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Kurator: Johannes Rauchenberger

Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari hat dieses Bild „Abendmahl, 2005“ von Klaus G. Gaida der
Katholisch-Theologischen Fakultät an der Karl-Franzens-Universität Graz aus Anlass der feierlichen Eröffnung des neuen Hauses der Theologie in der Heinrichstraße 78 am 28. September 2007 für die Dauer ihres Bestehens geschenkt.

Das Bild wurde am 24. Jänner 2008 in Anwesenheit des Diözesanbischofs und des Künstlers
an den Dekan der Theologischen Fakultät übergeben.
 

Klaus G. Gaida

geb. 1950 in Barnitz (Niedersachsen), lebt in Weweler, Belgien

ABENDMAHL,
2005
140 x 180 cm, Naturfarben auf Leinwand, auf Holzrahmen gespannt

Sammlung der Diözese Graz-Seckau, Ankauf durch Bischof Egon Kapellari, 2007
Dauerleihgabe an die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Graz


Reduziert und vereinfacht, aber doch auf mehreren, dynamischen Bildebenen entwickelt sich das Abendmahl des belgischen Künstlers Klaus G. Gaida.
In stilisierter Farb- und Formgebung, mit Blau, Rotbraun und Gelblichweiß an Naturtönen, mit einer Linie, die an das Airbrushwerkzeug digitaler Zeichnung erinnert, erscheint eine scheinbar einsame Figur vor einem Tisch, die sich in schräger Draufsicht bietet.
Augenscheinlich wird ein lautes bildhaftes Vorhandensein vermieden, um Platz zu lassen für die Fläche der Imagination für diesen Tisch, für die Geste der Einladung, den weit ausladenden Blick der umrissenen Figur, den deutlich gekennzeichneten, aber dennoch nicht genau definierten Griff in die Mitte. Sie ist eine Aufforderung zum Besinnen und zum Zu-sich-Kommen.
Die rotbraune Fläche ist von links ins Bild geschoben, eher geklappt, sodass sie noch den Rest von Bewegung markiert. Das Grau der Fläche, eine offensichtlich darunter liegende Bildebene, wird unter dem Tisch von zarten, grauen, dynamischen Strichen zentral stabilisiert: Die Strich-Zählung kommt auf zwölf. Eine direkte visuelle Zuordnung des Bild-Betrachters, der Bild-Betrachterin zu einem Jünger wird damit aufgehoben, offen gelassen wird damit aber auch eine imaginäre Weiterzählung. Die dynamische Strichzählung sichert hier auch noch, dass keine Hierarchie, somit Gleichheit aller (hier) vor dem am Tisch sitzenden Herrn / Jesus gilt. (J. Rauchenberger)

 

ERÖFFNUNG:

FREITAG, 16. März, 19-23 Uhr im Rahmen von „aktuelle kunst in graz“
MINORITEN Galerien Graz im Priesterseminar, Bürgergasse 2


AUSSTELLUNGSDAUER bis 14. April 2007


ÖFFNUNGSZEITEN DI-SA 14.00 Uhr-18.00 Uhr

KÜNSTLERGESPRÄCH + FRÜHSTÜCK
SAMSTAG, 17. März 2007 11.00 Uhr
 

Ausgangspunkt des Kunstprojekts  ES FÜNF ABER DIE des belgischen Künstlers Klaus G. Gaida sind Zeichnungen und Kritzeleien auf Bierdeckeln. Aber das muss man nicht wissen. Man muss vielmehr sehen, um mit den darin zusammengefügten Bruchstücken verloren gegangener Kontexte das Bewusstsein zu füllen und über den Kontext der eigenen Erinnerungen zu einem individuellen Sinn zu gelangen, parallel zu den Kunstautoren, die diese zu Kunst gewordenen Bilder beschreiben.

 

Klaus G. Gaida übertrug die bearbeiteten Zeichnungen auf ein Bildformat von jeweils 1400 x 1500 mm. Die Titel stellen sich vertrauten Sinnbildungen quer, da ihnen die Verben und Nomen entzogen wurden. Lesbar auf den Bildern eingearbeitet wurden die fertigen Werke 14 Personen aus den Bereichen Kunst, Literatur und Wissenschaft vorgestellt, mit der Bitte eine einfache und nicht wertende Bildbeschreibung zu verfassen (Stephan Berg, Direktor Kunstverein Hannover * Hermann-Josef Berk, Psychologe, Köln * Hans-Werner Bussinger, Schauspieler, Berlin * Michael Glasmeier, Kunsthistoriker, HfbK Braunschweig * Thomas Hirsch, Kunsthistoriker, Düsseldorf * Gregor Jansen, Leiter ZKM I Museum für neue Kunst, Karlsruhe * Jakob Johannes Koch, Theologe, Bonn * Tilman Lenssen-Erz, Felsbildarchäologe, Universität zu Köln * Friedemann Malsch, Direktor KunstMuseum, FL-Lichtenstein * Pidu Russek, Kulturraumplaner, CH-Männedorf * Hans-Werner Schmidt, Direktor Museum bildende Künste Leipzig * Arnold Stadler, Literat, Rost über Meßkirch * Thomas Wagner, FAZ Feuilleton Redaktion, Frankfurt am Main * Raymund Weyers, Philosoph, Universität zu Köln). Die Beschreibungen wurden von der Hamburger Schauspielerin Mechthild Großmann gelesen und in Form einer Vinylschallplatte dem Buchprojekt beigelegt.

 

 

Im Herbst 2006 wurde die bibliophile Publikation „Es fünf aber die“ in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel präsentiert. Die Minoriten in Graz sind die zweite Station dieses exklusiven Projekts, welches dem Leser einen Übergangsraum zwischen Bild und Text eröffnet, aber auch zwischen Faktischem und Auslegung, Banalem und Kunst sowie Vorgefundenem und Gemochtem.

 

Prof. Dr. Dirk Blothner, Medienpsychologe an der Universität zu Köln, schreibt über das Buchprojekt „Es fünf aber die“:

Das Werk von Klaus G. Gaida eröffnet dem Leser einen Übergangsraum zwischen Bild und Text. Aber auch zwischen Faktischem und Auslegung, Banalem und Kunst sowie Vorgefundenem und Gemochtem.

 

Gaidas einen weiten von unbewusst entstandenen Scribbles zur Wahrnehmung von auf internationalem Gebiet tätigen Persönlichkeiten des Kulturlebens. Schon der Ansatz des Buches, der zum ersten Mal in der Gegenwartskunst Bilder und auf sie bezogene Beschrei in gedruckter und akustischer Form ist ungewöhnlich und reizvoll Geradezu spannend wird es wenn man berücksichtigt , dass das kluge Arrangement ein noch nie da gewesenes Experiment eröffnet. Denn den Kunstexperten werden die vertrauten Waffen aus der Hand geschlagen. Die Vorgabe verlangt, dass sie die Bilder beschreiben, dabei aber auf kunsthistorische Einordnungen und verzichten. Sie sollen nicht auf die Kunst, sondern auf das Banale eingehen.

 

Kritzeleien auf Bierdeckeln sind menschliche Ausdrucksbildungen ohne gestalterische Absicht. Manche geben Anhalt im Anschaulichen oder ersetzen den Gesprächspartner, Andere wollen etwas verdeutlichen, war mit Worten nicht ausgedrückt werden kann. Für den Psychoanalytiker Donald W. Winnicott (1896-1971) waren Scribbles Anhaltspunkte für das unbewusste Seelische, das darauf drängt, in Materialem Ausdruck zu finden. Sie bilden eine Schwelle in den Übergangsraum der menschlichen Existenz. Das Projekt „Es fünf aber die“ kreist diesen Übergangsraum auf besondere Weise ein.

 



 
   

 

 
 
WILLKOMMEN in den MINORITEN GALERIEN Graz!