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Hannes Priesch, ein in New York lebender steirischer Künstler, reagiert in seinem künstlerischen Beitrag im Stiegenaufgang zum Minoritensaal auf die beängstigende Verquickung von Religion, Politik und Gewalt, wie er sie täglich im aufkeimenden religiösen Fundamentalismus in Amerika erlebt. Seine seit Jahren gemalten Schriftbilder setzt er hier als Raum-Installation um.

 

Hannes Priesch, ICH ALS MOSES ALS GOTTVATER
Text: Deuteronomium 32, 39-42 (Moseslied),

2006, Acrylfarbe auf Leinwand, Lautsprecher, Kabeln, CD, Installation im Stiegenaufgang zum Minoritensaal, 5. Mai - 30. Juni 2006, Foto: Johannes Rauchenberger

Hannes Priesch, IN HOC SIGNO VINCE! (Kaiser Konstantin),
2006, Stofffarben mittels Airbrush auf maritimen Tarnmusterstoff,
Installation im Stiegenaufgang zum Minoritensaal, 6.5.-30.6.2006, Foto: Johannes Rauchenberger

 

 

 

 

Als Reaktion auf den Barock wagt es Hannes Priesch – als Vertreter der Jungen Wilden der 80-er Jahre eine beachtliche Reminiszenz – Gottvater daselbst zu malen. Aus dessen Mund quellen die Kabel, die an verschiedenen Orten im Raum bei Lautsprechern enden und die den Text eines DEUS DIXIT
hörbar machen. Dtn 32, 39-42 zeugt von der Mächtigkeit, der Gewalt, der Heilung des einzigen Gottes.
Hannes Priesch nennt seine Schriftarbeiten Auseinandersetzungen mit dem Erbe unserer Kultur. Sie decken das Gewaltpotential der Religion anhand ihrer Urtexte auf und warnen vor einer wortwörtlichen Leseweise. Die Texte sind allerdings so ausgewählt, dass sie dem Rezipienten die rechte Interpretation zuweisen.

 

 

 

 

39 Jetzt seht: Ich bin es, nur ich, / und kein Gott tritt mir entgegen. / Ich bin es, der tötet und der lebendig macht. / Ich habe verwundet; nur ich werde heilen. / Niemand kann retten, wonach meine Hand gegriffen hat.
40 Ich hebe meine Hand zum Himmel empor / und sage: So wahr ich ewig lebe:
41 Habe ich erst die Klinge meines Schwertes geschliffen, / um das Recht in meine Hand zu nehmen, / dann zwinge ich meinen Gegnern die Strafe auf / und denen, die mich hassen, die Vergeltung.
42 Meine Pfeile mache ich trunken von Blut, / während mein Schwert sich ins Fleisch frisst - / trunken vom Blut Erschlagener und Gefangener, / ins Fleisch des höchsten feindlichen Fürsten.

Dtn 32,39-42

  Hannes Priesch
Der 1954 in Eggersdorf/Graz geborene Hannes Priesch war in den 80er Jahren einer der wesentlichen Vertreter jener jungen Künstlergeneration von Anzinger, Brandl, Mosbacher bis Schmalix, die unter dem Begriff der Neuen bzw. Wilden Malerei Furore machte. Priesch, der schon früh durch experimentelle Ausstellungen in der Wiener Galerie nächst St. Stephan aufgefallen war, verfolgte aber immer einen konzeptuellen Weg, indem er sich mit dem Ausstieg aus dem konventionellen Tafelbild und der Überschreitung der Grenzen traditioneller Bild- und Trägermedien auseinandersetzte. Das Bild wurde entrahmt und die Leinwand skulptural eingesetzt. Die Farbe wurde substanzialisiert und erhielt damit Objektcharakter. 1990 erhielt Priesch das Chicago-Stipendium des Bundesministeriums für Kunst und lebt seither in New York. In den 90er Jahren verstärkten sich die Tendenzen zu einer konzeptuellen Malerei, indem Priesch das Medium im erweiterten Feld der Skulptur in seriellen Installationen reflektiert.

www.priesch.net
 

 

 
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