Cura. Vittorio Corsini

CURA [SORGE] Eine Fußnote von Vittorio Corsini im Rahmen des Projekts „KUNST HEILT MEDIZIN. ZEHN WERKE“ des Instituts für Fundamentaltheologie der Uni Graz im KULTUM.

Der neue MED-UNI-Campus ist eben eröffnet worden, die Grazer Theologische Fakultät legt mit einer feinen Semesterausstellung eine wichtige Nuance im Schnittfeld von Ethik/Theologie/Medizin und Kunst hinzu: Im Institutsgebäude in der Heinrichstraße versammelt Isabella Guanzini, die neue Professorin am Institut für Fundamentaltheologie, ab 22. November zehn Werke, die in Kooperation mit der Accademia di Brera in Mailand entstehen, und setzt so den Institutsschwerpunkt ihres Vorgängers Gerhard Larcher fort. Das Kulturzentrum bei den Minoriten fungiert dabei als kleine Außenstelle: von 22. November bis 15. Dezember wird das Werk Cura (Sorge) von Vittorio Corsini ausgestellt, das wie ein Atlas von kleinen umsorgenden Gesten verstanden werden kann. Die künstlerische Praxis fungiert hier als symbolischer Behälter, der die Fragilität des (leidenden) Lebens in der Form von blauen, zarten Blumen zu schützen vermag.

„Kunst heilt Medizin – Zehn Werke“ ist eine Ausstellung, die nach dem Verhältnis von zeitgenössischer Medizin und vorherrschenden Menschenbildern fragt. Entstanden ist die Idee im Rahmen des internationalen Symposiums Blickpunkt Mensch – Medizin – Begegnung, das an der Katholischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz von 20. bis 22. September 2017 stattgefunden hat.
Die Ausstellung versucht mit kreativem Gestus eine immer dominierendere Apparatemedizin, in der der menschliche Organismus zur komplexen Maschine wird, zu be- und hinterfragen. Dabei begegnen sich verschiedene Zugänge – Kunst, Medizin, Anthropologie, Ethik und Theologie –, die nun in den Räumlichkeiten der Katholischen Fakultät und des Kulturzentrums bei den Minoriten in künstlerischen Werken bearbeitet werden.

Das Projekt ist dank einer Kooperation zwischen Isabella Guanzini, Professorin am Institut für Fundamentaltheologie der Universität Graz, und Andrea del Guercio, Professor für Zeitgenössische Kunst, sowie Ida Terracciano, Dozentin für Ikonologie an der Accademia di Brera (Akademie der Schönen Künste) in Mailand, zustande gekommen.
Der künstlerische Parcours gestaltet sich vor allem an der Katholischen Fakultät mitten in den Lehrräumen und ermöglicht so eine konkrete Auseinandersetzung von Studierenden mit zeitgenössischer Kunst. Die gezeigten Werke entstehen großteils direkt vor Ort. Künstlerische Praxis kommt mit der alltäglichen universitären Lebenswelt in Berührung.

Die eingeladenen KünstlerInnen zielen darauf ab, sich mit den Thematiken und den Fragestellungen des Symposions auseinanderzusetzen und in ihren Kunstwerken über verschiedenste Zugänge das Verhältnis von Körper und medizinischen Behandlungen, von Identität und Krankheit, von der chemisch-physikalischen Komposition des Körpers und der Biografie der PatientInnen usw. zu beleuchten. Kann der menschliche Körper mit technischen/chirurgischen Wirkfaktoren, d.h. mithilfe einer Art Ingenieurs- oder Reparaturmedizin, geheilt werden? Ist er insofern ein bloß physikalischer Organismus? Kunst kann jedenfalls eine symbolische und auch provokative Dimension eröffnen, damit geht sie jedenfalls über eine rein positivistische medizinische Vorgehensweise hinaus und setzt neue subjektive sowie ethische Horizonte frei – gerade in einer Gesellschaft, die sich als immer leistungsorientierter definiert.
Zu sehen sind Installationen, Bilder und Skulpturen, die verschiedene Ansätze zu einem „ganzheitlichen“ Verständnis von Krankheit und Gesundheit bzw. zur Beziehung zwischen Körper und Seele (besser: zwischen Gehirn und Geist) bearbeiten. Das biopsychosoziale Modell, das die Medizinische Universität Graz aktuell entwickelt, stellt entscheidende Fragen bezüglich möglicher Menschenbilder in der heutigen Zeit, welche auch die zeitgenössische Kunst herausfordern und theologische sowie ethische Reflexionen über den Sinn des Lebens, des Leidens und des Todes zu initiieren vermögen.
Der Untertitel Zehn Werke nimmt in subtil-provokanter Weise eine Analogie zum biblischen Dekalog auf; dieser ist als ein über Jahrtausende alter Maßstab für eine menschliche Entwicklung und Behandlung des Lebens zu verstehen, der sowohl die Medizin als auch die Kunst herauszufordern vermag. Die physikalische Dimension des Lichtes lässt die Materie zersplittern und altern. Die menschliche Endlichkeit und Machtlosigkeit ist angesichts des Leides und des Todes besonders offenbar. Wer vermag dabei zu erlösen? Kunstwerke von R. Boero, L. Cariello, E. Cella, V. Corsini, G. Cattani, M. Dell'Angelo, A. Ievolella, R. Invernizzi, H. Sheehan und I. Sossella setzen sich mit der Erfahrung der biologischen Entwicklung und Keimung auseinander, bringen die polychrome Natur der organischen Materie zum Ausdruck, analysieren die unaufhörliche Lebendigkeit der Zellen und hinterfragen die psychische Dimension des Menschen durch photographische Portraits und Bildnisse.
Isabella Guanzini

Eröffnung der Ausstellung: 22. November 2017, 18:30 Uhr
Katholisch-Theologische Fakultät, Heinrichstraße 78a,
Ausstellungsdauer: Bis 2. März 2018

Ausstellungsteil „Cura. Vittorio Corsini“ im KULTUM: 22. Nov. – 15. Dez. 2017
Geöffnet DI – FR von 10-17 Uhr
Kuratiert und organisiert von Andrea B. Del Guercio, Isabella Guanzini, Ida Terracciano





Grüß Gott auf unserer Website! Wir verwenden Cookies, um die Bereitstellung unserer Inhalte und Services zu erleichtern. Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.Mehr Informationen

OK