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MARKUS WILFLING

ANTECHAMBER - vor der Scheidung

 

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Markus Wilfling verleiht Erinnertem sichtbare Gestalt, entlässt funktional klar Definiertes in Freiräume der Fantasie und führt so spielerisch in eine Krise: durch vordergründig absurd erscheinende Eingriffe tun sich hintergründige Welten auf, wird allzu klar und sicher Be- und Gewusstes aus den Angeln vermeintlich fixer Stabilisierung gehoben.   

  

„Weltbilder“ wurzeln in „Welt-Anschauung“, generiert und überprüfbar durch Wahrnehmung. Einen exponierten Ort von Weltanschauung – das Studentenhaus der katholischen Hochschulgemeinde – befragt der Künstler Markus Wilfling durch einen subtilen skulpturalen Eingriff, lässt die Betrachter teilnehmen wie er von seiner Erinnerung eingeholt wird: Eine Treppe, die in repräsentativer Absicht verschwenderisch Platz für sich beanspruchend den Raum ausfüllte, darf als temporäres Erinnerungsbild wiederkehren. Wie in einem surrealen Traum gewinnt ihr Geländer der funktionalen Determinierung enthoben Eigenleben und vermag jenseits seines ursprünglichen Zweckes – nichts anderes als sich selbst stützend - als Skulptur Fantasien zu beflügeln.

         Wilfling befragt die Strukturen unserer Wahrnehmung, seine Kunst versteht sich als bewusster Eingriff in gewohnte Seh-Erfahrung. Irritationen korrigieren vorgefasste Sichtweisen, verkehren alltägliche Erfahrungen in ambivalente, werden zur Krise, wenn Schatten sich als feste Körper materialisieren, oder Erinnerung zur Skulptur gerinnt. Kunst kommt in mannigfaltigen Facetten zur Welt, sie hat den Weg von der auratisierten Künstlichkeit zum banalen Alltags-Objekt bereits hinter sich. Wilfling bleibt genau an dieser Stelle stehen und entführt doch subtil auf eine ganz andere Ebene: das alltägliche Objekt, das eine ganz konkrete Funktion zu erfüllen hat, oder präziser: sein Erinnerungs-Schatten wird in der künstlerisch zur festen Substanz geronnenen Materialisierung optischer Wirklichkeit zum Ausgangspunkt einer Gegen-Welt im Kopf des Betrachters.

         Skulptur schafft neue Räume und als materialisierte Erinnerung will sie über die Schärfung optischer Wahrnehmung hinaus die Wandlungen eines Ortes von „Welt-An­schauung“ fokussieren.

Alois Kölbl

 

Markus Wilfling

Geb. 1966 in Innsbruck, Besuch der Kunstgewerbeschule in Graz, Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 2003 Kunstpreis der Diözese Graz-Seckau. Ausstellungen u.a. in Graz, Stadtmuseum (1990), Neue Galerie (1990, 2001), Joanneum Ecksaal (1994), Galerie Eugen Lendl (1995, 2000, 2001, 2002, 2003), Galerie CC (2000), St. Andrä (2000, 2002); Wien, Galerie Trabant (1997), Ausstellungsraum Mezzanin (1997), Galerie Christine König (2001), Projektraum Viktor Bucher (2002, 2004); London, Österr. Kulturinstitut (1998), Istanbul, Kunstuniversität (2000); Zürich, Galerie Wengihof (2003). Lebt und arbeitet in Graz und Wien.

 

 

 

 

Installationsansichten "Erinnerung einer Skulptur" im Studentenhaus Leechgasse 24; Fotos: A. Kölbl, unten: J. Rauchenberger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

09. Oktober - 07. November 2004

 

Kuratoren:  Alois Kölbl / Johannes Rauchenberger

 

Ausstellungsort:

Studentenhaus Leechgasse 24

Die Installation ist bis Ende Dezember 04 im Foyer des Studentenhauses zu sehen

 

 

MINORITEN-Galerien im ehem. Jesuitenkollegium/

Priesterseminar, Bürgergasse 2, 8010 Graz

 

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