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Mit Constantin Luser, Martin Bruch, Klaus Mosettig und Günther Pedrotti zeigen die Minoriten-Galerien und die KHG vier Positionen, die eine Leitlinie des diesjährigen steirischen Herbstes künstlerisch aufgreifen. >>

 

 

Bild: Klaus Mosettig, Kuhfladen #3, 2006, Bleistift auf Papier, 150x200 cm

 

 

 

Minoriten-Galerien/Mariahilferplatz

Vernissage 20.9. 2006, 19.30 Uhr

geöffnet: MO-FR 10-18 Uhr u.n.V. bis 3.11.

Kurator: Johannes Rauchenberger

 

„Wir leben in einem neuen Biedermeier.“ Das ist die Zeitdiagnose von Klaus Mosettig. Folgerichtig macht er seine Kunst, nicht ohne Selbstironie, vor allem auf dem heimischen Balkon. Als „Alter Deus sive Artifex“ arbeitet er in seinem Künstleratelier, das einem Gewächshaus gleicht, im obersten Stock auf einem Wiener Gemeindebau der 50-er Jahre, den man früher den Künstlern und nicht den Bankern vorbehalten hat.
Er sieht sich als Bildhauer, wiewohl er längerfristig Pflanzen, Apfelbäume oder auch Ameisen züchtet: mit Wachs- oder Marterwerkzeugen für blühende Apfelbäume, die schon auch mal dürr werden können, wenn es ihnen zu viel wird, mit einem System aus Plexiglaskuben, in denen zigtausende Ameisen zu Mitarbeiterinnen seiner Bildhauerwerkstatt werden. Mosettigs Skulpturbegriff, den er als Schüler von Bruno Gironcoli folgerichtig in der Zeitstruktur weiterentwickelt hat, ist aber am Gesellschaftlichen selbst orientiert. Sein Material ist zwar das Natürliche selbst, aber darin wird es unversehens zur Metapher. Wenn wir also weder Künstler noch Banker noch Metternichs Nachfahren sein sollten, so dürfen wir uns wenigstens als Voyeure am todernsten Spiel betätigen. Die auf den ersten Blick fast schon romantisch wirkenden Arbeiten sind von ambivalenter Gewalt und Abhängigkeitsverhältnissen geprägt. Klaus Mosettig verfängt uns in einen scheinbar weichen Blick wie die weiche Miene des Bleistifts, mit der er Riesenzeichnungen von Ameisenhaufen, Wespennestern, Kuhfladen, Getreidefeldern im Schatten von Atommeilern anfertigt. Die Qual ihrer scheinbaren Friedfertigkeit wird jäh unterbrochen von eruptiven Schimpforgien: "Denn so lässt man sich einfach nicht gehen". - Schließlich benötigt auch die eigene Arbeit immer wieder ein dialektisches Korrektiv.
Anders gesagt, die Zeit, die der Künstler der Kunst abverlangt, verlangt den Kontrollverlust. Oder: es ist Zeit, der Kontrolle des Funktionalismus das Anarchische von Mosettigs Idylle entgegenzusetzen: Kunst als Möglichkeit zum vorgreifenden Denken, zur buchstäblichen Vor-Sicht für ihre mögliche dynamisierende Wirkung. „Niemals Genuss ohne Bitterkeit“ (Giordano Bruno) ist der hintergründige Titel für diesen Prozess.
 

  Klaus Mosettig: geb. 1975 in Graz, 1993/94 Meisterschule für Malerei, Graz (Klasse Gerhard Lojen); 1994-2000 Akademie der bildenden Künste Wien (Diplom in Bildhauerei, Klasse Bruno Gironcoli); 1998/99 Gerrit Rietveld Academie Amsterdam; 2000 Würdigungspreis und Arbeitstipendium des BMBWK; 2005 Walter Koschatzky Kunstpreis, 1. Preis. Weitere Info: http://www.klausmosettig.mur.at/  
   

 

 
 
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