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Ilya und Emilia Kabakov: Unrealized Projects UTOPISCHE ARCHITEKTUREN |
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Vernissage: Sa, 1. Oktober 2005 14 Uhr Minoriten-Galerien im Rahmen des Galerientages des steirischen herbst Ausstellung bis 12. November Kurator: Dr. Thomas Kellein (Kunsthalle Bielefeld) Organisation: Johannes Rauchenberger, Assistenz: Roman Grabner
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UTOPISCHE ARCHIEKTUREN, d.h. „nicht verwirklichte Projekte“ des international renommierten Künstlerpaars Ilya und Emilia Kabakov sind im steirischen Herbst 05 bei den Minoriten zu sehen: Entsprechend oder kontradiktisch dem Thema „Stadt“ geht es um den Versuch, „mehr oder weniger geordnet der Zivilisation zu entrinnen“ (Thomas Kellein). Die Mehrzahl der gezeigten Projekte ist für ganz bestimmte Städte entstanden, andere Projekte beziehen sich auf die Lebensbedingungen in Städten. Allen aber gemeinsam ist: sie wurden nicht realisiert. Die Gründe werden von den Projektautoren nicht mitgeteilt, sie liegen aber nicht in der Stümperhaftigkeit, in der Übergröße oder an den zu hohen Baukosten. Als utopische Architekturen bestehen nur als „Projekt“, nach Kabakov die Grundform jeder „Utopie“. |
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Tipp: Das neu erschienene Heft „Kunst und Kirche 2/2005“ ist dem Thema „Stadtutopien“, gestaltet von Alois Kölbl und Johannes Rauchenberger, gewidmet. Darin finden Sie den Aufsatz „Apfel, Archiv und Antenne: Das Projekt der ‚Utopischen Stadt’ von Emilia und Ilya Kabakov“ von Johannes Rauchenberger (S. 108-112). Erhältlich im Kulturzentrum bei den Minoriten (12 €) oder beim Verlag unter www.veritas.at.
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Als „Projekte“ verwandeln sie Orte poetisch. Meist ist dafür nur eine völlige Neuinterpretation des bestehenden Raumes vonnöten (Boris Groys). Ein Industriefriedhof als ehemaliger Ort der Erzaufbereitung wird zur Metapher der Aufbereitung von Schätzen und Energie, zwei aneinandergrenzende Kopfbahnhöfe, zwischen denen Züge eingeklemmt sind, werden zum Ort des Asyls für Emigranten, ein Lesesaal einer Bibliothek, die am Fußboden mit berühmten Bildern der abendländischen Kunstgeschichte staffiert wird, zum unbewussten umfassenden Kulturgedächtnis oder eine Toilette auf einem Berg durch ihren unüblichen Eingang zum Ort umfassender Einkehr. [1]
Für den „russischen Menschen“, sagt Ilya Kabakov, sei „die Erde der falsche Platz für den Menschen“ (8). Dessen Existenz gleiche der eines Kindes, das ohne Fahrkarte eine überfüllte Kutsche besteigen müsse. „Folglich kreisen seine Gedanken um den Kosmos, folglich liegen seine eigentlichen Möglichkeiten in der Kunst“ (8). Kabakov baut auf die Fliehkräfte des erhabenen Geistesgefühls; das immer wieder kehrende Engel- oder Flügelmotiv im Werk, das weiße Licht, der Gedanke an Raumfahrzeuge, die modernen Antennen zum Kontakt zu einer anderen Welt und zum Einfangen der kosmischen Energie, sind aber immer verbunden mit ganz konkreten Orten der „schwer bewohnbaren Erde“. Diese Orte, meist Orte von Städten, werden mit „Projekten“ poetisch verwandelt. Meist ist dafür nur eine völlige Uminterpretation des bestehenden Raumes vonnöten (Boris Groys).
Projekte haben Vorschlagcharakter, ihre mögliche Realisierung hängt vom Bauherrn und vielen, weiteren verschiedenen Koordinaten ab. Die hier gezeigten Projekte zeichnen sich durch ihre Nicht-Realisierung aus. Als ob die Kabakovs an die anonyme Macht des sowjetischen Apparates erinnern wollten, werden die Gründe für die Nicht-Realisierung nicht genannt, gleichzeitig damit aber der Weg frei gemacht für deren poetische Realität. „Projekte“, „ein eigenes Projekt zu haben, es zu entwerfen und zu verwirklichen“ sind für die Kabakovs „die einzig mögliche Art, der einzige Weg ist, ein erfülltes Leben zu führen. Jeder Mensch kann, jeder sollte sein eigenes Projekt haben und realisieren – gerade darin konzentriert und verkörpert sich der Sinn seines Lebens, nur dadurch kann er demonstrieren, ‚wer er ist’, wozu er in der Lage ist, sich einen Namen zu machen’. Erst in dem Moment, in dem er sein ‚Projekt’ definiert, beginnt sein wahres ‚Sein’, im Gegensatz zum bloßen ‚Überleben’“ (54). Obwohl ein „Projekt zu haben“ die Grundvoraussetzung für ein sinnerfülltes Leben sei, bedeute dies grundsätzlich nicht, einfach im „Projekt-Status“ zu verharren. Grundsätzlich drängen die Projekte der Kabakovs auf Verwirklichung, freilich mehr als poetische Alternative, als künstlerische Gegenwelt zu bestehenden Welten, anders gesagt, als „ausgetüftelt mehrdeutige, sich ständig von der Erde in den Himmel und dann wieder in den Keller zurückbewegende Kunstauffassung“ (Kellein). Utopie ist für die Kabakovs die „wichtige Grundlage der Kreativität und Stiftung einer globalen, vielleicht sogar unrealisierbaren Idee mit humanistischem, erhabenem und romantischem Inhalt; die Bedeutung der Phantasie und des Traums für den Menschen bei der Umsetzung jedes von ihm ersonnenen Projekts, wie pragmatisch es ihm auch erscheinen mag“ (28). [1] „Die Utopische Stadt und andere Architekturprojekte – Ilya und Emilia Kabakov“ sind der Titel einer umfangreichen Ausstellung aus Zeichnungen und Architekturmodellen, die Thomas Kellein in der Kunsthalle Bielefeld (12. 9. – 14.11. 2004), im Kunsthaus Zug (27.2. – 5. 9. 2005) und, parallel zur Ausstellung in Graz, in der Albin Gallery London (16. Oktober – 23. Dezamber) zeigt. Zu dieser Ausstellung erschien ein umfassendes Kunst-Buch (415 S. m. 662 Farbtafeln, dt.-engl.), hgg. von Thomas Kellein und Björn Egging: Ilya und Emilia Kabakov. Die Utopische Stadt und andere Projekte, Kerber-Verlag, Bielefeld 2004: Das Katalogbuch ist in der Ausstellung erhältlich. (Die Seitenanzahlen beziehen sich auf diese Publikation.). Die Grazer Ausstellung wurde durch eine Sondersubvention von LH Waltraud Klasnic ermöglicht.
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Anmeldungen für Führungen für Schulklassen unter roman.grabner@minoritenkulturgraz.at oder unter 0316/ 711133-31 |
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