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>> zur begleitenden Ausstellung

 

Wissenschaft auf den Marktplatz kultureller und gesellschaftlicher Öffentlichkeit einzuladen, sie anzufragen und zu hinterfragen hat bei den Minoriten einen guten Boden. Das erfolgreiche Modell der „Science-Werkstatt“, die seit 2003 in Kooperation mit Lehrenden aus den Grazer Universitäten zu den Themen Mensch, Leben, Zukunft, Überlebensstrategien bestritten wurde, wird im Jahre 2007 zu einem neuen Format erweitert. Thema ist diesmal - auf dem Hintergrund kultureller und religiöser Debatten der letzten Monate - "TOLERANZ UND WIDERSTAND".

Begleitet werden die Wissenschaftsgespräche 07 von der Ausstellung "ANATOMIEN DES ALLTAGS" von Barbara E. Geyer und Susanne Windelen.

Eintritt: EUR 5,-/3,- oder: BRING YOUR OWN

In Kooperation mit der der Karl Franzens-Universität Graz, der Medizinischen Universität Graz und dem Forum GWK

Unterstützt von der Abteilung Wissenschaft und Forschung der Stmk. Landesregierung

 

Die Möglichkeit, in einem kleinen Kreis mit kompetenten Fachleuten diskutieren zu können, wird ab nun mit einem sympathischen numerus clausus versehen: dem „Bring-Your-Own“-Key. Nur wer etwas Eigenes mitnimmt, eine Flasche Wein, Gebäck, Käse oder Oliven beispielsweise, dem öffnet sich ohne Eintrittsgeld das Tor. Das ist das Materielle, das für eine einladende Veranstaltung notwendig ist und das man nicht via TV, nicht einmal via Ö1 haben kann.
Das andere ist, die eigene Frage als Anfrage an die Wissenschaft mitzubringen, die Damen und Herren der Hohen Schulen also zu konfrontieren mit der Lebensrelevanz des Wissens.
Unter die Leitbegriffe „TOLERANZ&WIDERSTAND“ stellen wir die Themenbereiche der Abende aus Recht und Politik, Religion, Sozialwissenschaft, Ökonomie und Medizin.
Die Einsamkeit der Wissenschaft und die Einsamkeit des Lebens können sich in dieser Reihe durchaus kreativ kreuzen.
 

DIENSTAG, 17. APRIL 2007 19-21 Uhr

Minoriten Galerien II. Stock

RECHT UND POLITIK

Terezija Stoisits, Nationalratsabgeordnete

 

Wolfgang Benedek, Inst. f. Völkerrecht und Internationale Beziehungen

Wieviel Toleranz gegenüber Intoleranz?
Reaktionen auf Fundamentalismen
Der Kampf gegen den Terrorismus in demokratischen Gesellschaften wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie viel Toleranz darf ein demokratisches System intoleranten Ideologien gegenüber zeigen bzw. mit welcher Legitimation, unter welchen Bedingungen und mit welchen Mitteln, etwa der Einschränkung von Grundrechten, darf es gegen terroristische Bedrohungen vorgehen ohne sich selbst in Frage zu stellen? Auf welche Weise kann eine unverhältnismäßige Einschränkung von Freiheit zugunsten der Sicherheit vermieden werden?

 

 
 

DIENSTAG, 24. APRIL 2007 19-21 Uhr

Minoriten Galerien II. Stock

RELIGION

Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Gibt es eine theologische Begründung für die aggressive Gewalt im Islam?
„Folgende  zwei markante Textstellen des Korans erklären uns die grundsätzliche Einstellung des Islam zu den Begriffen „Widerstand“ und „Toleranz“ auf eine eindrucksvolle Weise:
„Jedoch trifft kein Tadel jene, die sich verteidigen, nachdem Ihnen Unrecht widerfuhr. Tadel trifft nur solche, die den Menschen Unrecht zufügen und auf Erden freveln ohne Rechtfertigung.“ (Q 42/ 42-43)
„Und wer ist besser in der Rede als einer, der zu Gott ruft und Gutes tut und spricht: ‚Ich bin einer der Gottergebenen’? Gut und Böse sind nicht gleich. Wehre das Böse mit dem ab, was das Beste ist. Und siehe, der, zwischen dem und dir Feindschaft war, wird wie ein warmer Freund werden.“ (Q 41/ 34-35)

 

Ulrike Bechmann, Institut für Religionswissenschaft an der KF-Universität Graz

Abgrenzung und Widerstand

Zur Identitätsbildung toleranzfähiger Religionen 

Toleranz und Widerstand markieren nicht nur in Religionen, sondern in vielen Lebensbereichen Grenzen, die mit dem jeweiligen Verständnis von eigener Identität zusammenhängen. Wo Widerstand beginnen muss oder wie weit Toleranz möglich ist, sagt über das Selbstverständnis oft mehr aus, als über die jeweils "Anderen", zu denen man sich verhält. Das gilt sowohl innerhalb von Religionsgemeinschaften als auch gegenüber anderen Religionen. Identität aber ist nichts Feststehendes, sondern bildet und verändert sich in Aufnahme und Wechsel unterschiedlicher Einflüsse – wie bzw. wann also werden solche Grenzen notwendigerweise gezogen? Diese Frage wiederum kann nur kontextuell, an konkreten Beispielen beantwortet werden.

 

 
 

DIENSTAG, 8. MAI 2007 19-21 Uhr

Minoriten Galerien II. Stock

SOZIALWISSENSCHAFTEN / ETHIK

Arno Pilgram, Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie, Wien

Woher nehmen wir das Recht zu kriminalisieren und zu strafen?

Legitimationen für das Strafrecht im (post-)welfare state

Ausgehend von jüngeren Entwicklungen in der praktischen Strafrechtsanwendung in Österreich, namentlich ihrer Polarisierung (zwischen zivilem Tatausgleich und „zero tolerance“) sollen wohlfahrts- und sicherheitsstaatliche Modelle und Begründungen für das Strafrecht dargestellt werden, hinter denen sich eine Spaltung der Gesellschaft abzeichnet. Sie reicht auch in die Kriminologie, in der sich zwei Lehren, „criminology of the self“ and „criminology of the other“ (Garland), bzw. Theorien der (Ent-)Kriminalisierung unterscheiden lassen.

 

 

Kurt Remele, Institut für Ethik und Gesellschaftslehre an der KF-Universität Graz

Von der Pflicht zum Ungehorsam!?

Henry David Thoreau (1817-1862) hat sich geweigert, seine Kopfsteuer an einen amerikanischen Staat zu zahlen, der die Sklaverei billigte. Er begründete seinen Ungehorsam in der Schrift "On the Duty of Civil Disobedience", die u. a. Mahatma Gandhi und Martin Luther King stark beeinflusste. Thoreau hat Recht: Es kann auch in Demokratien Situationen geben, in denen Ungehorsam zur Pflicht wird. Doch wann darf oder soll man ungehorsam sein und wie? Anders gefragt: Was unterscheidet den Sklaverei-Gegner Thoreau vom Ortstafel-Anarchisten Jörg Haider?

 
 

DIENSTAG, 15. MAI 2007 19-21 Uhr

Minoriten Galerien II. Stock

ÖKONOMIE

Brigitte Kratzwald, ATTAC Graz

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut?

Globalisierung nach neoliberalem Muster ist nicht „Deregulierung“ sondern „Neuregulierung“ – Wirtschaft und Politik werden zum Vorteil der Reichen

und Mächtigen organisiert. WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen und Medien

werden nicht müde zu wiederholen, dass das für Alle das Beste sei. Wenn

die Reichen ihren Reichtum ungestört vermehren könnten, würden

letztendlich alle davon profitieren. Minderheiteninteressen werden so zu

Allgemeininteressen umdefiniert. Der erhoffte Erfolg ist nicht

eingetreten, trotzdem ist noch kein Paradigmenwechsel in Sicht.

 

Pramodchandra Harvey, Welthaus Graz

Indien und Ernährung

Indien ist das siebentgrößte Land der Welt und überhaupt eines der vielfältigsten Länder der Erde. Entsprechend sind in Indien nicht nur die geografischen Begebenheiten vielfältig, sondern auch die Sprachen, Religionen, Kulturen, Traditionen. Menschen hungern in diesem Land aber trotzdem. Zuerst wollte man mit der Grünen Revolution den Hunger beseitigen, was aber nicht gut gelang. Jetzt will es man mit Gentechnik tun. Die Argumente sind gleich geblieben und die Fragen auch. Menschen hungern in Indien wie in anderen Teilen der Welt, nicht weil es für sie im Land nicht genug zu essen gäbe, sondern weil sie für ihre Arbeit wenig Geld bekommen.
 

 
 

DIENSTAG, 22. MAI 2007 19-21 Uhr

Minoriten Galerien II. Stock

MEDIZIN

Walter Pieringer, Universitätsklinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie/Med-Uni Graz

Was erhofft der Patient von seinem Arzt?

Autonomie, d.h. Freiheit und Eigenverantwortung des kranken Menschen, nicht nur zu respektieren, sondern als Ziel der Therapie zu erkennen gilt derzeit als rechtliche und ethische Forderung an die Medizin. Damit werden der Abschied vom ärztlichen Paternalismus-Konzept und das persönliche Ausloten zwischen Toleranz und Widerstand in der Arzt-Patientenbeziehung zur täglichen (De-)Mutprobe in der Medizin.

 

Imke Strohscheer, Klinische Abteilung für Onkologie/Med-Uni Graz

Was wünscht der Mensch am Lebensende?

Den Respekt vor Autonomie zu wahren sowie Selbstbestimmung zu stärken und zu schützen kann am Lebensende eines Menschen eine große Herausforderung sein. In dieser Lebensphase kann ein besonderes Spannungsfeld entstehen, in dem den Wünschen von Menschen, aber auch den Bemühungen der betreuenden Angehörigen oder der professionellen Helfer mit Toleranz und Widerstand begegnet werden sollte.
 

 
 

 

 

 


KONZEPT + WISSENSCHAFTLICHES LEITUNGSTEAM
Richard Sturn (Inst. f. Finanzwissenschaft u. Öffentl. Wirtschaft, KF-Uni), Gottfried Dohr, Herbert Juch (Inst. f. Zellbiologie, Histologie und Embryologie, Med-Uni),  Elisabeth List (Inst. f. Philosophie/Geisteswissenschaftliche Fakultät, KF-Uni), Jörg Schaur (Inst. f. Molekulare Biowissenschaften, KF-Uni), Helmut Hönig (Inst. f. Organ. Chemie/TU), Elisabeth Pernkopf (Inst. für Philosophie /Theol. Fakultät), Johannes Rauchenberger (Kulturzentrum bei den Minoriten)

GESAMTKOORDINATION Elisabeth Wimmer (Kulturzentrum bei den Minoriten)
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