Vernissage:

Aschermittwoch, 21. Februar 2007, ab 19.30 Uhr, die Veranstaltung geht um 20.30 Uhr  im Minoritensaal weiter

Ausstellungsdauer: Bis 5.4.2007; geöffnet von MO-FR 10-18 Uhr, SA 14-18 Uhr.

Kuratoren: Johannes Rauchenberger/Roman Grabner

Künstlerische Beiträge von Eric Aupol, Kurt Straznicky, Christian Eisenberger und Adam Fuss: Randsilhouetten, Papp-Himmelskörper, Schattenköpfe im gesellschaftlichen Gegenlicht und der Heilige Antonius in der Wüste

Eric Aupol, "Shadow"-Serie, Photographie, 60x60 cm. Courtesy minoritenkulturgraz.at

Eric AUPOL
Geb. 1969, lebt und arbeitet in Paris, Einzelausstellungen in Paris, Brüssel, Rotterdam, Charlieu, Troyes, Graz
Vertreten von: Galerie Polaris-Bernard Utudjian, Paris
Marijke Schreurs House, Brüssel
WEB: ericaupol.free.fr

Preise und Publikationen: - Paysages, Photos Nouvelles, N°Janvier 2005 ;
- Eric Aupol, Pierre Evariste Douaire, Paris-Art.com ; Le Temps, éditions La Trame, Bruxelles; Eric Aupol, Photographies 2000–2004, Images en Manœuvres Editions, 2003 ; - Eric Aupol, Photographies, Résidences de l’art en Dordogne, Le Festin ; Chiaroscuro, View On Color, N°21, novembre, 2002; I am the passenger, Beople N°4, 2002; Prix Altadis 2001, publication d'une monographie chez Actes Sud en mars 2002, textes de Emmanuel Fessy et Dominique Baqué

 

Der französische Fotokünstler Eric Aupol fotografierte in einer „Artist in Residence-Week“ auf Einladung des Kulturzentrums bei den Minoriten im Herbst 2006 Menschen im Grazer Gegenlicht. Gesichter im Format eines Passfotos erzählen, ihre Physiognomie ist im Gegenlicht kaum erkennbar, von ihren prekären Schicksalen. Sie stammen aus Tschetschenien, Irak, Ruanda und anderen politisch und wirtschaftlich zerstörten Ländern und leben derzeit in unsicherem Lebensraum; in Graz, wie Schatten an einem fremden Ort. Anfänglich zerrinnt die Dichte der Photografie in eine schwarze Abstraktion, in einen distanzierten Blick. Sie zwingt den Betrachter sich dem Gesicht anzunähern, die Präsenz dieser Frauen und Männer auszuhalten, ihre Gesichtszüge zu ertragen, ihre Details in der Physiognomie und in ihrer Kleidung zu erkennen, um einmal dorthin vordringen zu können, was in ihren Gesicht geschrieben steht.
Diese Serie ist für Eric Aupol, der sich bisher vor allem mit Räumen und dem Wiedergewinnen ihres Gedächtnisses beschäftigt hat, eine neue Werkphase, die er auch in anderen Städten Europas fortsetzen möchte.

 

Kurt Straznicky, Schattenköpfe, 2003-2006, Höhe: 8-12 cm, Foto: Rupert Steiner

Kurt STRAZNICKY, Geboren 1959 in Graz, Medizinstudium (Promotion 1985), Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien (Diplom 1993). Seit 1999 Lehrauftrag für Anatomie an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Viele Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum. Publikationen u.a. Kurt Straznicky "Innen ein Bild" (2003); „Nur für Schwimmer“, (2006).

 

 

 

Der in Wien lebende Bildhauer Kurt Straznicky stellt Schattenköpfe in Form von Hohlkörpern in Kunstharz frei. Oder er gefriert im gleichen Material Schattenbilder zu Anschauungsobjekten mit beinahe reliquialer Valenz. Den Entstehungsprozess eines Kopfes, gleichsam als Geburt, zeigt er bereits im Minoritensaal in der Videoarbeit „Der Heilige Antonius in der Wüste“, aus dessen Kopf werden schließlich pulsierende Schattenfiguren geboren. Eine neue Arbeit entsteht als Figuren-Hohlraum im Block, der vom Schatten bemächtigt wird.

In transparenten Kunstharzkörpern sind deutlich, manchmal auch nur vage, Figuren zu erkennen. Sie üben eine seltsame Magie aus. Sie gleichen in Bernstein erstarrten Lebewesen und wirken auf den Betrachter wie Erinnerungsbilder über verronnene Zeiten. Diese „Schattenkopien“ liegen erstarrt im Kunstharz, wenngleich sie nie den Eindruck von Stillstand erwecken. Ein Spiel mit der Wahrnehmung setzt ein, da die Figuren zwar erkennbar sind, sich aber gleichzeitig entfernen. Umgeben von einem Körper aus durchsichtigem Material schützen sie ihren verletzlichen Kern.
 

Christian Eisenberger, Entwursobjekt für den "Luster II" im Stiegenaufgang zum Minoritensaal

Christian Eisenberger, geboren 1978; Studium bei Brigitte Kowanz in Wien; Eisenberger platziert seit 1999 in Graz, Wien, aber auch in Venedig und in weiteren Städten Europas Kartonfiguren, die oft nur wenige Minuten lang bleiben durften. Sein Bekenntnis zu armen Materialien erinnert an die arte povera von einst, die Subversivität seiner temporären Papp-Schatten ist allerdings zutiefst politisch. Christian Eisenberger kann auf internationale Ausstellungen verweisen, 2004 erhielt er den Ankaufspreis des Landes Steiermark.

 

Christian Eisenberger arbeitete dis dato über weite Teile seines künstlerischen Schaffens anonym, mit den billigsten Materialien, die denkbar sind: Pappkarton, Klebeband und Müll. Für den Aschermittwoch 2007 konstruiert Christian Eisenberger im Stiegenaufgang zum Minoritensaal ein Konglomerat aus Pappe, Klebestreifen und Neonröhren in bewährter Nachbarschaft zum bestehenden signifikanten gläsernen Luster. Die Gesichter, die diese "Wolke" - ein "High Society Star Trek" – zieren werden, sind die des Papstes, Che Guevaras und Eisenbergers prägenden Großvaters.
 

 

Adam Fuss, From the Series My GHOST, 2000 Daguerreotype 8 x 10" (20.3 x 25.4 cm) Private Collection

Adam Fuss, geboren 1961 in London, ist in Südengland und Australien aufgewachsen. Seit 1990 gehört er weltweit zu den anerkanntesten Fotokünstlern. Jahr für Jahr hat er mit neuen Bilderfindungen grundlegende Themen und Fragen sowohl der alten als auch der zeitgenössischen Fotografie berührt.

 

Adam Fuss, einer der international anerkanntesten Fotografen der Gegenwart, versucht in einprägsamen Bildern, das Leben und den Tod festzuhalten. Man blickt bei den farbigen Spiralen in Tunnels, die auf Schwindel erregende Weise in die Tiefe führen. Schlangen, die Wellen im Wasser erzeugen und Säuglinge, die vom fotografischen Licht geröntgt erscheinen, stellen die Verletzlichkeit des Lebens dar. Ein weiß silhouettiertes Kaninchen, Schatten silbriger Kinderkleider, eine weinend nach vorn gebeugte Frau oder Lichtreflexe fliegender Vögel haben für ihn zuletzt unter dem Titel „My Ghost“ die Anwesenheit des Todes markiert. Fuss’ künstlerische Arbeit besteht durchweg aus Unikaten. Technisch handelt es sich um farbige oder schwarzweiße Fotogramme und hochglänzende, auf Silberplatten belichtete Daguerreotypien. Für das "Schattenprojekt" zeigt die Minoriten Galerie Unikate aus der Sammlung der Kunsthalle in Bielefeld und der Galerie Xavier Hufkens in Brüssel.

 

 

 
Projektsponsor: GRAZER BESTATTUNG
   

 

 
 
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