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ZWEI PORTRAITKONZERTE für nicolaus a. huber |
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DO 27.10. /
FR 28.10. |
DO 27.10. FR 28.10. |
INTERPRETiNNENEnsemble ZeitflussEdo Micic, EinstudierungCathrine Vickers, Klavier
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![]() Foto: N.A.Huber |
Der am 15. Dezember 1939 in Passau geborene Komponist Nicolaus A. Huber (nicht zu verwechseln mit dem Schweizer Klaus Huber) steht im Mittelpunkt zweier Konzerte im Oktober. In Deutschland gilt er seit langem als einer der allerwichtigsten Vertreter einer politisch-motivierten „engagierten“ Musikauffassung innerhalb der Neuen Musik. Als (mittlerweile emeritierter) Lehrer an der Folkwanghochschule in Essen erlang er einen besonderen Ruf. So unterschiedliche Persönlichkeiten wie Gerhard Stäbler, Jörg Birkenkötter oder Hannes Seidl führte der Weg in Hubers berühmte Kompositionsklasse. Dem hierzulande noch selten gespielten Komponisten sollen neben den beiden Konzerten am 27. und 28. Oktober auch Vorträge und Diskussionen in Graz ein Forum gegeben werden. Diese Veranstaltungen finden im Rahmen des heurigen Steirischen Herbstes statt.
„Was zunächst an den Kompositionen von Nicolaus A. Huber
auffällt, ist ihre absolute Eigenständigkeit. Das danach Auffallende ist
ihre Selbstverständlichkeit. Beides geht gemeinhin nur schwer zusammen,
hieße es doch, die Begriffe vertraut und unvertraut zu koppeln. Aus dieser
dialektischen Spannung aber lebt die Musik Hubers. Erfahrungen darüber,
was musikalische Gebärde, Zusammenspiel, traditionelle Befrachtung oder
die Freiheit neuer Räume - zeitlich wie örtlich - heißen können, sammelte
er in den sechziger Jahren bei Stockhausen ebenso wie bei Nono, genügen
konnte es ihm - nicht zuletzt angesichts der umgestülpten
gesellschaftlichen Strukturen - keineswegs. "Diese Anregungen, die ich von
Nono bekommen habe, haben mir irgendwie nicht genügt. Also nur am Material
und am Geschichtlichen - da fand ich zu wenig Zugang zu den eigentlichen
Wurzeln. Ich habe mich dann mit Psychologie beschäftigt und gemeint, wenn
man das Tonale wirklich ausreißen will, dann genügt es nicht, nur
irgendwie eine Spielweise zu vermeiden, sondern man muss sich grundlegend
selbst verändern - und von daher gesehen habe ich diese Art, die Tonalität
anzugehen und den Menschen praktisch erneuern zu wollen."
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Der Komponist heute, so stellt es sich für Nicolaus A. Huber
dar, ist weitgehend alleingelassen. Wenn er - als politisch Schaffender -
vor zwanzig Jahren zumindest intentional noch für die Masse komponierte,
sich auf Rückkoppelungen von dieser Seite einstellte, steht er heute vor
einer schweigenden; einer Masse, die zudem von einem größer werdenden
Apparat beherrscht wird, dem es ausschließlich obliegt, die Wirklichkeit
simulierend zu verdrehen (von den Nachrichten bis hin zu den Video-Spielen).
So hat sich der schöpferische Musiker gerade diesen Mechanismen zuzuwenden -
und vor allem die letzten Arbeiten von Huber kreisen immer wieder um Aspekte
der Irritation, der Täuschung über Auge und Ohr. Die Philosophie Jean
Baudrillards übte in dieser Hinsicht einen großen Einfluss auf Huber aus.
Parallel dazu tritt diesem kritischen Ansatz eine Rückbesinnung auf die
elementaren Kräfte des Metiers an die Seite. "Ich glaube überhaupt, dass ich
eine besondere Neigung zum Elementaren habe. Das kann eine Skala sein, auch
nur ein einzelner insistierender Ton. Sprachkauderwelsch oder Ornamentik
liebe ich nicht, mir wird eher schlecht, wenn ich das bei Anderen höre."
Eine neue Nähe wird von Huber angestrebt, die Intensität des Augenblicks,
die er beim Fragmentarischen des späten Luigi Nono ebenso entdeckt wie -
welch Spannweite! - in den Short Stories von Charles Bukowski. Hierin
erblickt er sogar Aspekte einer freilich völlig neu zu definierenden
Tonalität. "Diesen Bereich der Überschau- und Bestimmbarkeit mit so wenig
Teleologie wie möglich habe ich ,Nahbereich’ genannt. Die Pflege und
Entfaltung des Ich-Kerns, die Versicherung des Nahbereichs bezeichne ich
seit kurzer Zeit als neue Definition von Tonalität."
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