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<< Home >> ORT: MINORITEN Galerien Mariahilferplatz 3, 2. Stock AUSSTELLUNGSDAUER 18. 01. - 17. 02. 2006 ÖFFNUNGSZEITEN Mo-Fr 10-18 Uhr u.n.V.
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http://www.anderwald-grond.net/ |
In der Ausstellung THIS MEANS YOU zeigen die beiden Fotoserien und Filme, die in den letzten Jahren entstanden sind. „Wir gehen davon (und damit von uns) aus, dass der Mensch in konkreten Bildern denkt. Daher sehen wir die stumme Bilderwelt als Basis unserer Erkenntnismöglichkeit. Nicht nur was wir sprachlich formulieren können sind die Grenzen unserer Welt, sondern auch was wir täglich sehen und was wir imaginieren. Das Aufnehmen von Bildern entspricht für uns einem fortwährenden Modellieren von Wirklichkeit.“ Dieser künstlerische Prozess, Wirklichkeit weiterzutreiben, ist mit ihrem Interesse verwoben, wie wir Menschen uns zu unserer Umgebung verhalten. Umgebung meint für sie das geistige, körperliche oder gesellschaftliche Umfeld. Ihr Arbeiten vergleichen sie mit musikalischer Improvisation.
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Das Künstlerpaar Anderwald + Grond stammt aus Graz und lebt in Wien. Sie zeigen bei den Minoriten – nach der Kunsthalle Wien, dem museum in progress, Wien, dem Herzliya Museum of Contemporary Art, Israel, dem Centre Culturel “La Clef”, Paris - in Graz ihre erste große Einzelausstellung. Für ihre Arbeit im Bereich Fotografie und Videokunst, wurden sie gerade im November 2005 mit dem Förderungspreis der Stadt Graz ausgezeichnet.
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VAN GESICHT Vertigo + Vanitas = GeistGesicht
ANDERWALD+GROND sind Zugvögel. Nein, Schwalben. Tollpatische Engel. Grashüpfer. Maulwürfe. Tunnelgucker. Tiefseetaucher. Einfach nur Schwimmer. Paristelavivnewyorkstuttgartkarlsruhesarajewowien. (Born in Graz.) Stopp. Als König und Königin steigen sie feierlich die Prachttreppe im Wiener Gründerzeithaus empor, feierlich nur deshalb, weil es die Hülle der Treppe ist (im Halbstock ein Fenster und gleich daneben, als Verdoppelung, ebensogroß, der Spiegel, sodass man auch die Rückenansicht hat). Queen and King sind ohne Hülle, nackt. Bei diesem Job hätten es Eva und Adam belassen sollen. Es wäre auch keine Gründerzeithausaltbauwohnungsbesitzerin in Ohnmacht gefallen, die Stiege abwärts und im veredelten Vertigo gelandet. THIS MEANS YOU. Die Wahrnehmung, mit der sich ANDERWALD+GROND beschäftigen ist auch unsere, ihr Angebot auch unsere Projektion. „Bei den Minoriten möchten wir die Frage stellen, wie der Mensch versucht, über das vergängliche Sein hinauszuwachsen…“ erklären sie mir irgendwann im Sommer. Wenn ANDERWALD+GROND stoppen, setzen sie sich fest. Gezielt und bestimmt und wir-bewusst. Immer freundlich, mit einem Hauch von Unschuld, bereitwillig sich zu erklären, mit dem feinen Zauber eines Künstlerpärchens, online eher englisch als deutsch. Ihre künstlerische Arbeit ließe sich mit der Improvisation zeitgenössischer Musik vergleichen. Elemente zu kombinieren, die nicht zusammengehören, z.B. Ein Tiefseetaucher in SW und ein Steinhausschrei in Farbe. Börsenkurven und daneben Müßiggänger. Einst in einem von der Arbeiterkammer gesponserten Projekt auf Plastikplane geplottet, fangen diese letzt genannten Bilder von Freunden, die sich der Wachstumsindustrie so radikal entziehen, die Filminstallation „Freedom is fragments“ (2005) ein. In Uraltästhetik der Super 8-Filme samt laut ratterndem Projektor sprühen die Bilder von der Decke auf den kleinen schuldlosen weißen Fleck auf den Boden. Und drehen sich wieder um, zucken in schwarz-weiß wieder in den Himmel, durch die Sicht auf die Baumkronen. Als ob man träumte, im Gras läge oder die ferne Erinnerung aus Kinderwagenposition einnähme. Ein Schwindel von oben nach unten nach oben. Apropos Erinnerung: ANDERWALD+GROND kämen vom amerikanischen Experimentalfilm vor allem der 60-er, 70-er Jahre, erklären sie weiter, als wir über „frühere Arbeiten“ sprechen. Geboren 1976 und 1977. Egal. Ihr mediales Erforschen tritt als Kunst auf die Bühne. Sie ist haptisch, erlebbar. Der Film rattert nicht nur durch die Projektionsmaschine, sondern läuft als Schleife durch den Raum. Die Bleistiftzeichnungen sind nur dem haptischen Blick erst zugänglich. Es sind Wurzeln. Sehr zarte Wurzeln. Die Fotos hängen ohne Glas. Die Mehrfachgesichter auf ihnen sind nicht ein Produkt digitaler Bildbearbeitung, sondern von klassischer Mehrfachbelichtung: Dazu sind genaue Berechnungen notwendig, nicht nur schwarze Hintergründe. Manchmal verschiebt sich genial die berechnete Kalkulation. „Wir haben Arbeiten zusammengetragen, die sich mit den Zuständen des Menschen beschäftigen.“ THIS MEANS YOU. Die Zustände sind: Schwindel, Vertigo, Schwindel. Nachdem wir Virilio zugeklappt haben, eine erneute Constatation, die aber mit einer künstlerischen Frage beginnt: Wie kann man Gegensätzliches in eine Form bringen, mehr noch, wie kann man über die Bedeutung der reinen Darstellung hinaus kommen, wie kann man der Wahrnehmung selbst (mehr kann man in der Kunst doch nicht wollen) ein Schnippchen schlagen. Dazu ist, wenn man Musik gerade nicht zur Verfügung hat, in der Tat etwas Beschwörung vonnöten. Ein Tänzeln über der Vorstellung, den Körper wenigstens mit Mehrfachbespiegelungen zu konfrontieren. Ihm die Göttermasken aufzusetzen. Ihm etwas zu entlocken, sodass die Kaskaden der Bilder und vermeintlicher Wahrnehmung innerhalb zweier Grenzen zum Stillstand kommen. Und diese Grenzen sind, im Angesicht der Götter-Gesichter bei ANDERWALD+GROND: Zartheit und Gewalt. Ekstase und Selbstdarstellung. Fragilität und Grausamkeit. Cliché und Aufbruch. Vanitas in der Kunst handelte im 16. Jahrhundert mit Symbolen der Eitelkeit und Vergänglichkeit. Besonders schöne Frau, besonders kluger Mann suchen sich Skelett, Totenkopf oder auch andere Knochenteile des menschlichen Körpers. Noch gibt es keine Knochen bei ANDERWALD+GROND. Aber eben Spiegel. Königliche! (Im Treppenhaus, z.B.) Und Mehrfacherscheinungen im Bild, die manchmal Spiegelungen gleichen, aber auch zu Horror vacui, Ekstasis und Vertigo entgleiten; Beschwörungsmittel eben, dem Körper – dem Gesichte! – an den Leibe zu rücken, ihn mit der Frage zu bedrängen, ob und wie der Geist den Körper braucht, wer wie lange lebt, ob er Hülle sei oder aber auch Substanz. Klarerweise ist es nötig, mit solcher Art von Fragen das Gesicht zu brechen, zu beschwören, zu betören und zu beschreien: Projektion, Identifikation, Vereinnahmung stehen dabei jonglierend Pate.
Veroniken sind freilich GeistGesichter nicht.
Johannes Rauchenberger
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WILLKOMMEN in den MINORITEN GALERIEN Graz!
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