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Buchpräsentation Gruppe 77: Kunst – Individuum – Gruppe

Gemeinsame künstlerische Positionen einer Künstlergruppe seit 35 Jahren

„Gruppe 77 – Kunst – Individuum – Gruppe“, 344 Seiten, D/E, edition keiper

 

Die KünstlerInnen-Gruppe 77 bilanziert ihr 35-jähriges Bestehen in einer umfassenden Dokumentation der Arbeiten seit ihrer Gründung im Jahre 1977. In dieser Publikation nehmen die KünstlerInnen selbst zum Phänomen Gruppe 77 in Wort und Bild Stellung und haben darüber hinaus zahlreiche AutorInnen eingeladen, ihre Positionen zur Bedeutung der Gruppe 77 zu schreiben.

Die Gemeinschaftsarbeiten, Gruppen- und Ausstellungsprojekte, Manifeste und Artifeste sind ebenso dokumentiert wie auch die 20 Jahre dauernde Aktion „Kunst auf Zeit“, wo die Gruppe 77 junge und arrivierte KünstlerInnen einlud, Plakatwände im öffentlichen Raum zu gestalten. Die Gruppe 77 stellt sich seit Beginn ihres Bestehens den unbequemen Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung und des damit verbundenen ästhetischen Ausdrucks.

 

Interview mit Luise Kloos, Präsidentin der Gruppe 77

Was ist die Gruppe 77? Warum hat man sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen?

Das Bestehen der Gruppe 77 seit 1977 verführt zur Rückschau, zur Bilanzierung, zur Reflexion und zur Evaluierung, aber auch zu einem Blick in die Zukunft. Alles begann mit Neuorientierung, Protest gegen bestehende Zustände und Überwindung von Traditionen. Die Hinwendung zum Experimentellen, die Suche nach dem Neuen, die Orientierung nach Qualität, die Auseinandersetzung mit theoretischen und gesellschaftskritischen Fragen waren und sind die Philosophie. Dies alles als Gruppe. In der Überwindung des eigenen schöpferischen Wollens, im Sinne des egoistischen Denkens verlangt eine Gruppe den Altruismus, die Rücksichtnahme und zugleich die Fokussierung auf den gemeinsamen ästhetischen Nenner.

Die Gruppe 77 ist aber auch ein Ort von Beständigkeit und Nachhaltigkeit.

Wie geht ihr mit der eigenen Geschichte um?

Allein die Tatsache, dass es ein umfassendes Dokumentationsarchiv gibt, zeigt das hohe Bewusstsein der Gruppe für die eigene Geschichte. Ein großer Wermutstropfen war der Verlust des von Gerhard Lojen penibel gesammelten Dokumentationsmaterials über “Kunst auf Zeit”. Die ursprünglichen Gründungsgedanken werden immer wieder auf ihre Relevanz hinterfragt. Verdiente Mitglieder der Gruppe 77 sind durch eine Abbildung eines repräsentativen Werkes im Buch gewürdigt.

Welche Gründungsmythen, -personen gab es?

Die meisten Menschen, bewusst oder unbewusst, fühlen sich den Verhältnissen ausgeliefert, die schließlich zur Vernichtung ihrer Innerlichkeit führen. In einer derartigen Situation fühlten sich auch einige junge KünstlerInnen, die schließlich die Gruppe 77 gründeten. Neben Manifesten und legendären Projekten gab es eine Gruppe 77 – Band, die einen eigenen “Gruppe 77 – Song” kreierte. Ein Gruppe77-Baum wurde gepflanzt. Die tragende Persönlichkeit war sicherlich Gottfried Fabian. Ihm ist das Buch gewidmet.

Was hält euch zusammen?

Es ist oft ein Ringen, fast immer ein prozesshaftes Entstehen und verlangt zugleich die unbedingte Übereinstimmung, gemeinsam etwas schaffen zu wollen. Die Gruppe 77 besitzt Modellcharakter in einer Zeit des Individualismus und vor allem des singulären Künstlertums. Aber es sind auch tragfähige Freundschaften entstanden, die ein hohes Maß an Solidarität und Hilfsbereitschaft in verschiedenen Lebenslagen wirksam werden lassen.

Wie seht Ihr Eure Rolle im aktuellen Grazer Künstlerleben?

Jedes Mitglied hat eine eigenständige künstlerische Position erlangt, für sich selbst Bedeutung erlangt. Daher ist es  interessant, wie sich diese Kräfte in Gemeinschaftsarbeiten bündeln. Die Gruppe 77 fühlt eine tiefe Verantwortung für das regionale Kunstgeschehen und ist bemüht, ihren Beitrag gemäß ihren Wertvorstellungen zu leisten. Die Suche nach neuen Formaten und die stetige Öffnung hin zu jungen KollegInnen, um sie in künstlerische Prozesse miteinzubeziehen, sind der Gruppe ein hohes Anliegen. Im Wandel der Zeit ist die Gruppe selbst „Künstler“ geworden.

  • Das Gespräch führte Johannes Rauchenberger


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