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Renata Schmidtkunz - Foto: Lucas Beck

Warum wir wieder mehr Transzendenz brauchen.

Renata Schmidtkunz

Die evangelische Theologin und Redakteurin Renata Schmidtkunz, allen Ö1- HörerInnen bekannt in der Hörfunkreihe „Im Gespräch“, stellt ihr ganz neues Buch vor: „Warum wir wieder mehr Transzendenz brauchen“.

Transzendenz ist in unserer wissenschaftsgläubigen Welt in Ungnade gefallen. Unser Europa mit seinen vielfältigen religiösen Traditionen und seiner von Religion geprägten Kultur hat sein Interesse am Transzendenten weitgehend verloren. Aus dem Kontinent der großen Utopien droht ein eindimensionaler Raum zu werden. An die Stelle Gottes ist die Logik der Finanzmärkte getreten. Sie verlangt Gehorsam von uns. Nicht Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Mitgefühl sind die Tugenden der Gegenwart, sondern die Einsicht in die naturrechtlich anmutende Notwendigkeit der Profiterzielung und Effizienz.
Doch wer nur noch ein materielles, eindimensionales Leben führt, ist leichter manipulierbar. Denn in der Transzendenz, dem Denken, das über uns selbst und das Irdische hinausgeht, liegt auch die Kraft zur Selbstbestimmung und zum Widerstand.

Die Entzauberung der Welt
Mit diesen Worten beschrieb der Soziologe Max Weber bereits 1917 die gesellschaftliche Entwicklung weg vom Transzendentalen und hin zur Intellektualisierung und Rationalisierung des Denkens. Doch was heißt dieser Verlust der Transzendenz als Denkkategorie für die Zukunft unserer Gesellschaften und für unser persönliches Leben? Woher in Zukunft die Ideen, die Utopien, die Kraft und den Mut nehmen, uns den sich weltweit zuspitzenden Problemen von Klimawandel, dem Rassismus und letztlich der Zerstörung des Planeten entgegenzustellen und das Wohl der real existierenden Menschen nicht aus den Augen zu verlieren?

Distanz zum Weltgeschehen
Renata Schmidtkunz plädiert eindringlich für ein neues Denken. Sie schreibt: „Transzendenz zu denken, sich darin zu üben, davon auszugehen, dass es einen Bereich gibt, der jenseits unseres Verstehens und unseres Einflusses ist, bedeutet neben vielem anderen auch, Distanz zum Weltgeschehen zu bekommen. Es ist eine Distanz, die befreien kann von jenen Trieben, die unsere Welt und die Menschheit im Moment zu zerstören droht. Es ist eine Distanz, die befreien kann von dem Wunsch, alles alleine zu besitzen, die Welt und was auf ihr wächst und existiert, nicht teilen zu wollen. Zu denken, dass es jenseits unserer materiellen Wirklichkeit einen offenen Raum gibt, einen Raum der Freiheit, erweitert unsere Wahrnehmung von uns selbst, der Gemeinschaft und der Welt, in der wir leben.“

Woran noch glauben?
Doch woran können wir heute noch glauben? Schmidtkunz, Journalistin, Theologin und Tochter einer evangelischen Pfarrersfamilie, erzählt sehr persönlich von ihrem Abschied vom dogmatisierten Gott der Kirche und von ihrer Suche nach einem neuen Gott. Der, den sie für sich entwirft, hat mit dem strengen alten Mann mit dem weißen Bart im Himmel nichts mehr zu tun. Er ist ein Gott der Liebe, der Gemeinschaft, des Lebens, der uns offen, sozial und politisch macht.



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