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Willkommen beim
Minoriten-Herbstprogramm!
Controlling
heißt unser Ausstellungsschwerpunkt, der ab 20. September zu sehen sein wird
und an vier Orten, sowie an öffentlichen Plätzen stattfinden wird. Nicht,
dass wir Buchhalter geworden wären oder dezentrale Steuerungsstellen, die
qualitätssichernde und effizienzsteigernde Maßnahmen installieren wollten –
nein, die Ausstellung Controlling ist eine ironisch-lächelnde Schelte
– ob subtil in grafischen Strukturen oder ziemlich deutlich in eruptiven
Schimpforgien – gegen jene (un-)geschriebenen Gesetze, denen wir meinen uns
ausliefern zu müssen.
Controlling bedeutet zwar – in der letzten Phase des
Wahlkampfs zur Nationalratswahl – nicht Wahlbeobachtung, aber sollte doch
ein Statement sein zur Verfasstheit unserer Gesellschaft. Controlling kann
auch als künstlerischer Einwurf zu den Evaluierungen verstanden werden,
denen sich Kulturinstitutionen in letzter Zeit auszuliefern hatten; die
Rechnung wird demnächst präsentiert werden.
Es weht also ein kräftiger Herbstwind gegen das „Kamma halt
nix machen“, auch oder gerade weil eine Zeitdiagnose eines ausstellenden
Künstlers hier lautet: „Wir leben in einem neuen Biedermeier“ (Klaus
Mosettig).
Heimatliche
Idyllen, (davon werben nicht nur Wahlkampfplakate oder „spitzenpolitische“
Wandertouren der letzten Wochen), wie meisterlich mit Bleistift gezeichnete
zwei Meter große Kuhfladen, werden plötzlich gekippt. Wie, das sehen Sie in
den Minoriten-Galerien. Die richtige Zeit, der wir uns wohl oder übel fügen
müssen – auch wenn wir den Minoritensaal besuchen – treibt ihren eigenen
Zeitfluss voran und spielt mit unserem Zeitgefühl (Günther
Pedrotti).
Der
anerkannte Münchener Soziologe Kurt Weis hält passend zu dieser Installation
am 11. Oktober einen Vortrag zum Thema „Leben wir in Zeitgefängnissen?“.
Sich durch Vernetzungen buchstäblich gefangen nehmen zu lassen, ist der
künstlerische Kick von
Constantin Luser (2005 Kunstpreisträger der
Diözese Graz-Seckau) den wir im Priesterseminar präsentieren. Sein
subjektives „mind-mapping“ wird in zwei Kuben, einem hellen und einem
dunklen, von außen und von innen erfahrbar.
Es
gerät zur lustvollen „Augenfahrt“. Controlling kann schließlich auch
Privates erfassen: Der von der KHG im Rahmen des Semesterschwerpunkts
„Lebenskunst“ eingeladene Künstler
Martin Bruch, der durch MS an
den Rollstuhl gefesselt ist, zeigt mehr als tausend Schnappschüsse von
geöffneten Kofferräumen.
Zu
sehen sind kurze Öffnungen eines privaten Stauraums, als „fahrbare
Installation“ vom Laderaum eines LKWs aus projiziert, der an verschiedenen
Orten in Graz geparkt werden wird.
Den Ausflug in andere Orte zeichnet auch die Reihe
„Schreiben. Positionen aus Südosteuropa“ aus:
„Women of the Ruins“, eine
Klanginstallation sowie ein Frauen-Schrei- und Klagechor besetzen die
Baulücke des abgebrochenen Kommod-Hauses am 14. und 15. September. In der
gleichen Reihe liest Georgi Gospodinov, einer der bekanntesten bulgarischen
Literaten, am 20. Oktober unter „Gaustín Goes Graz“:
Der
Künstlername ist übrigens ein Verschnitt aus dem Namen des italienischen
Revolutionsführers Garibaldi und dem des Heiligen Augustinus. „Literatur vor
Ort“ präsentiert am 19. September mit „Stiften
Gehen“
die
beiden jungen Autorinnen Linda Stift und Andrea Stift. Und die
erfolgreiche Reihe „Spoken
Poetry“ wird mit den irischen Rappers Stephen
Murray und Neil McCarthy am 5. Oktober fortgesetzt.

Der Protagonist einer erweiterten postmodernen Musiksprache
jenseits aller Beliebigkeit,
Hans Zender,
der
im November für einige Wochen an der Grazer Musikuniversität lehrt, wird mit
einem Geburtstagsgruß zu dessen 70. Geburtstag am 17. Oktober bei den
Minoriten beehrt. ARIA – neue
Werke für Frauenstimme (Pirjo Kalinowska)
und
Soloinstrument versammelt „die andere saite“ am 23. Oktober. Texte von
Gottfried Benn, Hannes Waltl, Arno Schmidt, Olga Flor, und Sonja Harter
bilden die Grundlage für Kompositionen von Hermann Markus Preßl, Peter
Lackner, Elisabeth Harnik, Florian Geßler und Charris Efthimiou.
Für unser Junges Publikum ab fünf spielt das Theater
Trittbrettl am 20. und 21. Oktober die japanische Legende von den „Drei
Rätseln“.
Tom
Klengel zeichnet bei der Präsentation der zweiten CD-ROM der Kinderbibel,
die – nach der Weihnachtsgeschichte – dem Leben Jesu gewidmet ist, mit und
für Kinder am 28. Oktober in den Minoriten Galerien.
Passend zu Allerheiligen (30. Oktober bis 1. November)
schließlich findet
Konrad Paul Liessmanns Herbstvorlesung
in
Kooperation mit der Akademie Graz zur „Zukunft – Über säkularisierte
Heilserwartungen“ statt. Den ungedingten Willen zum Neuen, zur
Zukunftsfitness, zum Wachstum, zu Zukunftsmärkten gilt es philosophisch
kritisch unter die Lupe zu nehmen. Wenn Sie so wollen: ein reflexiver
Lassowurf zu dem, was wir mit „Controlling“ begonnen haben.
Seien Sie herzlich willkommen.
Johannes Rauchenberger |