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MINORITEN LITERATUR GRAZ

 

 


 

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Di, 04. April 2006
20.00 Uhr

Kleiner Minoritensaal

Eintritt: 6,50/3,50

 

 

DŽevad Karahasan:

Der nächtliche Rat

 

 

 


„Dein Leben ist für die Katz, wenn du nichts in ihm gefunden hast, wofür du es zu geben bereit bist.”

 

Simon Mihailović, Arzt in Berlin, verheiratet mit einer Journalistin, die er 1968 auf einer Demonstration kennengelernt hat, kehrt nach einem Vierteljahrhundert in seine Heimatstadt Foča zurück. Es ist Ende August 1991, Gewalt, Angst, Fanatismus, nationalistischer Wahn vergiften die Atmosphäre. Kurz nach seiner Ankunft wird eine frühere Mitschülerin, in die er verliebt war, bestialisch ermordet: Zuhra Čengić, Mitglied einer alten bosnischen Familie. Drei weitere Menschen, die ihm nahestanden, werden auf ungeklärte Weise umgebracht. Der Verdacht fällt auf Simon, den Fremden aus dem Westen.

Eines Abends steht Enver Pilav vor der Tür, sein lange verschollener bester Freund, ein Sufi-Mönch. Etwas stimmt nicht mit ihm. In den Tagen und Nächten, die sie träumend und diskutierend miteinander verbringen, geschieht eine Verwandlung: Je tiefer Simon in sich selbst hineingeht, desto mehr vermag er sich einer anderen Welt zu öffnen. Bis er mit Enver in den Barzakh, das unterirdische Zwischenreich, wo sich die Seelen der seit Jahrhunderten Ermordeten versammeln, hinabsteigt, um die große Kette der Gewalt zu durchtrennen.

Auf dem Hintergrund der jüngsten Zeitgeschichte erzählt Dževad Karahasan die Geschichte eines Mannes, der sich seiner Herkunft vergewissern will und mit dem heraufziehenden Krieg konfrontiert wird. „Der nächtliche Rat“ ist ein eindringlicher Roman, in dem Kriminalhandlung und theologische Spekulation, Liebesgeschichte und radikale Zeitkritik kunstvoll ineinander gewoben sind.

 

 

Dževad Karahasan,

geboren 1953 in Duvno/Jugoslawien ist Erzähler, Dramatiker und Essayist. Die Belagerung Sarajevos war Thema seines in zehn Sprachen übersetzten „Tagebuchs der Aussiedlung” (1993) und seiner beiden letzten Romane „Schahrijârs Ring” (1997) und „Sara und Serafina” (2000). Für seinen Essayband „Das Buch der Gärten” wurde er 2004 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Er lebt in Graz und Sarajevo.