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NIE STEHT ES NICHT BEVOR. MINORITEN INTERMEDIALER SCHWERPUNKT 05 |
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Historia Mortis Senecae Secundum Tacitum von Florian Geßler |
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c) Petra Sterry, "Mortus Vivendi", 1994-2004 |
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ein Stück von Florian Geßler Interpretinnen: Margot Oitzinger, Mezzosopran Szuszanna Nagy, Flöte Eva Bajic, Klavier |
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Zu Florian Geßlers Historia Mortis Senecae Secundum Tacitum |
Am 19. April 65 ging Lucius Annaeus Seneca auf Geheiß seines einstigen Schülers Nero in den Freitod. In gelassenem Rapportstil berichtet uns Tacitus in allen Einzelheiten von dieser Begebenheit. Es wird berichtet, wie Seneca darauf bedacht ist, Haltung zu bewahren, seinen Selbsttod als letztes Beispiel stoischer Lebenslehre zu vollziehen. Aber ganz so glatt geht’s eben nicht: einen kurzen Moment wird er fast schwach, dann nämlich, als sein Weib beschließt, mit ihm zu sterben und er das nicht mit anzusehen vermag. Auch lassen sich seine Pulsadern nicht so leicht öffnen, zu hager ist Seneca und so zieht sich sein Tod entsetzlich lange hin. Ein Beispiel politischer Willkür, in der nüchternen Darstellung umso anklagender, zeigt es doch, was Machtausübung in letzter Konsequenz fürs Individuum bedeutet. Florian Geßler hat diesen Text gefiltert und zieht aus dem Material der Sprache des Tacitus musikalisches Material. So entsteht keine „Vertonung", keine bloße musikalische Verdopplung, seine Musik ist diskret und fürchtet sich dennoch nicht vor Semantik: nicht affirmativ als Affekt, sondern als Aspekt des musikalischen Verlaufs. Mit der „Historia Mortis Senecae Secundum Tacitum" steht Florian Geßler ganz in der Tradition der musikalischen Um- und Neudeutung historischer Merkwürdigkeiten, wie sie für das frühe Barock eines Heinrich Schütz oder eines Monteverdi typisch sind. Mit Fug und Recht kann man behaupten, hier eine avancierte, zeitgenössische Antwort auf das Madrigal zu hören, und wie dort zieht uns die Intensität solch stachliger Komplexität in ihren Bann. Anklage durch Zurücknahme, keine Note zu viel, eine karge Klanglandschaft diskreter Schönheit. (Christian Klein) |
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