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Die Frühlingsvorlesung der Akademie Graz und des Kulturzentrums bei den Minoriten  hält diesmal die Dresdener Philosophin und Religionswissenschaftlerin Hanna Barbara Gerl-Falkovitz in den ersten Kartagen.

 

MONTAG, 2. APRIL, 19 Uhr_
DIENSTAG, 3. APRIL
MITTWOCH, 4. APRIL 2007

 

Minoriten-Galerien, II. Stock
EINTRITT PASS für drei Vorlesungen: 25 €, Erm. Preis 18 €, Einzelvorlesung 11 €, Erm. Preis 8 €

In Kooperation mit der Akademie Graz

 

Die Moderne hat vielfache Entschuldungen im Blick auf rational begründbare Unfreiwilligkeiten und Unfreiheiten der Täter entwickelt: Soziale, psychologische, pathologische, gesellschaftspolitische Bedingtheiten engen den Entscheidungsraum und damit die Schuld des Handelnden ein oder verstellen sie sogar gänzlich. Gerade die Ideologien des 20. Jahrhunderts - ob rot, ob braun - haben den Einzelnen in ein Wir-Gefüge eingebunden und ihn auf die "große Idee" verpflichtet, sei es die Klasse oder die Rasse oder ein anderes nebelhaftes Element, in dessen Namen zwanghaft geboten war, was sonst verboten blieb.
Unter ganz anderen, nämlich naturwissenschaftlichen Vorzeichen wird heute erneut eine Schuldfähigkeit des Menschen bestritten: sofern Handeln neurobiologisch determiniert sei...
  Dieser Umwertung und ihren unterstellten Notwendigkeiten stehen jedoch philosophische, anthropologische und letztlich theologische Argumente einer grundsätzlichen Schuldmöglichkeit des Menschen gegenüber - sogar bei verminderter Freiheit. Ist Verminderung von Freiheit vielleicht selbst schon ein Anzeichen von (eigener oder fremder) Schuld? Auch wo relative Entschuldungen denkbar sind (unter Verweis auf Abhängigkeiten aller Art), bedarf es nach dieser Sicht einer weitergehenden Betrachtung grundsätzlicher Schuldbereitschaft, die sich nicht mehr selbst oder sozial entschuldet.
  Daher soll ein Wortspiel ausgeleuchtet werden: Im Absoluten gibt es Absolution. Vergebung als "reine Gabe" wurde von (dem Agnostiker) Derrida zu Beginn des neuen Milleniums eingefordert. Was kann das heißen und wer spricht die Gabe zu? Von welchem "Raum" des Denkbaren oder Undenkbaren (?) her kann Vergebung thematisiert werden? "Gibt es" eine solche Gabe - nicht nur als Spiegelung des (vergeblich) Erhofften? Was würde Vergebung am Geschehen und für die Opfer ändern, und zwar real - oder geht es nur um die Psyche des Täters? Und ist Reue eine "Bedingung" - aber würde sie die "reine Gabe" dann nicht wieder aufheben? Ein Sturzbach an Fragen also, die so weit wie möglich in eine reflexe Tiefe verfolgt werden sollen."
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz
Professorin für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft an der TU Dresden, Autorin zahlreicher Bücher
 
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