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RELIGIONSTHEORIE ZEITGENÖSSISCHER KUNST: religionende Gegenwartskunst
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Vorlesung SS 2001 Institut für Fundamental-theologie, KF-Uni Graz
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GLIEDERUNG:
Die „Poiesis“ einer Religion oder:
Das kreative Hervorbringen von Weltdeutungen.
II. Auslöschen - Persiflieren - Zitieren
III. "Spuren des Transzendenten"
(Über die negative Theologie in der Kunstdiskussion,
über Ausstellungen im Verhältnis von Kunst und Religion)
IV. HIMMELSCHWER: Ein neuer Ansatz in der Geschichte der Ausstellungen zu Kunst und Religion
V. Wahrheit und Schönheit: Regression, Traum oder Wirklichkeit theologisch-ästhetischen Denkens
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Die Dispersion des
Religiösen – dieser längst schon bekannte Prozess, dass sich nämlich
heutzutage „Religion“ großteils nicht mehr in der Kirche, sondern in ganz
säkularem Kontext abspielt, in der Jugendkultur, in der Werbung, im Sport,
in der Kunst etc.– ist nicht nur von fundamentaltheologischer, sondern
auch von theologisch-praktischer Bedeutung: Dieser Vorgang des „Religionens“
(Hermes Phettberg) – als Verbum verstanden – erfordert nicht nur ein
Auflesen dessen, wo Religion sich heute abspielt, sondern vielmehr eine
systematische Reflexion, was die „Poiesis“, also das kreative
Hervorbringen von Weltdeutungen angeht. Der Anspruch der Kunst, mit einem
völlig eigenständigen Sinnkonstrukt eine Gegenwartsbestimmung vorzunehmen,
muß TheologInnen a priori interessieren, befinden sie sich doch dabei auf
einem Konkurrenzfeld oder in einer (oft unheimlichen) Allianz. Von einer
Beerbung der Religion durch die Kunst bis hin zu einer Behauptung einer
allgemeinen „Transzendenz“ in der Kunst reicht das Spektrum
wechselseitiger Ansprüche und Erwartungen.
Für „Graz
2003 – Kulturhauptstadt Europas“ wird in einer europäischen
Projektgruppe (u.a. unter Beteiligung der Bildtheologischen Arbeitsstellen
der Universitäten Köln und Münster, sowie des Instituts für
Fundamentaltheologie in Graz) ein Ausstellungskonzept erarbeitet, das
diesen Vorgang des „Religionens“ anhand internationaler Positionen der
Gegenwartskunst dokumentiert und in einem Symposium eine Religionstheorie
zeitgenössischer Kunst entwickelt. Die Lehrveranstaltung stellt
Kristallisationspunkte des Verhältnisses von Religion und Gegenwartskunst
vor und diskutiert anhand konkreter Positionen einen theologisch
fruchtbaren Umgang. Die Vorlesung ist mit einem Diskussionskolloquium kombiniert.
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Die „Poiesis“ einer Religion oder:
Das kreative Hervorbringen von Weltdeutungen.
(Über die ästhetische Dimension des Glaubens und ihre
fundamentaltheologische Begründung.)
(Über Beerbungs- und Säkularisationsdebatten, über den
Anspruch der Kunst, mit einem völlig eigenständigen Sinnkonstrukt eine
Gegenwartsbestimmung vorzunehmen und über das drängende Interesse von
TheologInnen in einer Konkurrenz- oder in einer (oft unheiligen)
Allianzsituation) |
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Vom Umgang der zeitgenössischen Kunst mit dem Erbe der Vergangenheit
Der Blick auf die religionsgeschichtliche
Entwicklung der Kunst zeigt keinesfalls ein vielbehauptetes „Ende“ der
christlichen Kunst, als vielmehr eine Transformation des christlichen
Erbes, die mit verschiedenen künstlerischen Mitteln passieren kann.
Konkrete Positionen, wie z. B. Joseph Beuys‘
Herz-Jesu-Bildlichen oder
MUNTEAN/ROSENBLUMs Zyklus „Why die?“ sollen hier vorgestellt und auf
ihre religionstheoretische Bedeutung hinterfragt werden.
An konkreten Ausstellungsobjekten der Kölner
Künstlerin
Claudia Schink im ehem. Jesuitenkollegium/Priesterseminar
(Ausstellung der Minoriten-Galerien anläßlich von aktuelle kunst in graz
2001) kann dieses Verhältnis von Erbe und künstlerischer Transformation
studiert werden.
Exkursion: Claudia Schink, Das Abendland: SOLILOQUIA Claudia Schink, (Multimediakünstlerin in Köln), verfolgt seit 1995 konsequent ein Projekt, das sie „Das Abendland“ nennt. Während in den letzten Jahren insbesondere Arbeiten zu Themen der Wissenschaft entstanden, setzt sich diese Ausstellung in konzentrierter Form mit dem Erbe der christlichen Prägung als kollektiver Untergrund der westlichen Kultur auseinander. Mit künstlerischen und poetischen Mitteln wird ein Kreis von Objekten, Bildern und Texten erarbeitet, der historisch aufgeladene Bilder des menschlichen Schmerzes – sie verwendet dafür die frühe Märtyrinnenikonographie - und die immerwährende Aktualität körperlicher Gefährdung miteinander in Beziehung setzt. Durch die Feminisierung kollektiver Zeichen und Bilder wird deren eigentlicher patriarchalischer Bezug in subversiver Weise enttarnt. |
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(Über die negative Theologie in der Kunstdiskussion,
über Ausstellungen im Verhältnis von Kunst und Religion)
Obwohl die klassische Moderne mit religiösem Pathos die
Bühne der Weltgeschichte betreten hat, hat sich das faktisch gelebte
Christentum von der „Hochkunst“ immer mehr entfernt. Theorien wie „Verlust
der Mitte“ haben zudem die Vermutung der Religionsfeindlichkeit der
Moderne noch verstärkt. Mit einem Schlag haben sich diese Vorzeichen ins
Gegenteil verkehrt, als Wieland Schmied 1980 in „Zeichen den Glaubens –
Geist der Avantgarde“ und 10 Jahre später in „GegenwartEwigkeit. Spuren
des Transzendenten in der Kunst unserer Zeit“ das spirituelle Moment der
Gegenwartskunst herausstrich. Seitdem gibt es zahlreiche Ausstellungen im
religiösen Kontext, vor allem aber in Kirchen selbst.
Die Geschichte der Ausstellungen im Spannungsfeld von Kunst
und Religion in den letzten 20 Jahren soll kurz dokumentiert, vor allem
aber der religionsgeschichtliche Fragehorizont gestellt werden: Etwa was
eine „allgemeine Spiritualität“, die aber „dezidiert nicht kirchlich“
(Schmied) ist, mit der christlichen Theologie zu tun hat/haben muß.
Exkursion: Werner Hofmeister, Der Große Q
(Eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit der
Ikonentradition) |
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Ein neuer Ansatz in der Geschichte der Ausstellungen zu Kunst und Religion (Graz, grace and gravity)
(Projektvorstellung
Graz 2003 - Kulturhauptstadt
Europas) Die für die Kulturhauptstadt Europas 2003 geplante Ausstellung „HIMMELSCHWER. Transformationen der Schwerkraft“ will in einem Zeitalter längst vollzogener Trennung von Kunst und Religion eine neue offene Diskussion - ohne gegenseitige Vereinnahmung vorantreiben. Graz 2003 will dabei über das bloße Gerede von Spiritualität hinauskommen, und Nähe und Differenz von Kunst und Religion an ihrem jeweiligen Umgang mit handfester Realität studieren.
Die Prägung europäischer Kultur durch die Denk- und Kreativitätsgeschichte, die sich auf die Gravitation, der Schwerkraft oder Anziehung bezieht, ergibt ein Tableau wechselseitiger Beeinflussung zwischen Kunst und Religion, die auch auf ihre heutigen Bedingungen zu hinterfragen wäre. Bildfindungen aus der christlichen Bildgeschichte zur Gravitation werden ausgewählte Positionen der Gegenwartskunst gegenübergestellt. |
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V. Wahrheit und Schönheit: Regression, Traum oder Wirklichkeit theologisch-ästhetischen Denkens |
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(Vortrag für das Triangelkolloquium der Guardini-Stiftung Berlin) |
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