, Dr. Ariane Martin, UProf. Dr. Rainer Bucher, UProf. Dr. Franz Höllinger, DDr. Alfred Längle u.a.

Di, 7.11.
Über das Comeback der Religion im öffentlichen Disput: UProf. Dr. Otto Kallscheuer, Politikwissenschaftler und Philosoph, FU Berlin, Autor des Buches: „Die Wissenschaft vom LIEBEN GOTT. Eine Theologie für Recht- und Andersgläubige, Agnostiker und Atheisten“ (2006). Moderation: UProf. Dr. Rainer Bucher


Mo, 13.11.
Beobachtungen über zeitgenössische Spiritualität. Dr. Ariane Martin, Kulturantropologin, Redakteurin in der Abt. „Kultur und Wissenschaft“ im ZDF, Mainz

Anschließend: „... und die alten christlichen Kirchen?“ Diskussion mit UProf. DDr. Paul M. Zulehner, Pastoraltheologe, Uni Wien, Moderation: Dr. Johannes Rauchenberger

Di 21.11.
Spirituelle Wanderer: Über neue religiöse Bewegungen. UProf. Dr. Franz Höllinger, Soziologe, Graz
Moderation: Dr. Astrid Kury

Mi, 29.11.
Sehnsucht nach Sinn. DDr. Alfred Längle, Arzt, klinischer Psychologie und Psychotherapeut, Wien
Moderation: Dr. Astrid Kury
 

 

 

 

 
    WILLKOMMEN BEI MINORITEN ZEITANALYSE / RELIGION!

 

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