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"Zeichen der Wertschätzung für eine qualifizierte Welt-
und Gegenwartsdeutung" Interview mit Bischof
Dr. Egon Kapellari
Johannes Rauchenberger: Herr Bischof, Sie übergeben am 3. Dezember den
Kunstpreis der Diözese Graz-Seckau für zeitgenössische Bildende Kunst,
einen Preis der alle zwei Jahre von der Diözese gestiftet wird.

Bischof Kapellari: Die Diözese Graz-Seckau hat diesen Preis im Jahre 1983
als einen spezifischen Beitrag der Steiermark zum gesamtösterreichischen
Katholikentag 1983 ins Leben gerufen. Allen, die seither daran mitgewirkt
haben, gilt mein Dank, insbesondere Frau Waltraut Jürgens, die den Preis
und die damit verbundene Kommunikation mit den Kunstschaffenden, die
Nominierung der Vorauswahl und der Juroren umsichtig bis heute betreut
hat. Mit ihrer Pensionierung wird die Verantwortung dafür unserem
Kulturzentrum bei den Minoriten übertragen.
J.R. Der Preis hat viele Nachahmer gefunden, im kirchlichen wie im
außerkirchlichen Bereich. Damit wurden aber auch viele Kunstpreise
geschaffen. Soll die Diözese diesen Weg dennoch fortführen?

Bischof Kapellari: Ich freue mich, dass man in
Fachkreisen, aber auch in anderen Diözesen den Preis der Diözese
Graz-Seckau als Vorbild einschätzt. Es gibt auch andere wichtige
Engagements der Kirche für zeitgenössische Kunst. Über die Grenzen dieses
Landes hinaus wäre der Msgr. Otto Mauer-Preis zu nennen. Ich halte den
bisher begangenen Weg als richtig, insofern er Teil eines viel
umfassenderen Engagements und Interesses der Kirche für Kunstschaffende
der Gegenwart ist. Die Künste eröffnen ja einen qualifizierten – wenn auch
nicht den einzigen – Ort für Welt- und Gegenwartsdeutung.
J.R. Das Spezifikum unseres Kunstpreises ist, keine inhaltliche Vorgabe zu
machen, sondern ausschließlich nach Kriterien künstlerischer Qualität zu
entscheiden. Ist damit nicht auch die Gefahr einer Beliebigkeit gegeben?

Bischof Kapellari:
Zur Beliebigkeit verkommt eine solche Gabe dann, wenn auch der Geber
beliebig ist. Hier ist es vielmehr ein Zeichen der Wertschätzung, Sprache,
Ausdrucksmittel und Formen zu suchen und zu würdigen, die unsere Gegenwart
verwenden für jenen komplexen Vorgang, der „Kunst“ genannt wird. Obwohl
beim Preis der Diözese Graz-Seckau keine thematischen Vorgaben gegeben
werden, möchte ich doch an das Gründungsdatum erinnern. Papst Johannes
Paul II. hat im Jahre 1983 in einer bedeutenden Rede vor Vertretern aus
Kunst und Wissenschaft in der Wiener Hofburg einen zentralen Satz gesagt:
„Ecce homo - Vergessen Sie ihn nie, den liebenden, hoffenden, leidenden
Menschen!“
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