Bischof Egon Kapellari überreichte den Kunstpreis der Diözese Graz-Seckau m 3. Dezember an Lotte Lyon und hielt eine Grundsatzrede zum Verhältnis von Kirche und Kunst >>
 

Mo, 3. Dezember 2007, 18.00 Uhr
Minoriten-Galerien im Priesterseminar, Bürgergasse 2, 8010 Graz

Ausstellungsdauer
4. Dezember bis 20. Dezember
geöffnet Mo-Sa 14-18 Uhr, vormittags n.V. 711133
 

Jury:

Adam Budak (Kurator Kunsthaus Graz),

Dr. Agnes Husslein-Arco (Direktorin der Österreichischen Galerie Belvedere),

Constantin Luser (Kunstpreisträger 2005)

Dr. Josef Wilhelm (Direktor des Akademischen Gymnasiums in Graz),

MMag. Alois Kölbl (Hochschulseelsorger+Kurator)

 



 

"Zeichen der Wertschätzung für eine qualifizierte Welt- und Gegenwartsdeutung"

Interview mit Bischof Dr. Egon Kapellari

Johannes Rauchenberger: Herr Bischof, Sie übergeben am 3. Dezember den Kunstpreis der Diözese Graz-Seckau für zeitgenössische Bildende Kunst, einen Preis der alle zwei Jahre von der Diözese gestiftet wird.

Bischof Kapellari: Die Diözese Graz-Seckau hat diesen Preis im Jahre 1983 als einen spezifischen Beitrag der Steiermark zum gesamtösterreichischen Katholikentag 1983 ins Leben gerufen. Allen, die seither daran mitgewirkt haben, gilt mein Dank, insbesondere Frau Waltraut Jürgens, die den Preis und die damit verbundene Kommunikation mit den Kunstschaffenden, die Nominierung der Vorauswahl und der Juroren umsichtig bis heute betreut hat. Mit ihrer Pensionierung wird die Verantwortung dafür unserem Kulturzentrum bei den Minoriten übertragen.



J.R. Der Preis hat viele Nachahmer gefunden, im kirchlichen wie im außerkirchlichen Bereich. Damit wurden aber auch viele Kunstpreise geschaffen. Soll die Diözese diesen Weg dennoch fortführen?


Bischof Kapellari: Ich freue mich, dass man in Fachkreisen, aber auch in anderen Diözesen den Preis der Diözese Graz-Seckau als Vorbild einschätzt. Es gibt auch andere wichtige Engagements der Kirche für zeitgenössische Kunst. Über die Grenzen dieses Landes hinaus wäre der Msgr. Otto Mauer-Preis zu nennen. Ich halte den bisher begangenen Weg als richtig, insofern er Teil eines viel umfassenderen Engagements und Interesses der Kirche für Kunstschaffende der Gegenwart ist. Die Künste eröffnen ja einen qualifizierten – wenn auch nicht den einzigen – Ort für Welt- und Gegenwartsdeutung.



J.R. Das Spezifikum unseres Kunstpreises ist, keine inhaltliche Vorgabe zu machen, sondern ausschließlich nach Kriterien künstlerischer Qualität zu entscheiden. Ist damit nicht auch die Gefahr einer Beliebigkeit gegeben?


Bischof Kapellari:
Zur Beliebigkeit verkommt eine solche Gabe dann, wenn auch der Geber beliebig ist. Hier ist es vielmehr ein Zeichen der Wertschätzung, Sprache, Ausdrucksmittel und Formen zu suchen und zu würdigen, die unsere Gegenwart verwenden für jenen komplexen Vorgang, der „Kunst“ genannt wird. Obwohl beim Preis der Diözese Graz-Seckau keine thematischen Vorgaben gegeben werden, möchte ich doch an das Gründungsdatum erinnern. Papst Johannes Paul II. hat im Jahre 1983 in einer bedeutenden Rede vor Vertretern aus Kunst und Wissenschaft in der Wiener Hofburg einen zentralen Satz gesagt: „Ecce homo - Vergessen Sie ihn nie, den liebenden, hoffenden, leidenden Menschen!“

 

 
   

 

 
 
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