Die Vortragsreihe wird von der Ausstellung von Barbara Philipp: DAS SCHLARAFFENLAND umrahmt, die der Beitrag der Minoriten zum Schwerpunkt "Paradies - Jagd nach dem Glück" von instyria.at bildet.

Im Jahr 2003 begann die Zusammenarbeit des Kulturzentrums bei den Minoriten mit WissenschaftlerInnen von Grazer Universitäten, gemeinsam rief man ein neues Veranstaltungsformat ins Leben. Man wollte akademisches Nachdenken und wissenschaftliche Diskussion an einen öffentlich kulturellen Ort binden. Und es gelang. Auch dieses Jahr setzen wir mit der Vorlesungsreihe „Überlebensstrategien“ den Diskurs mit Universitäten, Kultur und Öffentlichkeit weiter fort.

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PROGRAMM

Montag 24.04. 19.00 Uhr
Ausstellungseröffnung „Das Schlaraffenland: COCANIA _ Land for many – land of plenty“ von Barbara Philipp

Markus Schlagnitweit
Überleben am Ende der Arbeitsgesellschaft: Grundeinkommen für alle!



Mittwoch 03.05. 19.00 Uhr
Gerlinde Malli / Diana Reiners /Gilles Reckinger
Biografische Brüche Jugendlicher und ihre Umgangsstrategien



Mittwoch 10.05 19.00 Uhr
Judith Schwentner
Neuland


Klaus Starl
Weltweite Migration und Menschenrechte



Mittwoch 17.05. 19.00 Uhr
Klaus Posch
Von der Tugend der Tapferkeit
Überleben in der Sozialen Arbeit


Elisabeth Katschnig-Fasch
Wider die Zerstörung



Mittwoch 31.05.
Elisabeth List / Sebastian Ruppe
Überleben und Weiterleben mit Behinderung



Mittwoch 07.06.
Sonja Jagoditsch / Harald Lothaller
Wenn Familie und Beruf kollidieren… Konsequenzen von Vereinbarkeitsschwierigkeiten und praktische Lösungsstrategien


Sandra Beaufaÿs
AkademikerInnen als Eltern – Von der „Vereinbarung“ zur Verausgabung

 


 

 

In den Blick geraten diesmal kreative Überlebensstrategien, mit deren Hilfe Menschen in verschiedenen Lebensbereichen Wege zum Überleben finden, und die dafür förderlichen oder hinderlichen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen.

Die interdisziplinäre Veranstaltung geht damit einen weiteren Schritt hinter die Frage nach dem „guten Leben“ („Puzzle Leben“ 2004) als Grundfrage menschlichen Lebens zurück und bedenkt die Voraussetzungen dafür, dass Menschen sich ethische Fragen zu stellen in der Lage sind und genug Reflexions- und Handlungsspielraum besitzen, um soziale und politische Verantwortung zu übernehmen. Grundlegende materielle Absicherung, Zukunftsperspektiven Jugendlicher, barrierefreie Alltagsbewältigung, Leben als MigrantIn, Bewältigung täglicher Herausforderung zwischen Familien- und Berufsarbeit und die Tapferkeit und der Widerstand derer, die diese offenen Fragen sehen und bearbeiten, sind die ausgewählten Themen aus dem großen Feld der Überlebensstrategien von unterschiedlicher Gestalt.

Diese interdisziplinäre Veranstaltungsreihe findet wiederum in einem Kunstkontext statt, der jenes Umfeld thematisiert, an dem die genannten Überlebensstrategien scheitern können: Die Welt des Massenkonsums, die sich als immanenzerstickendes Paradies präsentiert. Die aus Graz stammende und in den Niederlanden lebende Malerin und Performancekünstlerin Barbara Philipp verwandelt drei Räume der in den Minoriten Galerien in ein „Schlaraffenland“. In ihm wird gepflückt, still gegessen und blind imaginiert.

 

 

 

 

 

Markus Schlagnitweit ist Theologe und Sozialwissenschafter (Schwerpunkt Sozialethik) und seit 2005 Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs.

Anschließend:Markus Schlagnitweit

Überleben am Ende der Arbeitsgesellschaft: Grundeinkommen für alle! 

 

Die aktuellen Verwerfungen in der Arbeitswelt kündigen das Ende der neuzeitlichen, erwerbsarbeitszentrierten Gesellschaftsordnung an. Ein Sozialsystem, das auf einer engen Koppelung von sozialer Sicherheit an Erwerbsarbeit aufbaut, erscheint vor diesem Hintergrund dringend reformbedürftig, ein Umbau in Richtung Relativierung der Bedeutung von Erwerbsarbeit geboten – als mittel- bis langfristige Überlebensstrategie des „europäischen Sozialmodells“, das sich bislang durch ein hohes Maß an sozialer Sicherheit und politischer Stabilität bewährt hat.

 

 

 

Gerlinde Malli ist Soziologin und Kulturantropologin. Gilles Reckinger ist Kulturantropologe. Diana Reiners ist Kunsthistorikerin und Kulturantropologin.
Die Vortragenden sind VerfasserInnen der Studie „BÜRGERSCHRECK PUNK. Lebenswelten einer unerwünschten Randgruppe“ (2006) im Auftrag der Stadt Graz und arbeiten im Rahmen eines DOC-Team Stipendiums der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an einem Dissertationsprojekt über soziale Umbrüche in jugendlichen Lebenswelten.
 

Mittwoch 03.05. 19.00 Uhr
Gerlinde Malli, Diana Reiners, Gilles Reckinger
Biografische Brüche Jugendlicher und ihre Umgangsstrategien

 

 

Welche Auswirkungen haben die gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungen auf die Lebensrealitäten Jugendlicher, wie gehen sie damit um, welche Handlungsspielräume bleiben ihnen? Gerade Jugendliche scheinen die Eigenschaften des „flexiblen Menschen“ zu verkörpern, anpassungsfähig, belastbar, mobil und ungebunden zu sein. Anstelle von unbegrenzten Wahlfreiheiten erwartet aber jene, die nicht über genügende symbolische und ökonomische Kapitalien verfügen, Prekarität, Austauschbarkeit und Entbehrlichkeit. In einer besonders sensiblen Lebensphase gefährdet die Erfahrung der Uneinlösbarkeit des Erfolgsdrucks die kulturelle Identität. Anomische oder selbstzerstörerische Reaktionen vertiefen aber die Spirale der Marginalisierung sozial benachteiligter Jugendlicher.

 

 

 

Judith Schwentner ist Germanistin und Slawistin und seit 2004 Chefredakteurin des „Megaphon“ in Graz.
Klaus Starl ist Sozial- und Wirtschaftswissenschafter und Geschäftsführer des Europäischen Trainings- und Forschungszentrums für Menschenrechte und Demokratie in Graz.
 

Mittwoch 10.05. 19.00 Uhr

Judith Schwentner
Neuland

Alles hinter sich lassen und ankommen im Nichts: Wie (über)leben Menschen in einem Land, in dem sie eigentlich nicht erwünscht sind. Was hilft ihnen, sich zurechtzufinden, den Alltag zu bestreiten, ein Auskommen zu haben. Welche sozialen Netzwerke fangen Menschen in dieser Situation auf bzw. wie finden sie ihren Weg durch die ihnen fremde Gesellschaft?
Und: Was macht einen Megaphon-Verkäufer zum Megaphon-Verkäufer?

Klaus Starl
Weltweite Migration und Menschenrechte
Die vielfältigen Ursachen und Motivationen für Migration stellen große Herausforderungen an das globale, regionale und nationale Menschenrechtssystem. Was kann das Menschenrechtssystem im Spannungsfeld zwischen erwünschter „Mobilität“ und unerwünschter „Migration“ leisten?
 

 

 

 

Klaus Posch ist Soziologe, Psychologe und Theologe und seit 2001 Studiengangsleiter „Sozialarbeit und Sozialmanagement“ an der Fachhochschule Joanneum in Graz.


Elisabeth Katschnig-Fasch ist Volkskundlerin und lehrt am Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie an der Karl Franzens-Universität Graz.
 

Mittwoch 17.05. 19.00 Uhr

Klaus Posch
Von der Tugend der Tapferkeit.
Überleben in der Sozialen Arbeit


Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sind berufsbedingt tagtäglich mit dem „Elend der Welt“ konfrontiert: wirtschaftlichem, sozialem, psychischem und existentiellem Elend, welches von ihren Klientinnen und Klienten erlitten, erduldet aber auch hervorgerufen wird.
Das in der Sozialen Arbeit notwendige Engagement droht auf Seiten ihrer Akteure stets in Überidentifikation zu kippen, welche der Feind intelligenter Analyse und intelligenter Praxis ist. Auf Seiten der medialen Öffentlichkeit wird soziale Arbeit je nach vermeintlicher Stimmungslage in der Bevölkerung verkitscht, verteufelt oder lächerlich gemacht. Sie sollte daher weitgehend ignoriert werden.
Um als Sozialarbeiter wirksam sein und zugleich psychisch und physisch überleben zu können, müssen sie gegenüber ihren Klienten und Auftraggebern und darüber hinaus sich selbst gegenüber achtsam sein und ihr Handeln sorgfältig reflektieren.
Die Ethik der Sozialen Arbeit als eine Ethik der Hilfe zum Überleben und des eigenen Überlebens hat ihre Grundlage demnach nicht in „Engagement“, „Solidarität“ und medial inszeniertem sozialen Kitsch, sondern in der Achtsamkeit ihrer Akteure gegenüber ihren Außen- und Innenwelten.

 

Elisabeth Katschnig-Fasch
Wider die Zerstörung

In diesem Beitrag soll das Gemeinsame der prekären Folgen der „neoliberalen Invasion“ in den unterschiedlichen Feldern – ob in der Familien- und Arbeitswelt, im Migrations- oder Behindertenbereich, im Kunstfeld, in jenem der Jugendlichen oder im Bereich der Sozialarbeit zusammenfassend verdeutlicht werden. So können die thematisierten Überlebensstrategien als Widerstand im unmittelbaren Alltags- und Berufsleben der Einzelnen verstanden und zu Strategien gebündelt werden – schließlich kann sich erst durch das Erkennen des Gemeinsamen in der Entwicklung des bedrohlichen Rückschritts ein kollektiver Entwurf zu einer höchst dringlichen gesellschaftspolitischen Utopie formulieren.

 

 

 

 

Elisabeth List ist Philosophin und lehrt am Institut für Philosophie der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Karl Franzens-Universität Graz.


Sebastian Ruppe ist Germanist und Romanist und seit 2004 Leitungsassistenz am Zentrum für soziale Kompetenz der Karl Franzens-Universität Graz.

 

Mittwoch 31.05. 19.00 Uhr
Sebastian Ruppe, Elisabeth List

Überleben und Weiterleben mit Behinderung

 

Elisabeth List:
Was ist Behinderung?
Theoretische Modelle, Praktische Standpunkte


„Normales“ Leben, dann plötzlich Behinderung. Mit Elisabeth List und Sebastian Ruppe kommen an diesem Abend zwei Angehörige der Universität Graz zu Wort, deren Leben sich in einem Fall durch eine langsam fortschreitende Erkrankung, im anderen Fall durch einen Unfall nachhaltig verändert hat. Welche Überlebensstrategien entwickeln Menschen an solchen Wendepunkten, wo bisherige Identitäten brüchig werden? Was rettet vor dem Sturz ins Bodenlose, wie können neue Kraft, neuer Sinn und neue Lebensperspektiven generiert werden auf dem Fundament einer in Frage gestellten Körperlichkeit? Wie reagiert die Umwelt? Welche Rolle spielen Staat, Gesellschaft und Politik für ein Weiterleben mit Behinderung?

 

 

 

 

Sonja Jagoditsch ist Psychologin, Harald Lothaller ist Psychologe am Institut für Psychologie/Abteilung für Sozialpsychologie an der Karl Franzens-Universität Graz. Beide sind an einem Forschungsprojekt zum Thema Familie und Berufsarbeit beteiligt.


Sandra Beaufaÿs ist Soziologin am Institut für Soziologie an der Karl Franzens-Universität Graz, Bereich Geschlechtersoziologie und Gender Studies.
 

Mittwoch 07.06 19.00 Uhr

Sonja Jagoditsch/Harald Lothaller
Wenn Familie und Beruf kollidieren…Konsequenzen von Vereinbarkeitsschwierigkeiten und praktische Lösungsstrategien


Die Zahl der freiwillig kinderlosen Paare in Österreich ist steigend. Aus „Familie und Beruf“ wird vermehrt die Frage „Familie oder Beruf“. Beides unter einen Hut zu bringen erfordert insbesondere von jungen Eltern große Anstrengungen. Der Vortrag behandelt folgende Fragen: Wie erleben Paare, die sich für Kinder und Karriere beider Partner entschieden haben, die daraus resultierende Mehrfachbelastung? Welche Auswirkungen hat die Mehrfachbelastung auf Familie, Beziehung und Gesundheit der Betroffenen? Was sind für die Eltern erfolgreiche Strategien bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?


Sandra Beaufaÿs
AkademikerInnen als Eltern – Von der „Vereinbarung“ zur Verausgabung

In die Phase des beruflichen Aufstiegs von AkademikerInnen fällt in der Regel auch die der Partnerwahl und der Familiengründung. Die Lebensaltersspanne zwischen ca. 30 und 45 ist damit eine in jeder Hinsicht extrem intensive Zeit – und dies gälte auch, wenn die besonderen beruflichen Anforderungen und die Kleinkindphase nicht aufeinander treffen würden. Hier von einer „Vereinbarkeit“ oder eine Balance zu sprechen, trifft die Sache nicht ganz, so viel steht fest.
Bisher wurde dieses Dilemma vor allem als ein Problem von Frauen gesehen, was es de facto auch ist, weil es ihnen zugeschrieben wird und sie es sich z. T. selbst zuschreiben. In diesem Vortrag soll es um die Zeitvorstellungen von young professionals gehen und damit um eine Lebensform, die Familie oder soziale Beziehungen als wesensfremd ausschließt. In diesem Credo und seiner praktischen Umsetzung liegt gleichzeitig einer von vielen Selektionsmechanismen, der Frauen den Zugang zu höheren Positionen versperrt.
 

 

 

 

 

VERNISSAGE + PERFORMANCE Montag, 24. APRIL 19.00 Uhr
VORLESUNGSREIHE Mo 24. APRIL und Mi 03. + Mi 10. + Mi 17. + Mi 31. MAI und Mi 07. JUNI jeweils 19.00 - 21.00 Uhr
VERANSTALTUNGSORT MINORITEN Galerien, 2. Stock, Mariahilferplatz 3, 8020 Graz

EINTRITT:
Für Studierende, die das Seminar mit einer Seminararbeit abschließen, ist die Teilnahme kostenlos.
Abo für alle 6 Abende: EUR 20,-
Abo ermäßigt (für Studierende und Ö1-Club-Mitglieder): EUR 10,-
Einzelkarte: EUR 5,00
Einzelkarte ermäßigt: EUR 3,00

FREIES WAHLFACH FÜR HÖRERiNNEN ALLER STUDIENRICHTUNGEN
Diese Lehrveranstaltung kann von HörerInnen aller Studienrichtungen als freies Wahlfach gewählt werden (LV Nr. 002.006). Dafür ist kontinuierliche Anwesenheit und eine schriftliche Seminararbeit über ein Vortragsthema eigener Wahl in Absprache mit dem Betreuer/der Betreuerin zu verfassen; die Betreuung erfolgt durch die/den fachlich nächststehende/n Universitätslehrer/in.
Information für Studierende: elisabeth.pernkopf@uni-graz.at oder 0316 380 6180

INFORMATION: http://www.minoritenkulturgraz.at bzw. 0316-711133-29

KONZEPT + WISSENSCHAFTLICHES LEITUNGSTEAM
Elisabeth List (Inst. f. Philosophie/Geisteswissenschaftliche Fakultät, KF-Uni), Jörg Schaur (Inst. f. Molekularbiologie, KF-Uni), Helmut Hönig (Inst. f. Organ. Chemie/TU), Gottfried Dohr (Inst. f. Zellbiologie, Histologie und Embryologie, Med-Uni), Otto König (Inst. f. Dogmatik, KF-Uni), Richard Sturn (Inst. f. Finanzwissenschaft u. Öffentl. Wirtschaft, KF-Uni), Elisabeth Pernkopf (Inst. f. Philosophie/Theolog. Fakultät, KF-Uni), Johannes Rauchenberger (Kulturzentrum bei den Minoriten)

GESAMTKOORDINATION Elisabeth Wimmer (Kulturzentrum bei den Minoriten)

 

 


 

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