KUNST ZU GLAUBEN

Ein Symposium über die Glaubwürdigkeit der Kunst und die Kunstwürdigkeit des Glaubens 

Dass Kunst und Glaube sich höchstens aus der Ferne noch grüßen, scheint mittlerweile als wehleidige Randbemerkung in die Jahre gekommen zu sein. Nach den Beerbungen von Religion, Werten und Traditionen, die sich unsere moderne Gesellschaft zu Eigen gemacht hat, ist ihr Selbstverständnis dennoch auf eine fragile Wenigkeit zurückgeschrumpft. Die viel zitierte Wiederkehr des Religiösen wird deshalb vor allem als bedrohliche Aufrüstung für ein säkulares Innenleben empfunden. Tatsächlich gibt sich ganz offensichtlich die Wiederkehr des Religiösen im Windschatten von Fundamentalismus und Gewalt zu erkennen.


Vor diesem Hintergrund versucht das Symposium KUNST ZU GLAUBEN die andere Seite dieses Phänomens auszuleuchten: dass der Akt des Glaubens eine Art von Kunst ist. Wenn dem so ist, so begibt sich der Glaube in die Nähe der Schönheit, der Erhabenheit, des Trostes, der Schelte und der Inspiration.


Es geht nicht darum, die Fremdheit von Kunst und Glauben erneut auszurufen, sondern die jeweils eigene Fremde als denkbaren Beweggrund zueinander auszuloten. Die Nähe der Fremdheit als mögliche Allianz wider die Banalität für eine erschöpfte Gesellschaft.

 

Gewidmet war dieses Symposium Bischof Egon Kapellari aus Anlass seines 25-jährigen Bischofjubiläums und seines 70. Geburtstages. Als Verantwortlicher der Österreichischen Bischofskonferenz für Kunst und Kultur gehört Bischof Egon Kapellari europaweit zu den exponiertesten Vertretern der Kirche im Dialog mit den Künsten. Er nahm an beiden Tagen des Symposiums als Gast teil.

 

>> Rückblick: Video on Demand von KUNST ZU GLAUBEN (5./6. Mai)

 

>> Die PRESSE:

Aus gemeinsamer Urfremde zur Allianz wider die Banalität (Almuth Spiegler, 7. Mai 2006)

 

ORT: MARIAHILFERKIRCHE MINORITENSAAL  Mariahilferplatz 3

 

Konzept: Dr. Johannes Rauchenberger, Dr. Harald Baloch, Dr. Birgit Pölzl, Florian Geßler, Alois Kölbl

 
KUNST ZU GLAUBEN - am Abend:  

VESPER mit Bischof  Egon Kapellari in der Mariahilferkirche

Zu Beginn des Symposiums wird eine Vesper in der Maria-hilferkirche gefeiert. Ihre Gestaltung verbindet Tradition und Gegenwart: Elemente von Hermann Markus Pressls Vesper (uraufgeführt vor 25 Jahren beim Steirischen Katholikentag 1981), Claudio Monteverdis Marienvesper, Hymnen von Anton Heiller und eine Uraufführung des Psalms 121, komponiert von Günter Meinhart.
Mitwirkende Chöre sind: der Grazer Domchor (Dirigent: Domkapellmeister Josef M. Döller), das Vokalensemble „tonus“ und Musica con Grazia (Dirigent: Herbert Bolterauer), studio percussion Graz.
Der österreichische Schriftsteller Julian Schutting umspielt die Ostergeschichte literarisch neu.

 

In den Abendstunden findet im Minoritensaal der Vortrag des Symposiums statt. Andrea DE SANTIS, Professor für Philosophie und theologische Ästhetik an der Universität Sant´ Anselmo in Rom, spricht über „Die nahe Fremde. Um Kunst und Religion“.
Einem wörtlich verstandenen „SYMPOSION“ entsprechend wird anschließend Essen gereicht und über das aufgetragene Kulinarische kurz, über das wörtlich Vorgetragene intensiv gesprochen. In einem zweiten Gang bringen Tischsprecherinnen und -sprecher Debattenbeiträge und Anfragen an den Vortragenden ein.

Das Essen hat die Form eines Empfangs für Bischof Egon KAPELLARI durch den Bürgermeister der Stadt Graz Siegfried NAGL.

 

„Leben ist von Anbeginn Entfremdung, die sich im Tode als unüberwindbar enthüllt. Schon die Geburt deutet auf die fremd gewordene Einheit zwischen Mutter und Kind. Als Gäste und als Fremdlinge werden wir geboren, in der Welt ausgesetzt und uns selbst anheim gegeben. Diese Urfremde ist doppelt, sie ist nicht nur etwas anderes, sondern auch etwas eigenes, die Fremde des Eigenen und das Eigene der Fremde. Kunst und Religion erscheinen als ursprüngliche Beziehungsformen zur eigenen Fremde und zum fremden Eigenen. Sie gelingen in ihrer Bestimmung nur, wenn sie diese Spannung zu bewahren meistern und sie weder als Identisches auflösen noch als abs-traktes Anderssein verlieren. Kunst und Religion dürfen und vermögen die ihnen eigene Fremde und die ihnen fremde Eigenheit nur augenblicklich aufheben. Sie sind zugleich Gäste und Gastgeber des Fremden, nehmen das Fremde als Gast auf und lassen sich als Gäste in der Fremde ein.“

 

 

 

FREITAG, 05. MAI
17.00 UHR MARIAHILFERKIRCHE
VESPER mit Bischof Egon Kapellari
BETRACHTUNG ● Julian SCHUTTING
ELEMENTE ZEITGENÖSSISCHER UND TRADITIONELLER SAKRALMUSIK ● Domchor Graz + Studio Percussion + Vokalensemble „tonus“ und Musica con Grazia

 

VORTRAG  Andrea De Santis  „Die nahe Fremde. Um Kunst und Religion“
GESPRÄCH + GASTMAHL + EMPFANG durch Bürgermeister Siegfried Nagl

Andrea De SANTIS,
Philosoph und Theologe, lehrt Philosophie an der Universität Sant´ Anselmo in Rom.

 

KUNST ZU GLAUBEN - am Morgen  

I. Vernissage: Hannes Priesch

 

Hannes Priesch, ein in New York lebender steirischer
Künstler, reagiert in seinem künstlerischen Beitrag im Stiegenaufgang zum Minoritensaal auf die beängstigende Verquickung von Religion, Politik und Gewalt, wie er sie täglich im aufkeimenden religiösen Fundamentalismus in Amerika erlebt. Seine seit Jahren gemalten Schriftbilder setzt er hier als Raum-Installation um. Als Reaktion auf den Barock wagt es Hannes Priesch – als Vertreter der Jungen Wilden der 80-er Jahre eine beachtliche Reminiszenz – Gottvater daselbst zu malen. Aus dessen Mund quellen die Kabel, die an verschiedenen Orten im Raum bei Lautsprechern enden und die den Text eines DEUS DIXIT
hörbar machen. Dtn 32, 29-42 zeugt von der Mächtigkeit, der Gewalt, der Heilung des einzigen Gottes.
Hannes Priesch nennt seine Schriftarbeiten Auseinandersetzungen mit dem Erbe unserer Kultur. Sie decken das Gewaltpotential der Religion anhand ihrer Urtexte auf und warnen vor einer wortwörtlichen Leseweise. Die Texte sind allerdings so ausgewählt, dass sie dem Rezipienten die rechte Interpretation zuweisen.

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SAMSTAG, 06. MAI
10.00 UHR MINORITEN Galerien im Stiegenaufgang zum Minoritensaal
VERNISSAGE ● Hannes PRIESCH „Ich als Moses als Gottvater“

 

 

 

 

 

 

„Mein liebliches Ich gebärt aus dem Krater der Mitte im Leib ein himmlisches Kind dessen Kopf eine Kindshand entfernt von seinem Halsrand leer steht den ich mit einer goldenen Kappe bedecke verbinde die an meiner Tanzhand schwebt. Später versorge ich es in meinem linken Oberarm wo sonst Füchse wohnen. Dann geh ich Kirschen saugen für mein Kind.“
 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Warum sagt niemand: Ich verheiße dir das Glück. Ich lasse deinen Namen über Wüsten leuchten. Ich hole dich aus dem Abgrund. Ich gieße Strahlen über deinen wunden Rücken.“
(„Darf man heute einsam sein“)
 

 

 

 

„auf ewig im moment gefangen: das farbenspiel an der wand (sprachlos im halbdunkel)“

11.00 UHR MINORITENSAAL
KURZLESUNGEN
 

Birgit KEMPKER  „Vater, wie hoch darf ich fliegen“

 

Bernadette SCHIEFER „Nichts wird dir fehlen“

 


Marcus POETTLER  „existenz:kampf (ein fresko)“


 

Die Brisanz dieser Frage ist durch Antworten allein schwer zu entschärfen: Nicht Kunst aus der Analogie zur Religion zu bestimmen, sondern den Akt des Glaubens als eine Art von Kunst. Lässt sich Glaube durch Kunst fördern, weil er selbst Kunst ist?
Die Glaubenswissenschaft jedenfalls wäre dann noch vor ganz andere Herausforderungen gestellt als bei der Erwartung einer allgemeinen Wiederkehr der Religion.

 

11.30 UHR
STATEMENT + GESPRÄCH

Reinhard HOEPS „Hilft Kunst zu(m) Glauben bei (der) Kunst zu glauben?“

Reinhard HOEPS,
geboren 1954, Theologe, lehrt systematische Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und leitet dort die Arbeitsstelle für christliche Bildtheorie.
Derzeit ist er auch Dekan der Katholisch–
Theologischen Fakultät.

MODERATION:Hartwig BISCHOF, Theologe und Philosoph an der Universität Wien; Künstler

"Das Stück ist Klanginstallation und monumentale Skulptur zugleich. Das Klangmaterial, das auf die beiden Flügel übertragen wurde, basiert auf einer Aufnahme meiner Eltern beim täglichen, privaten Rosenkranz Gebet. Wer will, kann den Rosenkranz ja durchaus als den Vorläufer von Klanginstallation und Endlos-Loop ansehen... Und zur Skulptur: Meine Mutter ist das linke, mein Vater das rechte Klavier."

 

Peter Ablinger, Komponist der „Stadtoper GRAZ“ (2005) und bei den Minoriten seit Jahren immer wieder mit spannenden Arbeiten vertreten, verwirklicht einen lang gehegten Wunsch: er zeichnet eines der traditionellsten katholischen Gebete, das Rosenkranzgebet, akustisch nach. Dabei wird die bekannte respondierende Form auf der Basis einer Aufnahme der betenden Eltern des Komponisten auf zwei Flügel, die von hochauflösenden Klavierautomaten gespielt werden, übertragen. Ergebnis ist ein faszinierendes akustisch-optisches Zusammenspiel, das als konzertante Aufführung das Symposium beendet, aber selbst weiterspielend als begehbare Klanginstallation in den Nachmittag reicht…

 

 

"KONZERT": 12.30 UHR, open end (endlos weiterspielend)

Peter ABLINGER  Quadraturen III („Wirklichkeit“)  „Portrait meiner Eltern“
Endlos–Schleife für 2 Selbstspielklaviere in Zusammenarbeit mit Winfried Ritsch


16.00 UHR MINORITEN Galerien im Priesterseminar, Bürgergasse 2
KURATORENFÜHRUNG durch die Ausstellung marta deskur - not to be touched mit Adam BUDAK + Johannes RAUCHENBERGER

   

Die zum Symposiumsthema passende Ausstellung der polnischen Künstlerin Marta Deskur in den Minoriten-Galerien im Priesterseminar:

Deskur zeigt Menschen, ihre sozialen Rollen – und ihre Bilder in Beziehung zur Modernität, zur Identität und zur Spiritualität. Ihre kritischen Annäherungen zu den Stereotypen von Familienbeziehungen, zu religiösen und identitätsstiftenden Codes haben eine unbeschwerte feminine Schärfe und gleichzeitig spirituelle Tiefe. Fast alle ihre Werke basieren auf christlichen Urbildern.

 

 

 

AUSSTELLUNG MARTA DESKUR. NOT TO BE TOUCHED