Claudia Schink: Luxor, Glas mundgeblasen, 1996/97, Foto: Farbanalyse Köln

CLAUDIA SCHINK - DE LUCE

„Light for Change – Licht für Wandel“: 2015 ist das „Internationale Jahr des Lichts“ der UNESCO. Die Kölner Künstlerin Claudia Schink präsentiert dazu in der Einzelausstellung DE LUCE im KULTUM ihre künstlerische Forschung zu Materie, Licht und Bewusstsein. Schink setzt sich in konzeptueller Manier mit der Wahrnehmung und ihren eigenen Sinnesapparaten auseinander. Ihre Gemälde, Texte und Objekte visualisieren ihr künstlerisches Forschen, das zwischen philosophisch kulturellem Denken und haptisch handwerklichem Schaffen oszilliert.

Ausgehend von ihrem eigenen Sinnesapparat, der in einer Trilogie – Augen, Schädeldecke und Gehirn – dargestellt wird, fokussiert Claudia Schink den Bereich der Wahrnehmung, insbesondere das Sehen, und hinterfragt, wie aus Bildern Weltbilder entstehen. Weitere aus mundgeblasenem Glas gefertigte Objekte bilden ein Rückenmark, das dem Rückenmaß der Künstlerin angeglichen wurde, und vergrößerte Nervenbahnen. Malerei auf großen Formaten zeigen verwobene Nervenstränge und -verästelungen; sie tragen als Titel die Namen von Philosophen, die sich um die Beschreibung und Erforschung des menschlichen Bewusstseins bemühten (Kant, Descartes, Fichte).

Die Künstlerin spürt in ihren Werken dem Wesen des Materiellen nach; für sie sind die Dinge das faktisch Wesenhafte der Welt, in welcher der Mensch sich in seinem körperhaften Sein einrichtet. Sie betont in ihren Arbeiten den Wert des stofflichen Seins, ohne eine dahinter liegende „eigentliche“ Wahrheit zu vermuten oder zu behaupten.

Eine besondere Studie widmet Claudia Schink dem Experiment als dem wissenschaftlichen Bemühen um ein möglichst genaues Erkennen der Wirklichkeit. Analytisches Streben gilt in einer rational dominierten Moderne als Annäherung an eine Wahrheit, die als Beweis erbracht werden muss. Aus solchen Experimenten entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts neue Einblicke in den Aufbau der Materie; Versuche zur Kernspaltung leiteten ein neues Zeitalter ein, in welchem der massenhafte Tod durch diese Entdeckung nicht lange auf sich warten ließ. In einem größeren Malereizyklus widmet sich die Künstlerin diesem Forschungszweig, indem sie die tödliche Gefahr der Kernenergie hinter den schimmernden Oberflächen ihrer großformatigen Ölgemälde verbirgt. Die vielschichtig angelegten Farbebenen erzeugen auratische Tiefe und vermitteln zugleich Unnahbarkeit und Distanz.

Claudia Schink entwickelte ihre Arbeit mit der eigenen Kulturgeschichte im Dialog zu anderen Kulturen; schon in frühen Jahren setzte sie sich in verschiedenen Reisen und Projekten auch mit der jüdischen, afrikanischen und islamischen Kultur auseinander. Zuletzt arbeitete sie 2012 und 2013 zusammen mit mongolischen Künstlern und Tänzern im Stadtraum von Ulan Bator; eine Dokumentation dieser Projekte wurde 2014 in Berlin präsentiert.

Die Künstlerin nutzt Sprache als künstlerische Ausdrucksform, indem sie eigene Texte, die zwischen poetischer und wissenschaftlicher Ausdrucksweise oszillieren, als eigenständige Objekte ihren Präsentationen einfügt; diese können als feste Textblöcke, beschriftete Glasscheiben oder als Projektionen erscheinen.

Claudia Schink arbeitet mit verschiedenen Medien und in mehreren Disziplinen. Sie ist ausgebildete und tätige Malerin, Bildhauerin und Medienkünstlerin, außerdem studierte sie Philosophin (MA) und ist promovierte Kulturwissenschaftlerin. In ihrer konzeptuellen Kunst verweben sich von jeher philosophisch kulturelles Denken und haptisch handwerkliches Schaffen als ein „künstlerisches Forschen“.

 

  • Hier können Sie das Künslteringespräch zwischen Kurator Johannes Rauchenberger und Claudia Schink bei der Eröffnung am 16. Mai 2015 nachhören:





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