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Veranstalter:
Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz
in Kooperation
mit dem Institut für Kunstgeschichte und dem Institut für Fundamentaltheologie
an der KF- Uni Graz und der Arbeitsstelle für christliche Bildtheorie der
Universität Münster
Die Beiträge werden in einer Veranstaltungsreihe Christi Himmelfahrt und
Fronleichnam 2007 im Kulturzentrum bei den Minoriten in Graz von den
AutorInnen präsentiert und zur Diskussion gestellt.
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Der Kunst wird gern eine besondere Nähe zur
Religion nachgesagt. Ist das womöglich nur mehr ein Ondit aus der
Vergangenheit, als man Kunstwerken noch zutraute, in einem tieferen Sinne
zu denken zu geben, durch ihre Imaginationskraft die Weltsicht zu
verändern und zu weiten, der Existenz des Betrachters ungeahnte
Perspektiven zu erschließen – zugleich Kritik wie Öffnung des Daseins und
der Religion ebenso?
Diese Vorstellung jedenfalls ist im Grunde romantisch, hat aber auch die
Wiederentdeckung des Bildes im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts, wie
sie von der kunstwissenschaftlichen Auseinandersetzung vornehmlich mit
Werken der Moderne ausging, bewegt. Lange vor der Ausrufung des ‚iconic
turn’ ging die Suche auf unbekannte oder verschollene Felder der
Bedeutsamkeit, die sonst hinter der Dominanz des Wortes oder dem Dickicht
der eingefahrenen Sehgewohnheiten verborgen bleiben mussten. Kunstwerke
errangen neue Aufmerksamkeit als Orte des bildlichen Aufscheinens solcher
Dimensionen von Bedeutung und zugleich als Repertoire eines hoch
entwickelten methodischen Instrumentariums zur Entdeckung dieser
Dimensionen.
Für die Öffnung dieser unvordenklichen Regionen der Bedeutung schien es
nicht mehr als einer Verfeinerung der Verfahren der Visualität zu
bedürfen. Die gründliche Vertiefung in das einzelne Bildwerk war die
hermeneutische Maxime für die Erschließung eines visuellen Kosmos, der
eine Kritik des Sehens, Konzepte der Subjektivität und des
Selbstbewusstseins wie Theorien über die Grenzen der Darstellbarkeit barg.
Im Bild wurde die Reichweite des Sehens als Verfahren der Erkenntnis
vermessen; die Grenzlinie zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren gab
den Horizont, unter dem die Frage nach dem Bild gestellt war.
Seither haben zahlreiche Analysen und Klassifizierungen unterschiedlicher
Bildsprachen aus verschiedenen Gebieten des Wissens und der Kultur,
sekundiert von semiotischen und anthropologischen Rahmentheorien, die dem
Ausdrucks- und Erkenntnisvermögen des Bildes seinen spezifischen Ort
zuweisen, das Terrain des Bildlichen weiter ergründet. Theorien solcher
Art haben die Tendenz, über Bilder zu handeln, nicht aber, entlang den
Bildern zu denken. Die Debatten gehorchen ganz anderen Kriterien. Sie sind
auf eingegrenzte Fragestellungen beschränkt und im wissenschaftlich
distanzierten Ton gehalten; das kritische und auch das religiöse Potential
der Bilder selbst werden durch sie kaum noch berührt.
Wo das Bild in zunehmendem Maße mehr als Gegenstand denn als Ort und
Methode von Erkenntnis gewürdigt und so von der Traktierung durch die
Einzelwissenschaften eingeholt wird, scheint eine Rückbesinnung auf sein
erkenntniskritisches und damit auf sein im weiteren Sinne religiöses
Potential angezeigt.
Reinhard Hoeps, Münster, Johannes Rauchenberger,
Birgit Pölzl, Graz |