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Vorlesung

Univ.Lektor MMag. Dr. Johannes Rauchenberger

SS 2006

Institut für Kirchengeschichte, Uni Wien

 

geblockt 14 täglich

Do 16.00-

19.00 Uhr

9.3. / 23.3. / 6.4. / 27.4. / 11.5./ 1.6./ 22.6.

 

Schottenring 21

1010 Wien, 4. Stock

 

Als ständiges Korrektiv ist das Bilderverbot eine Begleitung der Reformer in der Bildgeschichte des Christentums.  Im Gegensatz zum Islam hat das Christentum dem Bilderverbot die Vorstellung der Materialisierung des Göttlichen in der Fleischwerdung entgegengestellt. Im Kern trifft genau dies die Theologie der Christusbilder.


Angefangen von ihrer radikalen Bestreitung, ihrem allmählichen Eindringen in der Praxis, ihrer beginnenden und definitiven theologischen Legitimation gibt die Vorlesung einen historisch-systematischen Querschnitt. Als Leitlinie für den geschichtlichen Parcours vom 3. bis 21. Jahrhundert gilt das Motiv der Strittigkeit, dem auch christliche Bilder aufgrund des 2. Gebotes des Dekalogs unterstehen, auch wenn sie den Impuls der Fleischwerdung des Göttlichen in sich tragen.
 

     
09.03.2006

 1. Einleitung: "Bilderstreit 2006". Und wozu Bilder im Christentum?

 

>> Bilderstreit

>> Andachtsbild

 

Bilder gehören nicht zur Grundverfassung der Kirche. Der urkirchliche Heilshaushalt ist ohne Bilder ausgekommen. Er ist nicht ausgekommen ohne das Wort. Reden und Zuhören, Lesen und Schreiben, Beten und Singen gehört zur elementaren Praxis der frühchristlichen Gemeinden. Auch das Tauchbad der Taufe, Auflegen der Hände, gemeinsames Essen, einfache rituelle Zeichenhandlungen also. Wort und Sakrament in diesem Sinn gehören von Anfang an zum heilsökonomischen Grundbestand der Kirche. Nicht aber die Bilder.

23.03.2006

2. Auf schwachen Beinen. Zur Bildbegründung im Neuen Testament

   

Wenn sich die frühchristliche Bewegung vom zeitgenössischen Judentum absetzt mit ihrer exzessiven Aufmerksamkeit für die Erscheinung Gottes in diesem einen Menschen und seiner Geschichte, so betrieb sie diese Verehrung Jesu Christi doch fraglos unter der Prämisse des alttestamentlichen Bilderverbots, das es entschieden untersagte, einem Bild, was immer es darstellte, religiöse Verehrung zukommen zu lassen. "Was mit Händen gemacht werde, das seien keine Götter" (Apg 19,26), sagt Paulus. In Athen entrüstet er sich bei seiner religionskundlichen Stadtbesichtigung, "da er sah, wie die ganze Stadt voller Götterbilder war" (Apg 17,16), "kateidolon", voller Idole.

23.03.2006

3. Die Anfänge:  Polemik, Apologetik, Streit 

Spottkruzifix aus der Pagenschule auf dem Palatin in Rom, Wandritzung, datierbar zw. 238 und 244 (?), Museo Kircheriano Rom

 

>> Katakombenmalerei

>> Christussymbole

>> Imperiale Ikonografie

>> Basiliken

 

Unter solchen theologischen Vorgaben etwa eigene Bilder haben zu wollen, ist ganz undenkbar. Sie haben den unverkennbaren Geruch des Paganen. Heidentum ist in seinem religiösen Kern genau dies: Idololatrie, Bilderverehrung, Beten und Opfern vor Bildern. Bilder kommen also im frühchristlichen Heilshaushalt nicht nur nicht vor, sie sind ausgesprochen gegenbesetzt als religiöser Indikator des Heidentums.

     
  LITERATUR zur Bildbegründung im Neuen Testament und zur Apologetik
 

- Literatur


C.Clerc, Les théories relatives au culte des images chez les auteurs grecs du IIme siècle après J.-C., Paris 1915
H.Koch, Die altchristliche Bilderfrage nach den literarischen Quellen, Göttingen 1917
W.Elliger, Die Stellung der alten Christen zu den Bildern in den ersten vier Jahrhunderten, Leipzig 1930
Art. Götterbild (H.Funke), in: RAC 11, 659-828
Art. Götzendienst (J.-C. Fredouille), in: RAC 11, 828-895
H.G.Thümmel, Die Frühgeschichte der ostkirchlichen Bilderlehre. Texte und Untersuchungen zur Zeit vor dem Bilderstreit, Berlin 1992
P.C.Finney, The invisible God. The earliest Christians on Art, New York/Oxford 1994
H.J.Klauck, Magie und Heidentum in der Apostelgeschichte des Lukas, Stuttgart 1996
H.J.Klauck, Anknüpfung und Widerspruch. Das frühe Christentum und die multireligiöse Welt der Antike, München 2002

  (c) Johannes Rauchenberger 2006