ZEITANALYSE 2010 bei den MINORITEN:

   
 

MO 26. April 10, 19.30 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.


Eintritt:   4,-/2,-

IM BRENNPUNKT EUROPA:
Leitkultur Humanismus und Aufklärung –
Eine europäische Perspektive?

 

Vortrag von
Dr. Michael Schmidt-Salomon

 

„Kopftuchstreit“, „Zwangsheirat“, „Kreationismus“, „Minarettverbot“ – der „Kampf der Kulturen“ hat Europa längst schon erreicht. Bislang, so scheint es, sind die europäischen Gesellschaften allerdings damit überfordert, den neuen Herausforderungen produktiv zu begegnen. Während die einen von einer „multikulturellen Gesellschaft“ träumen, in der sich alle Probleme wie von Zauberhand in Wohlgefallen auflösen, setzen die anderen auf eine „Null-Toleranz“-Politik, mit der sie hoffen, die „christliche Festung Europa“ gegen den Islam – letztlich aber auch gegen den modernen Säkularismus! – zu verteidigen. Michael Schmidt-Salomon hält beide Strategien für verfehlt.

Eine Veranstaltung von Kulturzentrum bei den Minoriten, Akademie Graz und Urania.

 

FRÜHLINGSVORLESUNG 2010

29./30./31. März 10, jeweils 19.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

 

 


DAS LEBEN IST UNGERECHT

 

Vortrag von
Thomas MACHO

29.März: Grenzen der Gerechtigkeit
30. März: Pascals Moderne
31. März: >et expecto<

Krankheiten, Behinderungen, Lebenszeiten und Todesarten stellen die sozialpolitischen Ideale der Gerechtigkeit in Frage. Was nützen Arbeitszeit- und Steuerausgleichszahlungen, Kindergeld und Renten, Versicherungen und Bausparkredite, wenn manche Menschen schon als Kinder sterben, andere dagegen ein Jahrhundert – womöglich in Glück und Reichtum – erleben dürfen? Wird die mögliche Solidarität der Sterblichen, existentielles Fundament der Demokratie seit der griechischen Antike, nicht durchkreuzt von Differenzen, wie sie Elias Canetti in seinem beklemmend aktuellen Gedankenexperiment über Die Befristeten zur Darstellung brachte? Welche Antworten haben die Religionen und Weisheitslehren der Frage nach dem Widerspruch zwischen Sterblichkeit und Gerechtigkeit erteilt? Und welche Antworten geben wir uns heute?

Eine Veranstaltung der Akademie Graz in Kooperation mit Kulturzentrum bei den Minoriten, DIE PRESSE und Residenzverlag.

 

WISSENSCHAFTSGESPRÄCHE BEI DEN MINORITEN

 

 

 

PUBLIKATIONEN DER WISSENSCHAFTSGSPRÄCHE

Elisabeth Pernkopf/Johannes Rauchenberger (Hg.): Wissenschaften Machenschaften. Gespräche zwischen Forschung und Öffentlichkeit. Königshausen&Neumann: Würzburg 2009

Mit Beiträgen von: Wolfgang Engel - Reinhold Esterbauer - Dirk Evers - Christian Fazekas - Erwin Fiala - Sabine Gruber - Christoph Kratky - Niki Laber - Elisabeth List - Elisabeth Pernkopf - Walter Schaupp - Hans Sünkel

ISBN: 978-3-8260-3987-4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Johannes Rauchenberger / Richard Sturn (Hg.): Schubumkehr! Rückbau als Vision.

Mit Beiträgen von Herbert Beiglböck, Andreas Exner, Erich Kitzmüller, Éva Rásky, Johannes Rauchenberger, Josef Riegler, Lisa Rücker, Stephan Schulmeister, Richard Sturn, Andreas Wabl. Königshausen&Neumann: Würzburg 2010.

 

 

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Wissenschaft auf den Marktplatz kultureller und gesellschaftlicher Öffentlichkeit einzuladen, sie anzufragen und zu hinterfragen hat bei den Minoriten einen guten Boden. Das erfolgreiche Modell der "Wissenschaftsgespräche bei den Minoriten" das seit 2003 in Kooperation mit Lehrenden aus den Grazer Universitäten zu den Themen Mensch, Leben, Zukunft, Überlebensstrategien und Toleranz und Widerstand bestritten wurde, standen im Jahre 2008 unter dem Thema "WISSENSCHAFTEN MACHENSCHAFTEN", 2009 unter dem Titel: "SCHUBUMKEHR. Rückbau als Vision". Publikationen erschienen im Verlag Königshausen&Neumann, die jüngste, "Die Welt auf der Erbse. Über das Unbehagen an der Gegenwart und die Suche nach dem Wesentlichen" ist gerade im Druck.



 

 

 

20. April - 22. Juni 2010, jeweils DI, 19.00-21.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt:
6,-/4,-

Abo:
28,-/18,-

DIE WELT AUF DER ERBSE
Über das Unbehagen in der Gegenwart und die Suche nach dem Wesentlichen


Wissenschaftsgespräche bei den Minoriten 10

Konzept und wissenschaftliche Leitung
AoUniv.Prof. Mag.Dr. Richard Sturn, Institut für Finanzwissenschaften und Öffentl. Wirtschaft/SOWI . Univ.Prof. Dr. Gottfried Dohr, Institut für Zellbiologie,Histologie und Embryologie/Med-Uni .
Univ.Prof. Dr. Elisabeth List, Institut für Philosophie/GEWI . AoUniv.Prof.i.R. Dr. Jörg Schaur, Institut für molekulare Biowissenschaften/NAWI .
PD Dr. Christian FAZEKAS, Universitätsklinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie/Med-Uni . AoUniv.Prof.i.R.DI Dr. Helmut Hönig, Institut für Organische Chemie/TU . DI Dr. Elisabeth Pernkopf, Institut für Philosophie/Theologische Fakultät . MMag. Dr. Johannes Rauchenberger, Kulturzentrum bei den Minoriten

 

Koordination + Information
Mag. Elisabeth Wimmer / Mag. Kathrin Immervoll
, Kulturzentrum bei den Minoriten

0316/711133-29

 

 

Was brauchen wir eigentlich noch, wenn wir alles haben? Die Beiträge er Wissenschaftsgespräche bei den Minoriten 2010 gehen dem Unbehagen in der Gegenwart nach. Unter all den aufgestapelten Matratzen einer weich gebetteten Multioptionsgesellschaft mit ihren Reform- und Perspektivengruppen, ihren Evaluierungstrieben und Öffentlichkeitsspielen spüren wir die Erbse. Dass sie uns drückt, ist nicht mehr von der Hand zu weisen.
Die Autoren der Wissenschaftsgespräche bei den Minoriten 2010 benennen Druckstellen als Philosophen, Journalisten, Mediziner, als Ethiker, Soziologen, Universitätsreformer. Und sie halten Ausschau nach dem, was notwendig wäre für die Suche nach dem Wesentlichen: Brauchen wir nicht viel mehr Mut als Berechnung? Mehr Eigensinn als Ehrgeiz? Mehr Geben als Haben, mehr Zorn als Schweigen? Mehr Spürsinn als Scharfsinn, damit das Unbehagen seine produktive Rolle spielen kann: seismographisch wachsam die Suche nach dem Wesentlichen anzutreiben und in Gang zu halten.

 

Der Band, herausgegeben von Johannes Rauchenberger / Richard Sturn / Gottfried Dohr (Hgg.): "DIE WELT AUF DER ERBSE. Über das Unbehagen in der Gegenwart und die Suche nach dem Wesentlichen" erscheint Anfang 2011 im Verlag Königshausen&Neumann in Würzburg.

Mit Beiträgen von Peter Strasser, Heiner Keupp, Armin Thurnher, Kurt Zatloukal, Walter Schaupp, Sigurd Höllinger, Bernd Hackl u.a.
 

DI, 20. April:
Denker auf der Erbse

Peter Strasser
Moderation: Johannes Rauchenberger

DI, 4. Mai:
Gefährliche Vorräte
Erich Möchel
Quadratur der Menschenrechte
Peter Pilz
Moderation: Daniel Erlacher

DI, 11. Mai:
Auf dem Weg in den politischen Burnout?
Armin Thurnher
Moderation: Ernst Sittinger

DI, 18. Mai:
Vernetzte Biobanken
Kurt Zatloukal
Der durchsichtige Mensch?
Walter Schaupp
Moderation: Gottfried Dohr

DI, 1. Juni:
Und nicht zurück
Sigurd Höllinger
Universitätsreform als kostspielige Farce
Philipp Funovits
Moderation: Richard Sturn

DI, 8. Juni:
Bildung in Zeiten des Ökonomismus
Bernd Hackl
Erziehung zur Verantwortung
Bernd Schilcher
Moderation: Barbara Blaha

DI, 22. Juni:
Mir san mir
Heiner Keupp
Moderation: Annelies Pichler

 

In Kooperation mit:

 

DI 20. April 2010, 19.00-21.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt:
6,-/4,-

Abo:
28,-/18,-

DIE WELT AUF DER ERBSE
Über das Unbehagen in der Gegenwart und die Suche nach dem Wesentlichen

Denker auf der Erbse


Peter Strasser, geboren 1950, ist Professor für Philosophie und Rechtsphilosophie an der Karl-Franzens-Universität Graz und Gastprofessor an der Universität Klagenfurt. Von 2002 bis 2008 gab er zusammen mit Adolf Holl und Thomas Macho die „Bibliothek der Unruhe und des Bewahrens“ heraus. Strasser ist seit 2003 Verfasser der Kolumne „Die vorletzten Dinge“ in der „Presse“. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Fragen der Religionsphilosophie und Ethik. Zuletzt publizierte er „Die einfachen Dinge des Lebens“.

Moderation
Johannes Rauchenberger, Leiter des Kulturzentrums

Empfindsam wie Prinzessinnen? Wenn Intellektuelle und Künstler den Zustand der Welt, der Gesellschaft und der österreichischen Kultur betrachten, gehöre es - so beobachtet Peter Strasser - regelrecht zum guten Ton, davon auszugehen, „dass es so nicht weitergehen kann“. Andernfalls würde man beweisen, dass es einem an der nötigen Fähigkeit zur kritischen Reflexion fehlt. Diese wiederum gründe in einer geradezu prinzessinnenhaften Empfindsamkeit des intellektuellen und künstlerischen Subjekts, wenn es sich auf die schlechten Verhältnisse im schlechten Leben beziehe, das doch unabdingbar das unsere sei. Was vom „Denker auf der Erbse“, dem sich immer mehr Denkerinnen zugesellen, zu halten ist, zeigt Peter Strasser. Und wie notwendig diese sind - für eine „Erbsenkultur“ einer Zeitanalyse...

 

DI 4. Mai 2010, 19.00-21.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt:
6,-/4,-

Abo:
28,-/18,-

DIE WELT AUF DER ERBSE
Über das Unbehagen in der Gegenwart und die Suche nach dem Wesentlichen

Gefährliche Vorräte
Quadratur der Menschenrechte

 

Erich Möchel, geboren 1957, studierte amerikanische, deutsche und englische Literatur. Er ist Redakteur der ORF-Website Futurezone, die sich neben IT-News auch politischen und sozialen Aspekten der Kommunikationstechnologien widmet. Er lehrt am Institut Journalismus & Medienmanagement an der FH Wien. Möchel ist Mitbegründer der Quintessenz, einem Verein zur Wiederherstellung von Bürgerrechten im Informationszeitalter und der Internationalen Big Brother Awards, die für die Beeinträchtigung der Privatsphäre vergeben werden.

Peter Pilz, geboren 1954, studierte Volkswirtschaft und Politikwissenschaft an der Universität Wien, ist freiberuflicher Autor und Sozialwissenschafter, Abgeordneter zum Nationalrat und Sicherheitssprecher der Grünen. Peter Pilz war in seiner langjährigen politische Tätigkeit Mitglied des Landesverteidigungsrates im Nationalrat, Abgeordneter zum Wiener Landtag und Mitglied des Wiener Gemeinderates, Obmann des Grünen Landtags- und Gemeinderatsklubs Wien und von 1992 – 1994 Bundessprecher der Grünen.

Moderation
Daniel Erlacher, Gründer und Mitinitiator
des Elevate Festivals


 

Steht Sicherheit längst vor Freiheit? Die anlasslose Speicherung von Verkehrs- und Geodaten aus Telefonie und Internet stellen den Schutz der Privatsphäre längst in Frage. Was vorher verboten war, wird in der neuen EU-Richtlinie sogar zur Pflicht. Erich Möchel diagnostiziert in der Vorratsdatenspeicherung große Probleme: Terroristen und Großkriminelle könnten damit nicht gefasst, wohl aber Tauschbörsenbenutzer effizient gejagt werden. Dass die Normen für die technische Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung von (Militär)-Geheimdienstmitarbeitern aus den USA und Großbritannien erstellt werden, trägt zusätzlich zur Skepsis Möchels bei.
Vor dem Hintergrund seiner politischen Tätigkeit wird
Peter Pilz die EU-Richtlinien zur Vorratsdatenspeicherung und ihr Konfliktpotential beleuchten. Er konstatiert dabei weitere Zubauten im Überwachungsstaat, die sich als sinnlos erwiesen hätten.

 

 

DI 11. Mai 2010, 19.00-21.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt:
6,-/4,-

Abo:
28,-/18,-

DIE WELT AUF DER ERBSE
Über das Unbehagen in der Gegenwart und die Suche nach dem Wesentlichen

Auf dem Weg in den
politischen Burnout?

 

Armin Thurnher geb. 1949, Studium der Anglistik, Germanistik und Theaterwissenschaften in New York und Wien. Er war 1977 Mitbegründer und ist bis heute Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung "Falter“ und Miteigentümer des Falter-Verlags. Armin Thurnher erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den Kurt-Vorhofer-Preis und den Dr.-Karl-Renner-Preis für Publizistik. Zu seinen jüngsten politischen Büchern zählen „Das Trauma, ein Leben. Österreichische Einzelheiten“ und  „Heimniederlage. Nachrichten aus dem neuen Österreich“ sowie „Die Wege entstehen im Gehen. Alfred Gusenbauer im Gespräch mit Katharina Krawagna und Armin Thurnher“. 2009 erschien sein erster Roman „Der Übergänger“. Armin Thurnher lehrt Journalismus an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und an der Fachhochschule Wien.

Moderation
Ernst Sittinger, Redakteur der Kleinen Zeitung

Als politischen Burnout bezeichnet Armin Thurnher einen Endzustand der Erschöpfung, das Ende einer Brennstufe, die leer und ausgebrannt abgeworfen wird. Er fragt, ob es korrekt sei, diesen Begriff auf unsere politischen und gesellschaftliche Zustände anzuwenden. Die politische Klasse habe auf alle Ziele verzichtet außer auf jenes des Machterhalts. Die Medien nutzen ihre neue Rolle als Mit-Machthaber nur dazu, Politik im eigenen Interesse zu machen. Einst integrative Institutionen wie Kirche und Gewerkschaft seien diskreditiert. Unsere Gesellschaft scheint nur noch durch ihre trennenden Elemente, durch ihre zentripetalen Kräfte zusammengehalten zu werden.

 

DI 18. Mai 2010, 19.00-21.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt:
6,-/4,-

Abo:
28,-/18,-

DIE WELT AUF DER ERBSE
Über das Unbehagen in der Gegenwart und die Suche nach dem Wesentlichen

Vernetzte Biobanken
Der durchsichtige Mensch?

Kurt Zatloukal geb. 1959, ist Professor für Pathologie an der Medizinischen Universität Graz. Seine Forschungsgebiete sind die molekulare Pathologie von Stoffwechselerkrankungen der Leber und Krebserkrankungen. Er koordiniert im Rahmen des österreichischen Genomprogrammes GEN-AU den Aufbau von Biobanken für die medizinische Forschung und ist Leiter der Planungsphase der gesamteuropäischen Forschungsinfrastruktur für Biobanken und biomolekulare Ressourcen. Kurt Zatloukal war u.a. Mitglied der OECD task force für biologische Ressourcenzentren und als Mitglied der Bioethikkommission am Bundeskanzleramt an der Verfassung des Berichts über Biobanken in der medizinischen Forschung beteiligt.

Walter Schaupp
geb. 1954, ist Mediziner und Theologe und seit 2003 Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz. Walter Schaupp arbeitet schwerpunktmäßig zu medizinethischen und bioethischen Fragestellungen und war an  der Entwicklung des Ethik-Curriculums an der Medizin Universität Graz beteiligt. Er ist Mitglied der Ethikkommission sowie des Ethikkomitees am LKH/Univ.-Klinikum Graz und Vertreter Österreichs im Ethics Committee von Eurotransplant (ETEC) in Leiden (NL).

Moderation
Gottfried Dohr, Universitätsprofessor für Zellbiologie, Histologie und Embryologie, Medizinische
Universität Graz

 

Seit Jahrhunderten war die Analyse von menschlichen Blut- oder Gewebeproben sowie Daten über Krankheitsverläufe die Basis des medizinischen Fortschrittes. Solche Proben und assoziierte medizinische Daten systematisch zu sammeln zeichnet die Biobanken aus. Für Kurt Zatloukal besitzt dies eine hohe Priorität in der europäischen Forschung. Er koordiniert den Aufbau einer europaweiten Forschungsinfrastruktur für Biobanken und biomolekulare Ressourcen. Er setzt sich dafür ein, dass nicht nur technische Aspekte, sondern auch ethische, rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen Berücksichtigung finden. Ist die Sammlung biologischer Materialien und die Vernetzung der aus ihnen gewonnenen Daten bedenkenlos zu sehen? Walter Schaupp beschreibt, wie in einem ethical work-up gegenwärtig versucht wird, die Regelung der Gewinnung und der Anonymisierung der Daten sowie des Zugriffs und schließlich den Schutz der Privatsphäre zu bedenken. Wie weit wird der Mensch selbst in seinen „Daten“ durchsichtig, manipulierbar und diskriminierbar? Das Wesentliche des Lebens und des Menschen entzieht sich für Schaupp jedoch gerade in der Genforschung immer wieder: Was macht den Menschen im Innersten aus?

 


MI 26. Mai 2010, 19.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt frei

GIPFELKREUZ UND MINARETT
Wie sichtbar darf Religion sein?

Diskussion:
Wolfgang BENEDEK, Universität Graz, Menschenrechtsbeirat der Stadt Graz
Rainer-Maria BUCHER, Universität Graz
Karl KASER, Universität Graz
Philippe M. LORRE, Zentralrat der Konfessionsfreien
Mahdi MEKIć, Muslimische Gemeinschaft
Peter STRASSER, Universität Graz

Kreuze in Klassenzimmern und Gerichten, Rufe des Muezzin, Plakate, welche die Nicht-Existenz Gottes postulieren ... „Religion“ sucht die Öffentlichkeit, gleichzeitig wird versucht, religiöse Zeichen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen oder sie gar nicht erst zuzulassen .... das Minarettreferendum in der Schweiz und das Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshof zum Thema Kreuze in italienischen Klassenzimmern werfen Fragen der europäischen Identität auf, die in dieser Veranstaltung auch im Hinblick auf Österreich diskutiert werden sollen.

In Kooperation mit der Katholisch-Theologischen Fakultät und dem ETC Graz.
Informationen: Barbara Schmiedl barbara.schmiedl@etc-graz.at

 

 

DI 01. Juni 2010, 19.00-21.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt:
6,-/4,-

Abo:
28,-/18,-

DIE WELT AUF DER ERBSE
Über das Unbehagen in der Gegenwart und die Suche nach dem Wesentlichen

Und nicht zurück
Universitätsreform als kostspielige Farce

 

Sigurd Höllinger, geboren 1940, war als habilitierter Soziologe langjähriger Leiter der Hochschulsektion im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Wien und maßgeblich verantwortlich für die tief greifenden Universitätsreformen der letzten Zeit. Heute ist er Berater für Universitätsfragen im Kosovo und in Äthiopien sowie Universitätsdozent für Soziologie. Sigurd Höllinger hat zahlreiche bildungs- und wissenschaftspolitische Beiträge veröffentlicht.

Philipp Funovits, geboren 1978, studierte Mathematik an der Universität Graz. Von 2001 bis 2007 war er freier Mitarbeiter am Forschungsmanagement und -service sowie an der Abteilung für Leistungs- und Qualitätsmanagement an der Universität Graz. Funjovits war von 2003 bis 2005 Vorsitzender der ÖH Universität Graz; von 2000 bis 2006 Mitglied des Senates der Universität Graz und von 2005 bis 2009 Mandatar der Bundesvertretung der Studierenden. Seit 2008 ist er Klubdirektorin-Stellvertreter im KPÖ-Landtagsklub.

Moderation
Richard Sturn, Universitätsprofessor für Finanzwissenschaften und Öffentliche Wirtschaft,
 Karl Franzens Uni Graz

Was ist los mit den Universitäten? Sigurd Höllinger, der Architekt der letzten Universitätsreformen, sieht die Steigerung der Leistungen und der Wirtschaftlichkeit der Universitäten als notwendig an. Diese sei eine wichtige Grundlage für bessere Leistungen in Forschung und Lehre. Das durch die Autonomie neu geschaffene partnerschaftliche Verhältnis von Staat und Universität sieht Höllinger erst am Anfang. Es berge Entwicklungspotential - auf beiden Seiten. Die oft kritisierte Bürokratisierung ist für ihn nicht in der Bologna-Erklärung grundgelegt.  Philipp Funovits vergleicht hingegen das österreichische Universitätssystem mit einem Labor, in dem durch die Umsetzung des Universitätsgesetzes 2002 Dogmen und Methoden des New Public Management einem Praxistest unterzogen wurden. Dieser fällt für ihn im Blick auf zentrale Instrumente und Mechanismen der Reform keineswegs positiv aus. Die Reform verlange den Einsatz enormer finanzieller Mittel, die in der universitären Forschung und Lehre fehlten und keine angemessene Qualitätsverbesserung gebracht hätten. Philipp Funovits beobachtet, dass Universitätsverantwortliche sich mit diesen Tatsachen arrangiert haben oder gar lernen, von diesem Umstand zu profitieren.

 

DI 8. Juni 2010, 19.00-21.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt:
6,-/4,-

 

DIE WELT AUF DER ERBSE
Über das Unbehagen in der Gegenwart und die Suche nach dem Wesentlichen

Bildung in Zeiten des Ökonomismus
Erziehung zur Verantwortung

 

Bernd Hackl, geboren 1955. Nach dem Studium der Bildnerischen Erziehung und Werkerziehung sowie der Pädagogik habilitierte sich Hackl für das Fach Pädagogik mit besonderer Berücksichtigung der Schulpädagogik und der qualitativ-empirischen Forschungsmethodik. Er leitete von 2000-2003 das Institut für die Schulpraktische Ausbildung der Universität Wien, seit 2003 ist Hackl Professor für Schulpädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Graz, seit 2007 Leiter des Instituts für Schulpädagogik der Universität Graz.

Bernd Schilcher, geboren 1940, studierte Medizin und Rechtswissenschaften an der Universität Graz. Bernd Schilcher war Mitarbeiter am Salzburger Programm der ÖVP und am Modell Steiermark und ist seit 1976 in zahlreichen Vertretungs- und Aufsichtsratsfunktionen und tätig. Von 1989 – 1996 war Schilcher Amtsführender Präsident des Landesschulrates für Steiermark und von 2007 – 2009 Vorsitzender der Expertenkommission von Frau BM Claudia Schmied.

Moderation
Barbara BLAHA, ehe. ÖH-Vorsitzende, politische Leiterin des Kongresses Momentum in Hallstatt, Mitarbeiterin im Czernin-Verlag

Was soll Bildung leisten, was kann Bildung schenken? Bernd Hackl sieht einen unversöhnlichen Konflikt mit jedweder Herrschaft programmiert, wenn durch Besinnung, Reflexion und Verantwortung der „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ vollzogen wird. Heute sieht Hackl Bildung nicht im pharisäerhaften Konsens gegenüber historischer Verblendung und überlebten Dogmen gefordert, sondern in der Auseinandersetzung mit gegenwärtigem Elend, vor allem mit der manischen Zerstörung der natürlichen, kulturellen und moralischen Lebensgrundlagen im Zeichen des Ökonomismus. Bernd Schilcher sieht es als die wichtigste Aufgabe von Erziehung und Unterricht an, die je eigene Begabung der Kinder zu fördern. Junge Menschen sollen lernen, miteinander in sozialer und kultureller Vielfalt zu leben und für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Darauf müsse ein individueller und ganzheitlicher Unterricht vom Kindergarten bis zur Neuen Mittelschule zielen. Für Schilcher wäre dies mit der geplanten Einführung der Ganztagsschule zu kombinieren. Hier sieht er einen Kompromiss der Parteien bereits in greifbare Nähe gerückt.

 

DI 22. Juni 2010, 19.00-21.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt:
6,-/4,-

 

DIE WELT AUF DER ERBSE
Über das Unbehagen in der Gegenwart und die Suche nach dem Wesentlichen

Heiner Keupp: "Mir san mir": Wie gehen wir mit dem Fremden um?

 

Heiner Keupp, geboren 1943, studierte Psychologie und Soziologie und war bis 2008 Professor für Sozial- und Gemeindepsychologie an der Universität München. Er ist Vorsitzender der Kommission für den Kinder- und Jugendbericht der deutschen Bundesregierung. Seine Arbeitsinteressen beziehen sich u.a. auf individuelle und kollektive Identitäten in der Reflexiven Moderne sowie Bürgerschaftliches Engagement. Sein Buch Identitätskonstruktionen - Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne erschien 2006 in 3. Auflage. 2010 publizierte er Armut und Exklusion. Gemeindepsychologische Analysen und Gegenstrategien und arbeitet derzeit zum Thema Thema Bürgerschaftliches Engagement in der reflexiven Moderne.

Wie gehen wir mit dem Fremden um? Selbst Vertrautes, scheinbar Gesichertes, scheinbar Stabiles verändert sich. Heiner Keupp beschreibt, wie Identitäten in Bewegung geraten, wo Flexibilität und Mobilität auf der allseits präsenten Tagesordnung stehen. Er diagnostiziert die Gegenwart in einer heißen Phase gesellschaftlicher Veränderung. Die Passform bislang tauglicher Schnittmuster oder Erzählvorlagen sieht Keupp schwinden. Wie viel Identitätsbewegung aber vertragen wir? Wie viele feste Bezugspunkte sind vonnöten? Sollen vertraute Heimatbezüge gegen die Folgen der Globalisierung nicht auch verteidigt werden? Aber: Bedeutet das, Mauern gegen Menschen aufzurichten, die aus anderen Kulturen zu uns kommen? Heiner Keupp sucht nach Perspektiven gelingender Identitätsfindung angesichts der Mobilität und Migration in der Gegenwart.

 

Programmpunkte:

9. November:

Allein erziehen Mutterschaft im Solo-Management

Birgit Posch, Leiterin des Projektes Alleinerziehende, Graz
Andrea Kraxner, Alleinerziehende Mutter
Ausstellungsführung: Roman Grabner

 

17. November

Not- und Entscheidungssituationen ungewollte Schwangerschaft

Carina KERSCHBAUMER (Kleine Zeitung) im Gespräch mit Maria GÖSSLER, der Leiterin der Schwangerenberatung der Caritas in der Ausstellung „Mutter“
 

21. November

Sind Kinder, Kunst und Karriere vereinbar?

Die Berliner Kuratorin Signe THEILL im Gespräch mit den Kuratoren Johannes RAUCHENBERGER und Roman GRABNER

Kommentare: Barbara Eichhorn, Judith Zillich, Daphna Weinstein (ausstellende Künstlerinnen von "Mutter", Margarethe Makovec (Kuratorin von <rotor>)

 

6. Dezember

Barbara Vinken: MÜTTER UND HUREN

 

10. Dezember

Elfriede Wiltschnigg: „Ich sehe dich in tausend Bildern …“

Transformationen traditioneller Motive der Mariendarstellung im 19. Jahrhundert
Kunsthistorischer Vortrag

 

 

Das Kulturzentrum bei den Minoriten widmet sich in seinem Schwerpunkt im Herbst 2010 dem Thema MUTTER in Kunst und Literatur. Einflüsse und Transformationen des Madonnenmotivs auf zeitgenössische Darstellungen von Mutter und Kind, existenzielle Grenzsituationen des Mutterseins zwischen Glück, Intimität und Prekariat, sowie neue Aspekte von veränderten und fehlenden Mutterbildern heute werden parallel zu einer mit 25 heimischen und internationalen Künstlerinnen ausgerichteten Ausstellung in einem Begleit-, Gesprächs- und  Diskursprogramm befragt.
 

Mutter, fundamental für das eigene Leben wie für den Aufbau einer Gesellschaft, ist keineswegs eine stereotype oder verlässliche Ressource. Dazu wurde und wird sie bis heute immer wieder zu sehr missbraucht, in Ideologien aber auch in Religionen. Nicht zuletzt deshalb war das Thema für lange Zeit mit einem Tabu belegt.
Wiewohl in jeder Gesellschaft Leitbilder des Mütterlichen zirkulieren, muss sich die Mutterrolle, ausgespannt zwischen Lebensüberschuss und Überforderung, Glück und Last, aber auch immer wieder neu erfinden. An diesem Reservoir der Bilder und an den neuen Herausforderungen arbeitet auch die Kunst beständig weiter, unzeitgemäß erschien sie lange auch im Kontext Kunst, was sich in den letzten Jahren durchaus geändert hat. Leistungsfeindlich bleibt sie in gewisser Hinsicht, so lange nicht neue Bilder entgegengestellt werden. Aber auch im langen Schatten der Verzweckung stellen sich die Auseinandersetzungen neu, denn die Populationsängste der europäischen Ethnien gehen an diesem Thema nicht spurlos vorüber: Uns gehen die (eigenen?) Kinder aus. Debatten um Geschlecht und Gender, Human Design, aber auch noch immer nicht ad acta gelegte Ideologiekonflikte und Rollendiffusionen sind weitere Begleiterinnen der „neuen Mütter“, aus denen dann auch das alltägliche politische Kleingeld gedruckt wird. Bewusst war der Fokus der Bildersuche für diese Ausstellung auch immer wieder abgelenkt von einem Motiv, das in der Kunst ziemlich lange inspirierend war: jenem der Madonna mit dem Kind. Kann – und wenn wie – seine Schönheit gerettet werden, ohne vor Kitsch zu triefen? Durch welche Spiegel ist es in der aktuellen Kunst gebrochen, wie wird es gebraucht und mit welchen Geistern auch neu belebt?
 

 

 

AUSSTELLUNG - SLAM - THEORIE - DISKUSSIONEN 13. OKTOBER bis 12. DEZEMBER 2010

 

Parallel zur Ausstellung erschien das Themenheft 3/2010 von „Kunst und Kirche“ (Springer Verlag Wien 2010, Gestaltung: Johannes Rauchenberger, Graz/Thomas Erne, Marburg/Lahn) erschienen:
Mit Beiträgen von den beiden Heftgestaltern, der New Yorker Kuratorin und langjährigen Leiterin der Abteilung zeitgenössischer Kunst des Brooklyn Museums, Charlotta Kotik (über: Von ‚Motherhood‘ zu ‚Mother Hood‘. Zu einer Transformation eines Bildmotivs), der Kunsthistorikerin Johanna Schwanberg (über Mutterbilder in der Kunstgeschichte), des Grazer Kurators Roman Grabner mit einem Gesprächsporträt der Künstlerin Julia Krahn, der Züricher Psychoanalytikerin Brigitte Boothe (über Bilder der Madonna mit dem Kind aus Sicht der Psychoanalyse), der Münchener Romanistin Barbara Vinken (über „Mütter und Huren“), der Grazer Kunsthistorikerin Elfriede Wiltschnigg (über die „Transformationen des Madonnamotivs im 19. Jahrhundert“), des St. Gallener Philosophen Dieter Thomae (über: neue Vaterbilder), sowie mit Interviews von J. Rauchenberger mit der Berliner Kuratorin
Signe Theill (über deren erfolgreiche Ausstellung: doublebind. kinder.kunst.karriere) und der Künstlerin Judith Zillich setzt es Schwerpunkte im Schnittfeld von Kunstgeschichte, Gegenwartskunst, Psychotherapie, Philosophie und Literatur. Es ist im Kulturzentrum bei den Minoriten office@kultum.at oder unter journals@springer.at erhältlich (72 Seiten, 13 Euro).
 

 

 

Dienstag, 9. November 2010 / 17.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt: Für Mütter mit Kindern ist dieser Ausstellungs-rundgang frei.

BEGLEITPROGRAMM zu:
mutter. Neue Bilder in zeitgenössischer Kunst

Allein erziehen Mutterschaft im Solo-Management

Birgit Posch, Leiterin des Projektes Alleinerziehende, Graz
Andrea Kraxner, Alleinerziehende Mutter
Ausstellungsführung: Roman Grabner
 

Zeitgenössische KünstlerInnen thematisieren in der Ausstellung MUTTER mit sozialkritischem Blick auch die Rahmenbedingungen von Mutterschaft heute: ihre tradierten, aber vielmehr die neu zu bewältigenden Rollen, besonders in prekären Lebenssituationen. Was für Eltern in unserer Gesellschaft eine nicht geringe Herausforderung darstellt, kann für Alleinerziehende zur Zerreißprobe werden: Unsere Zeit gibt in vielen Bereichen ein Tempo vor, das weder den Bedürfnissen, den Entwicklungswegen und der Eigenart von Kindern entspricht noch dem Kraft-Haushalt der meisten Mütter und Väter angemessen ist. Wie kommen Alleinerziehende damit zurecht? Ein Ausstellungsgespräch vor Bildern der Ausstellung mit einem ganz spezifischen Erfahrungskontext.

 

 

Mittwoch, 17. November 2010, 19.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt frei

 

BEGLEITPROGRAMM zu:
mutter. Neue Bilder in zeitgenössischer Kunst

Not- und Entscheidungssituationen ungewollte Schwangerschaft

Dr. Johannes Rauchenberger im Gespräch mit Maria GÖSSLER, der Leiterin der Schwangerenberatung der Caritas in der Ausstellung „Mutter“
 

Die schwedische Künstlerin Ann-Sofie Sidén hat in unserer Ausstellung den emotionalsten Beitrag arrangiert, in dem eine Mutter gezeigt wird, die ihr Kind in einer Babyklappe abgibt. Man sieht sie vorher, nachher. Man sieht, wie das Kind im Spital übernommen wird. Man ist in der Videoinstallation mitten im Geschehen: unmittelbar vor und hinter der Tür mit der Aufschrift: „Nur im Notfall öffnen.“ Auch in Graz gibt es die Babyklappe. Und die Möglichkeit zur anonymen Geburt. Die das maßgeblich ermöglicht hat war die Leiterin der Schwangerenberatung der Caritas, Maria Gößler. Im Gespräch stellt sie die Schwangerenberatung in der Leonhardstraße vor und erzählt von den Grenzsituationen, mit der sie in den Gesprächen mit Frauen konfrontiert ist, die ungewollt schwanger geworden sind, von der Entwicklung von Perspektiven, um den nächsten Schritt zu setzen und den Möglichkeiten, in dieser äußersten Grenzsituation Entscheidungen treffen zu können. Die Abgründe, die Mütter (und Väter) dabei erleben gehören zu den letzten wirklichen Tabuthemen unserer Gesellschaft.

 

 

Sonntag, 21. November, 17 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.


 

BEGLEITPROGRAMM zu:
mutter. Neue Bilder in zeitgenössischer Kunst

Sind Kinder, Kunst und Karriere vereinbar?

Die Berliner Kuratorin Signe THEILL im Gespräch mit den Kuratoren Johannes RAUCHENBERGER und Roman GRABNER

Kommentare: Barbara Eichhorn, Judith Zillich, Daphna Weinstein (ausstellende Künstlerinnen von "Mutter", Margarethe Makovec (Kuratorin von <rotor>)

 

Signe Theill,
1980–87 Studium der freien Kunst an der HfbK Hamburg, nahm als junge Künstlerin 1982 an der documenta VII teil. Sie ist Mutter zweier Kinder. 2003 kuratierte sie „double-bind. kinder-kunst-karriere“ in Berlin (www.doublebind.de), eine vielfach rezipierte Ausstellung zum Mutterthema in der zeitgenössischen Kunst. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin.
 

Wie steht es in der Kunst mit dem Thema Mutter? Die Surrealisten schlossen Kinder dezidiert aus. Für sie war das Weitergeben der Schlechtigkeit der conditio humaine kein Thema. Gut, das waren Männer mit einem ganz speziellen Blick auf die Welt. Dann kamen die Nazis – und sie ideologisierten schamlos „die deutsche Mutter“. Kein Wunder, dass daraufhin das Thema für lange Zeit sich aus dem Spiel genommen hat. Die feministischen Debatten der 60-er und frühen 70-er Jahre haben das Thema sehr wohl behandelt – Valie Export und Ulrike Rosenbach sind auch in unserer Ausstellung ein Beispiel. Doch zu Beginn der 70-er ist es wieder verschwunden, festzumachen am Konflikt zwischen Helke Sander und Alice Schwarzer. Bis die Berliner Kuratorin Signe Theill mit einer vielfach rezipierten Ausstellung das Thema neu aufrollte – und die Ambivalenz der Kunstszene mit der Vereinbarkeit von Mutterrolle und Künstlerinnenrolle aufzeigte. Wie und was sich seit dieser Ausstellung geändert hat, ob es „vorbei ist mit der Karriere als Künstlerin, wenn Sie ein Kind bekommen“ (vielfach geäußertes Zitat), diskutieren mit Signe Theill Künstlerinnen von "Mutter".

 

 

Mittwoch, 1. Dezember, 19.00 Uhr
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I

Eintritt: € 5,-/3,-

„Die Kunst geht knapp nicht unter“:

Klaus Dermutz über Anselm Kiefer

 

Für die Unterstützung danken wir: Dr. Renate Metlar (Büro für AuslandssteirerInnen der steiermärkischen Landesregierung)

 

Klaus Dermutz,
wurde 1960 in Judenburg geboren und studierte Theologie, Philosophie und Soziologie. Seit 2001 ist er gemeinsam mit dem Burgtheater-Direktor Klaus Bachler Herausgeber der Buchreihe „Edition Burgtheater“. 1988 2007 Lehrbeauftragter an der theologischen Fakultät der Universität Graz sowie 2007 am theaterwissenschaftlichen Institut der Universität Mainz. Von 2002-2008 Exposés und Fachberatung für die Sendereihe „Theaterlandschaften“ (3sat). Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a. über die Theaterarbeit von Otto Sander (2002), Andrea Breth (2004), Ignaz Kirchner, Martin Schwab (2007), Klaus Michael Grüber (2008), „Next Generation“ (2009), Jutta Lampe (2010). 2010 Publikation des Gesprächsbandes mit Anselm Kiefer unter dem Titel „Die Kunst geht knapp nicht unter“ (Suhrkamp Verlag). Klaus Dermutz lebt in Berlin.
 
 

Der in Berlin lebende Autor Klaus Dermutz stellt seinen soeben im Suhrkamp-Verlag herausgegebenen Gesprächsband über Anselm Kiefer bei den Minoriten vor. Über viele Tage und Wochen hat Dermutz Anselm Kiefer in seinem Atelier in der Nähe von Paris begleitet. Die Gespräche entwickeln sich an den philosophischen und theologischen Bannkreisen einer Kunst, die von der Mystik und Kosmogonie Isaak Lurias sowie von den Gedichten Ingeborg Bachmanns und Paul Celans inspiriert ist. Sie kreisen um die Elemente Feuer, Wasser, Erde Luft, um Erzählungen aus dem Alten und Neuen Testament sowie um die Leere, die im buddhistischen Denken eine zentrale Rolle spielt. Der Band erörtert Fragen der deutschen Geschichte, ihrer Mythologien und Ideologien, und thematisiert Kiefers intensive Beschäftigung mit der Shoah.
Klaus Dermutz wird diese Gesprächssituationen in einem etwa 20-minütigen Vortrag vorstellen. Anschließend werden Ausschnitte aus „Ödipus in Kolonos“ (Burgtheater, 2003), zu dessen Inszenierung von Klaus Michael Grüber Anselm Kiefer die Bühne und die Kostüme geschaffen hat, von Dermutz kommentiert.

 

 

 

Montag, 6. Dezember
19.00 Uhr Lesung.
Von 17.30 – 18.30 Uhr wird eine Sonderführung durch die Ausstellung mit der Autorin stattfinden.

ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

Eintritt (incl. Ausstellung): 5 Euro

 

BEGLEITPROGRAMM zu:
mutter. Neue Bilder in zeitgenössischer Kunst

Barbara Vinken: MÜTTER UND HUREN


 

Barbara Vinken,
Prof. Dr. habil, Ph. D., ist Professorin für Allgemeine Literaturwissenschaft und Romanische Philologie an der Universität München. Sie habilitierte sich 1996 in Jena und folgte im Wechsel mit Gastprofessuren an der New York University, der EHESS Paris und der Humboldt-Universität in Berlin Rufen auf die romanistischen Lehrstühle in Hamburg und Zürich. Im Frühjahr 2007 lehrte sie an der Johns Hopkins University, 2010 war sie Forschungsprofessorin an der Freien Universität Berlin. Sie publizierte zahlreiche Bücher, in: „Die deutsche Mutter – Der lange Schatten eines Mythos“ setzte sie sich eingehend mit dem Mutter-Thema auseinander.
 

Welche Mutterbilder wurzeln in welchen kulturellen Mustern? Wo wurden diese geformt, geprägt und wie wurden diese umgewandelt? Wie wurden „neue Mütter“ propagiert? Die Münchener Romanistin Univ. Prof. Dr. Barbara Vinken, eine der versiertesten kulturgeschichtlichen Kennerin des Muttermotivs in der europäischen Kunst- und Literaturgeschichte ("Die deutsche Mutter. Der lange Schatten eines Mythos", Piper-Verlag 2001) sieht in der „geistlichen Mutterschaft“ den spezifischen kulturellen Beitrag der christlichen Mentalitätsgeschichte zum Mutterthema. Das Paradigma des Christentums lautet: Geistliche Liebesbande statt natürliche Blutsbande. Vinken treibt dieses Paradigma am Roman „La vie devant soi“ von Romain Gary auf die Spitze: Die Beziehung von natürlicher und geistlicher Mütterlichkeit, die das abendländische Denken über die Liebe geformt hat, wird dabei in berührender und extremer Weise weiter geschrieben, sodass offensichtliche Gegensätze ineinander fallen können: Wie ausgerechnet das Motiv der Hure dem christlichen Impuls geistlicher Mutterschaft entsprechen kann.

 

 

Freitag, 10. Dezember / 19:00 Uhr, bereits ab 18.00 Uhr kann die Ausstellung besichtigt werden.
ImCubus, Mariahilferplatz 3/I

ImCubus, Mariahilferplatz 3/I.

EINTRITT (inkl. Ausstellung): € 5,00 / 3,00

 

BEGLEITPROGRAMM zu:
mutter. Neue Bilder in zeitgenössischer Kunst

Elfriede Wiltschnigg: „Ich sehe dich in tausend Bildern …“

Transformationen traditioneller Motive der Mariendarstellung im 19. Jahrhundert
Kunsthistorischer Vortrag

 

Elfriede Wiltschnigg,
Mag. et Dr. phil. Studium der Architektur und Kunstgeschichte in Graz. Mitarbeiterin im Spezialforschungsbereich Moderne, Wien und Zentraleuropa um 1900 an der Karl-Franzens-Universität Graz. Lehrtätigkeit an der Technischen Universität Graz, an der Karl-Franzens-Universität Graz, an der Károli-Gáspár-Universität in Budapest sowie im Bereich der Gender Studies und der Erwachsenenbildung. Vortragsund Publikationstätigkeit im In- und Ausland.

Ein wichtiger Aspekt der Ausstellung „Mutter“ bildet die Auseinandersetzung mit der Ikonografie der Madonna mit dem Kind. Wann hat dieser künstlerische Verwandlungs- und Transformationsprozess eines religiösen Bildmotivs eigentlich begonnen? Welche Gründe sind dabei auszumachen? Die Grazer Kunstwissenschaftlerin Elfriede Wiltschnigg zeigt am 19. Jahrhundert auf, dass der Bruch mit der traditionellen Darstellung weiblicher Bibelfiguren nicht zuletzt Resultat der Veränderungen ist, denen Mensch, Gesellschaft und Staat im 19. Jahrhundert unterworfen sind. Wiltschnigg folgt anhand von prägnanten Beispielen den Transformationen in der Madonna-Darstellung dieser Zeit und hinterfragt sowohl motivische als auch inhaltliche Aspekte hinsichtlich ihrer Bedeutung für das Frauenbild in Literatur, Philosophie und Religion.

 

 

Bildausschnitt aus: Ford Madox Brown, ‚Take your Son, Sir’, 1851-92, unvollendet, Öl auf Leinwand, 70,5 x 38,1 cm, London, Tate Gallery